Wir und der Wein

Wir und der Wein und die Tavernenbank und unsere Säuferkörper wir sind / Ledig der Hoffnung auf Gnade und Furcht vor Bestrafung (Omar Khayyam, 1048-1131)

Aus einem Rubai des persischen Dichters

Ich, Sänger, Wein, der wüste Raum: Gewand,
Pokal, Herz, Seel’ weihn wir dem Wein als Pfand;
Der Gnadenhoffnung und der Straffurcht ledig,
Was sind uns Erde, Wasser, Wind und Brand?

Hart, Julius: Divan der persischen Poesie: Blütenlese aus d. pers. Poesie, mit e. litterarhist. Einl., biogr. Notizen u. erl. Anm.. Halle a.d.S.: Otto Hendel, 1887 (Bibliothek der Gesamtlitteratur des In- und Auslandes ; Nr. 143/145), S. 50.

Susanne Baghestani schrieb in einem Kommentar in der Lyrikzeitung:

ماییم و می و مطرب و این کنج خراب
جان و دل و جام و جامه پر درد شراب
فارغ ز امید رحمت و بیم عذاب
آزاد ز خاک و باد و از آتش و آب

Quelle: http://ganjoor.net/khayyam/robaee/sh6/

(Hier) sind wir und Wein und Sänger/Musikant und dieser Winkel der Schenke,
Seele und Herz und Pokal und Gewand voller Schmerz des Weines (nach Wein lechzend)
Ledig der Hoffnung auf Gnade und Furcht vor Bestrafung,
Frei von Erde/Staub und Wind und von Feuer und Wasser

1. Wir, hier wohl als Pluralis majestatis
2. Winkel der Schenke, wörtl. kondsch-e charāb, s. Charābāt
http://de.wikipedia.org/wiki/Charābāt

In der Transkription werden die vielen Alliterationen deutlicher. Das persische “wa” (und) wird nicht nur in der Dichtung zu “o” verschleift, z.b. “man o to” (ich und du):
Mā-yim o mey o motreb o in kondsch-e charāb
dschān o del o dschām o dschāme-ye por-e dard-e scharāb
fāregh ze omid-e rahmat o bim-e azāb
āzād ze chāk o bād o az ātasch o āb

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