Knechtung

Kaaba und Götzenhaus bedeuten Knechtung,
Der Christen Glocken, hört, sie läuten Knechtung.
Kirche und heil’ge Schnur und Rosenkranz und Kreuz,
Wahrlich, sie alle nur bedeuten Knechtung.

Aus: Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers  – Rubaijat-i-Omar-i-Khajjam / aus dem Persischen übertragen von Friedrich Rosen.  – Stuttgart und Leipzig: Deutsche Verlagsanstalt, 1909

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Oh come with old Khayyam…

Vielleicht antizyklisch in der Nähe des Frühlingsbeginns – aber stimmt ja trotzdem:

OH, come with old Khayyám, and leave the Wise
To talk; one thing is certain, that Life flies;
One thing is certain, and the Rest is Lies;
The Flower that once has blown for ever dies.

Omar Khayyam, in der Fassung von Edward FitzGeralds erster Ausgabe von 1859.

The Rubaiyat of Omar Khayyam
[translated by Edward Fitzgerald] illustrated by Willy Pogany
London: George G. Harrap & Co. Limited, o.J. (ca. 1920) (Bound in Suede Leather)

Trink Wein, dass er Vergessen schenke

1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3.2.1.2 Omar Khayyam: Trink Wein, dass er Vergessen schenke,

Mansur Arshama

Für das Liken von 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3.2.1 Paul Éluard: Unser Leben hat Roland Erb mir ein Gedicht von Omar Chayyam zugeteilt. Hier ein Vierzeiler in eigener Übersetzung:

مي خور كه ترا بيخبر از خويش كند خون در دل دشمن بد انديش كند
هشيار بدن چه سود دارد؟ جز آنك ز انديشه پايان، دل تو ريش كند

Trink Wein, dass er Vergessen schenke,
Gemeinen Feindes Herz in Blut versenke.
Was nützt dir Wachheit? Nichts andres als
Das End bedenkend Herz in Gram ertränke.

Gefällt mir · · 16. April um 18:38

Wir und der Wein

Wir und der Wein und die Tavernenbank und unsere Säuferkörper wir sind / Ledig der Hoffnung auf Gnade und Furcht vor Bestrafung (Omar Khayyam, 1048-1131)

Aus einem Rubai des persischen Dichters

Ich, Sänger, Wein, der wüste Raum: Gewand,
Pokal, Herz, Seel’ weihn wir dem Wein als Pfand;
Der Gnadenhoffnung und der Straffurcht ledig,
Was sind uns Erde, Wasser, Wind und Brand?

Hart, Julius: Divan der persischen Poesie: Blütenlese aus d. pers. Poesie, mit e. litterarhist. Einl., biogr. Notizen u. erl. Anm.. Halle a.d.S.: Otto Hendel, 1887 (Bibliothek der Gesamtlitteratur des In- und Auslandes ; Nr. 143/145), S. 50.

Susanne Baghestani schrieb in einem Kommentar in der Lyrikzeitung:

ماییم و می و مطرب و این کنج خراب
جان و دل و جام و جامه پر درد شراب
فارغ ز امید رحمت و بیم عذاب
آزاد ز خاک و باد و از آتش و آب

Quelle: http://ganjoor.net/khayyam/robaee/sh6/

(Hier) sind wir und Wein und Sänger/Musikant und dieser Winkel der Schenke,
Seele und Herz und Pokal und Gewand voller Schmerz des Weines (nach Wein lechzend)
Ledig der Hoffnung auf Gnade und Furcht vor Bestrafung,
Frei von Erde/Staub und Wind und von Feuer und Wasser

1. Wir, hier wohl als Pluralis majestatis
2. Winkel der Schenke, wörtl. kondsch-e charāb, s. Charābāt
http://de.wikipedia.org/wiki/Charābāt

In der Transkription werden die vielen Alliterationen deutlicher. Das persische “wa” (und) wird nicht nur in der Dichtung zu “o” verschleift, z.b. “man o to” (ich und du):
Mā-yim o mey o motreb o in kondsch-e charāb
dschān o del o dschām o dschāme-ye por-e dard-e scharāb
fāregh ze omid-e rahmat o bim-e azāb
āzād ze chāk o bād o az ātasch o āb

Vierzeiler

1.6.7.1 omar khayyam: vierzeiler

Textkette

Ausgewählt von Michael Gratz

 
Weil mir Bobrowskis „Der lettische Herbst“ gefiel, wies mir Thilo Krause Omar Khayyam zu.
Die English speaking peoples der Welt hatten das Glück, in Edward Fitzgerald einen Nachdichter des 900 Jahre alten persischen Dichters zu finden, dem es gelang, aus dem mittelalterlichen Dichter populäre englische Verse zu gewinnen. Wir hatten das nicht, nichts Populäres jedenfalls.
Ich entscheide mich für Julius Hart, der 1887 einen „Divan der persischen Poesie“ herausgab. Über Khayyam (Hart transkribiert Chijam) schreibt er einleitend: „Wie Hafis wurde auch Chijam als Religionsspötter, als ‚persischer Voltaire‘ von den Rechtgläubigen verfolgt, ja mit dem Tode bedroht; wie die Hafisischen Ghaselen wurden auch seine Vierzeiler später ganz mystisch gedeutet.“

Ich wähle ein paar „einschlägige“ Vierzeiler in Harts Numerierung; in einem Fall stelle ich eine Strophe Fitzgeralds dazu:

 

3.
Ihr Töpfer, die emsig den Thon ihr knetet,
Mit Händen ihn klopft, mit Füßen ihn tretet,
Bedenkt doch: was ihr also mißhandelt,
Sind Menschenleiber, zu Erde verwandelt.

7.
Weit lieber mit einer Schönen mag ich im Weinhaus plaudern,
Als ohne sie in den Moscheen beten;
Ja, Gott, ich wage sonder Zagen und Zaudern
Mit diesem Glaubensbekenntnis vor dich hin zu treten.

12.
Grüßt ehrfurchtsvoll von mir den Muhammed,
Und sprecht: „Herr der Lebendigen und Toten!
Sag an, warum erlaubst du den Sorbet,
Und hast den reinen klaren Wein verboten?“

13.
„Dir, Chijam, bietet seinen Gruß der Herr der Toten und Lebend’gen,
Doch Ignorant, wie mißverstehst du meines Weinverbots Natur!
Erlaubt hab ich den Wein für die Verständ’gen,
Und ich verbot ihn für die Dummen nur.“

30.
Eine Flasche roten Weines und ein Büchlein mit Gedichten
Und die Hälfte eines Brotes, andres wünsch‘ ich mir mit nichten;
Dann nur irgend eine Wüste, um mit dir darin zu wohnen,
Und beneiden will ich fürder keinen Herrscher von Millionen.

A book of Verses underneath the Bough,
A Jug of Wine, a Loaf of Bread – and Thou
Beside me singing in the Wilderness –
Oh, Wilderness were Paradise enow.

45.
Ist der Sinn von Wein und Rosen doch nur Weinverehrern klar!
Ihn begreifen Geistesarme, Herzensschwache nimmerdar;
Während ihre stumpfe Seele nur das Niedrigste gewahrt,
Wird dem Trinker des Genusses höchste Wonne offenbart.