Feuilletonisten und Lyriker

Mit den perfekten Feuilletonisten ließe sich leben, wenn sie es nicht auf die Unsterblichkeit abgesehen hätten. Sie wissen fremde Werte zu placieren, haben alles bei der Hand, was sie nicht im Kopf haben, und sind häufig geschmackvoll. Wenn man ein Schaufenster dekoriert haben will, ruft man nicht den Lyriker. Er könnte es vielleicht auch, aber er tut’s nicht. Der Auslagenarrangeur tut’s. Das schafft ihm seine soziale Position, um die ihn der Lyriker mit Recht beneidet. Auch ein Auslagenarrangeur kann auf die Nachwelt kommen. Aber nur, wenn der Lyriker ein Gedicht über ihn macht.

Karl Kraus

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Kunst und Religion

Wer Kunst und Religion besitzt, der hat auch Wissenschaft. / Wer diese beide nicht besitzt, der habe Wissenschaft.

Karl Kraus: Gedichte, Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1989, S. 45.

 

Bei Goethe heißt es:

Wer Wissenschaft und Kunst besitzt,
Hat auch Religion;
Wer jene beiden nicht besitzt,
Der habe Religion.

Zahme Xenien IX. In: Goethe: Sämtliche Gedichte in 2 Bänden. Hrsg. Karl ibl. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1998, Bd. 2, S. 737