Lied vom schweigenden Tod

heute vor dreißig jahren starb salvador espriu​ (* 10. Juli 1913 in Santa Coloma de Farners; † 22. Februar 1985 in Barcelona)

Cançó de la mort callada

Pregunten: «Et lamentes,
quan t’és donat el càntic?
Nosaltres acceptem
aquesta mort callada.
Humilment estimem
la nostra mort.»

Rellotge: rosa, sorra,
rosa, desert. Després?
Por del perdut que mira
la claror de ponent.

Mur de la nit: a penes
la remor d’unes ales
enllà de l’aire, somni
ja presoner. Camino
seguit de prop per passos
en la neu.

I sento com la muda
mort dels homes s’emporta
el meu do de paraules:
esdevé pur silenci
el meu dolor.

Lied vom schweigenden Tod

Sie fragen: »Was klagst du,
wo dir doch Gesang gegeben ist?
Wir nehmen diesen
schweigenden Tod an.
Demütig lieben wir
unseren Tod.«

Uhr: Rose, Sand
Rose, Wüste. Danach?
Angst des Verirrten,
der das Licht im Westen schaut.

Mauer der Nacht: kaum
das Flattern von Flügeln
jenseits der Luft, schon
gefangener Traum. Ich gehe,
aus der Nähe gefolgt
von Schritten im Schnee.

Und ich spüre, wie der stumme
Tod der Menschen mir
die Gabe des Wortes nimmt:
Reines Schweigen wird
mein Schmerz.

[übertragung: àxel sanjosé]

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Dann kommt der Tod

Joan Vinyoli (1914-1984)

Vindrà la mort

Vindrà la mort i els ulls m’arrencarà:
veuré llavors un altre firmament.
La finitud és un vaixell varat,
l’hortalissa que menjo no té cucs,
el silenci m’impregna de clarors.
La mort és purament un canvi més.

Dann kommt der Tod

Dann kommt der Tod und reißt mir beide Augen aus:
dann werd ich einen andren Sternenhimmel sehn.
Die Endlichkeit ist ein an Strand gesetztes Schiff
und das Gemüse, das ich ess, hat keinen Wurm,
mit Helligkeiten imprägniert die Stille mich.
Der Tod ist weiter nichts als noch ein Wandel mehr.

(aus: Domini màgic, 1984; dt. Übertragung: àxel sanjosé)

Am Mittwoch, den 11.2., präsentieren Miquel de Palol und Àxel Sanjosé den Dichter im Münchner Lyrik Kabinett. mehr