Schon Konfuzius

Schon Konfuzius bezeichnete Poesie durch drei Zeichen: shi yan zhi – “Poesie drückt den eigenen Willen aus.” Die Art des Schreibens läßt die gesamte Person und ihre Fähigkeiten durch diesen einzigen Text erkennbar werden.

YANG LIAN: DIE ELEGANZ DER LITERATI. Individualität und Ästhetik in der klassischen Kultur Chinas. In: Lettre International 105/ 2014, S. 18.

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Maxime

Töte niemals einen Literaten; lieber befiehl, ihn zu bestrafen!

Maxime des chinesischen Kaisers Song Taizu (927-976). Sie wurde in seinen  Palästen aufgehängt.

In den 300 Jahren der Song-Dynastie [d.i. 11.-14. Jh.) wurde nicht ein Literat, der den Kaiser kritisiert hatte , getötet; und die schlimmste Strafe bestand darin, ins Exil geschickt zu werden; oft jedoch konnten Exilierte später zurückkehren.

Yang Lian: Die Eleganz der Literati. Individualität und Ästhetik in der klassischen Kultur Chinas. In: Lettre International 105 (2014) S. 19.

Lettre 105

lettre105
Aus dem Inhalt:

POESIE DER PILLE

JOSÉ MIGUEL WISNIK
FUSSBALL IN BRASILIEN
Lebenskunst und Lebensfreude im synkopischen Rhythmus des Spiels

YANG LIAN
DIE ELEGANZ DER LITERATI
Individualität und Ästhetik in der klassischen Kultur Chinas

TADAO ANDŌ
DER GEIST DES WABI-SABI
Die Freuden eines kleinen Mönchs in einer vom Wind zerzausten Robe

SAKAGUCHI ANGO
WAHRE SCHÖNHEIT
Fabrik, Gefängnis, Kriegsschiff – Von Notwendigkeit und Substanz

SIHAM BOUHLAL
BUCH DES BROKATS
Raffinement und Eleganz in der frühen arabischen Kultur

GEORGES NIVAT
UKRAINISCHE VERWERFUNG
Europa ist in Rußlands Schicksal einbezogen und Rußland in Europas

PHILIPPE VIDELIER
DER LETZTE ÜBERLEBENDE
Zar, Matrosen, Henker – Die Meuterei auf dem Panzerkreuzer „Potemkin“

SEYMOUR M. HERSH
ROTE LINIE, RATTENLINIE
Giftgas, Bürgerkrieg und Krieg – Obama, Erdoğan und Syriens Rebellen

ARCHITEKTUREN DER MACHT
SERGIO BENVENUTO
DEN FÜHRER LIEBEN
Über Masse, Feinde, Charisma und das verkörperte Ideal

VALERIJ PODOROGA
DAS HERREN-MONSTER
Tyrannei und Transgression – Zu einer Anthropologie der Macht

ROBERT MORRISSEY
NAPOLEON BONAPARTE
Das System des Ruhms und die moderne politische Legitimität

MARCEL HÉNAFF
DIE BÜHNE DER MACHT
Die Inszenierung der Politik – Über sichtbare Figuren der Souveränität

ETIENNE BALIBAR
MACHIAVELLIS TRAGIK
Der Principe – Von Tatmenschen und Masse, Klugheit und Gewalt

WARREN BRECKMAN
DIE MACHT UND DIE LEERE
Radikale Demokratie, Postmarxismus und das machiavellische Erbe

COLM TÓIBÍN
TÀPIES IN KATALONIEN
Spuren, Narben und Läsionen – Notizen aus dem Land der Toten

JOACHIM KALKA
DER MOND

HANNES OPEL
WORKUTAS KRIEGER
Vom Leben nach der Verbannung

JURICA PAVIČIĆ
SKOPJE IM DELIRIUM
Der Postkommunismus im Spiegelkabinett oder die Tilgung der Moderne

JAUME CABRÉ
WAS IST LOS IN KATALONIEN?

HÉCTOR ABAD
GABO UND DIE SEELE DER SCHRIFT

MICHAIL RYKLIN
ERINNERUNGEN AN DIE KRIM

Ein Garten im Winter

1.7.1.1 yang lian: ein garten im winter

Textkette

Ausgewählt von Connie Schmerle

Mein Beitrag zur Idee der Textkette… Mir, von Armin Steigenberger, zugewiesener Dichter: Yang Lian.

 

Ein Garten im Winter

II

Niemand vertraut dem Wort weniger als ein Dichter.
Mitten im Schnee, im weißen Fleck ist eine Rose schon welk im Keim.
Die Flamme floh zwei eiskalte Hände.
Der Winter hatte zu tun wie ein emsiger Redakteur.
Ich wurde zu einem Schnipsel nach Zuschnitt der Sonne,
geduckt den Geruch meiner Verwesung atmend.
Beizeiten verweht war der Garten im Nordwind eines Menschen.

Ein Leben für eine Chimäre, zuletzt ihr immer noch hörig.
Nur die Stille spielt die blaue Musik der Bäume.
So fiel derselbe große Schnee zweimal von meinen Schultern.
Als er den Garten bedeckte, war ich vergessen.
Als er die Kreuzung befiel, war ich in die Irre entlassen.
Die Straße, verwaist im Licht, glich einer Kehle,
so heiser bei ihrer Rezitation, jahrelang beäugt von hinfälligem Wort.

Yang Lian

(ins Deutsche übersetzt von Wolfgang Kubin)

 




‪Kristian Kühn gefällt das.




Connie Schmerle ich finde: es ist ein ungeheures – ein gutes gedicht. es hakt da zwar für mich an der dritten, der in deutsch übersetzten, zeile in block eins (im original: eigentlich fließender text) – doch ansonsten flirrt es um einen herum, an einen heran und hinterlässt atmosphäregefühl. schön, in die auseinandersetzung mit dem gedicht gekommen zu sein. eine lohnenswerte textkette.




Armin Steigenberger schönes gedicht




Connie Schmerle ja. Übersetzung anzeigen
Connie Schmerle kristian, ich wünsche mir, ihnen sicher nichts unvertrautes: ein blake-gedicht.




Armin Steigenberger connie, ich sehe jetzt erst deinen kommentar, der war noch nicht da, als ich überlegte, wie ich sage, dass mir das gedichte gefällt, ohne es zu liken = erneut die textkette anzuschmeißen.deshalb wirkt mein kommentar unter deinem ein bisschen tumb
Connie Schmerle immerhin, ich habe mich gefreut über den kommentar.
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