In Parward (4)

Weiter mit der ersten Zeile

A parouart la grant mathegaudie

Zu Parward, der großen Mathegaudie

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Ausgabe von 1489

Mathe (masse), sagt F2, bedeutet „Stadt“, gaudie (sogar ins Bayrische importiert als a Gaudi) „Freude“. Paris, die große Freudenstadt. Über der die Haut der Gehängten langsam von Sonne und Wind gegerbt wird. Ungefähr das sagt Villons erste Zeile.

Jetzt die drei mir bekannten deutschen Fassungen.

Carl Fischer:

Hier in Paris, der schönen großen Stadt,

Eine Doppelübersetzung, erst aus dem Französischen ins Deutsche und dann aus Gauner- in moralisch und politisch korrekte Hochsprache. Poesie ist das nicht.

Löpelmann:

In Parward hier, dem Ferbemackum groß,

Remané:

Zu Parouart, im grandig Mokum jofe,

So kann ein Gedicht anfangen.

Siglen

In 9 von den 14 in meiner Bibliothek vorhandenen Bänden ist sie nicht enthalten.

F = Französisch

D = Deutsch

E = Elektronische Quellen

  • F1: Villon: Œuvres poétiques. Texte établi et annoté par André Mary. Paris: Garnier-Flammarion, 1965
  • F2: Villon: Poésies complètes. Présentation, édition et annotations de Claude Thiry. Paris: Librairie Géneral Française, 1991 (Lettres gothiques)
  • D1: Villon: Dichtungen. Französisch und deutsch, übertragen mit einer Einleitung und Anmerkungen von Martin Löpelmann. München: Georg D.W. Calwey, o.J. [1937]
  • D2: Die Lebensbeichte des Franois Villon. Übertragen von Martin Remané. Berlin: Rütten & Loening, 1964
  • D3: Villon: Sämtliche Werke. Zweisprachige Ausgabe. Hrsg. u. a.d. Französ. übers. von Carl Fischer. München: dtv, 2002 (2.revidierte Aufl.)
  • E1: Le grant testament villon et le petit. Son codicille. Le iargon & ses Balades. Paris:  P. Levet, 1489
  • E2: Le Grant Testament Maistre Françoys Villon et le Petit. Son Codicille avec le Jargon et ses Ballades. s. d.
  • E3: Oeuvres complètes de François Villon : suivies d’un choix des poésies de ses disciples / dition préparée par La Monnoye, mise au jour, avec notes et glossaire par M. Pierre Jannet. Paris: E. Picard, 1867

Wird fortgesetzt.

Bisher über Villon

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Dein Epigramm

Alexander Puschkin

Wenn dich die Mückenschwärme frech umschwirrn
Die Journalisten, laß sie sticheln, stechen!
Verachte sie, biet ihnen nicht die Stirn,
Umsonst ist’s, dem Geschmeiß zu widersprechen!
Mit Höflichkeit und Logik wirst du nie
Die aufdringliche Brut zur Ruhe bringen.
Gräm dich nicht drum! – Dein Epigramm wird sie
Blitzschnell mit einem Schlag zum Schweigen zwingen.

Deutsch von Martin Remané

In: Alexander Puschkin. Poesiealbum 169. Berlin: Neues Leben, 1981, S. 10.

СОВЕТ

Поверь: когда слепней и комаров
Вокруг тебя летает рой журнальный,
Не рассуждай, не трать учтивых слов,
Не возражай на писк и шум нахальный:
Ни логикой, ни вкусом, милый друг,
Никак нельзя смирить их род упрямый.
Сердиться грех — но замахнись и вдруг
Прихлопни их проворной эпиграммой.


Ex ungue leonem

Alexander Puschkin (1799-1837)

Ex ungue leonem *

Ich spuckte neulich ein paar Verse aus
Und gab sie ohne Unterschrift heraus;
Dem Zeitungsschuft, der sie dann kritisierte
Und sein Geschmier wie ich auch nicht signierte,
Ihm nutzte seine Jahrmarkts-Narretei
Nicht mehr als mir die Heimlichtuerei.
Wie er erkannte gleich des Löwen Krallen,
Sind mir des Esels Ohren aufgefallen.

Aus dem Russischen von Martin Remané

Ex Ungue Leonem

Недавно я стихами как-то свистнул
И выдал их без подписи моей;
Журнальный шут о них статейку тиснул,
Без подписи ж пустив ее, злодей.
Но что ж? Ни мне, ни площадному шуту
Не удалось прикрыть своих проказ:
Он по когтям узнал меня в минуту,
Я по ушам узнал его как раз.

(1825)

*) Lat.: An der Klaue erkennt man den Löwen