Bier. Für Leising

Noch ein Biergedicht

Karl Mickel:

Bier. Für Leising

Maulfaul, schreibfaul bist du, Richard, gern
Stemm ich aufn Tisch zwei Ellenbogen
Und denke, es sind viere. weas steht zwischen
Uns? Bier. Helga! noch zwei große

Weiße Blumen auf dem gelben Stiel.
Was tue ich? sagst du, ich deute
An, sag ich. Die Wirklichweisen
Wenn die was sagen, sagen die: Naja

Ich kenne diese Frau, vom Hörensagen
Aber verbürgt: dreißig, neun Jahre am Fließband
Der zucken, wo sie geht und liegt, die Arme
Die läuft zum Psychiater, denn sie wünscht

Zu kündigen. Der Wunsch, klagt sie, sei krankhaft.
Wer Ohren hat zu sehen der wird schmecken.

entstanden 1973, ED in Karl Mickel: Eisenzeit. Gedichte. Halle: Mitteldeutscher Verlag, 1975.

Hier zum Anhören

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DIE BILDER


1.7.4.4.1.1.1.2.2.2 richard leising: die bilder

Textkette

Ausgewählt von Bettina Boeck

 
Richard Leising für die Textkette auf Wunsch von Jane-Anne Igel

 

DIE BILDER

Die Bilder bleiben nicht, wir bleiben heiter
Ein letztlich heiteres Geschlecht, weil diese gehen
Bis wir nicht mehr sie selbst, nur ihr Verschwinden sehen.
Gut, daß sie fliehn. Wir können sie nicht fliehen
Ihr einziger Weg ist: Weg von uns; das treibt sie weiter
Als wir mit unseren aufgeschlagnen Knien
Jetzt gehen sollten. Schon geht wunderbar
Anstatt des Bilds sein schnelles Fliehen uns an, noch schneller
(Das Bild wird dunkler und der Blick wird heller)
Bleibt uns nur wunderbar noch, daß es war.
Gut, daß es schwindet! Anders schwänden wir
Vor unseren Bildern hin und wären nicht mehr hier.