Mana Aghaee, Heimat

Heimat

Wenn ich behaupte,
meine Heimat in der brennenden Hafensonne
zurückgelassen zu haben,
ist es eine Lüge
Ich habe sie wie einen Dattelkern in mein Kopfkissen gepflanzt
Meine Mutter sagt, Heimat sei ein Blumenbeet der Sprache, das man täglich bewässern muss
Meine Schwester glaubt,
sie könne sich nicht an die Heimaterde binden
Für sie ist Heimat ein grüner Hügel in Abschnitt neunzehn des Friedhofs Solena, nahe Stockholm,
zu dessen Füssen wir meinen Vater vor zwei Jahren
zwanzigtausend Kilometer fern seiner Geburtstadt
zu Grabe trugen
Ich aber sage,
Heimat ist ein Baum
im Dschungel meiner Träume,
der wachsen wird.

Aus dem Persischen von Susanne Baghestani

Anm. Dieses Gedicht hatte die iranische Dichterin auf ihrem alten Blog „Geflüster der Töchter Sapphos“ veröffentlicht. Auf ihrer gleichnamigen neuen Website ist es leider nicht vorhanden. http://iranianpoetry.com/

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