Dichtergrüße aus dem Osten

Karl Florenz: Dichtergrüsse aus dem Osten – Japanische Dichtungen. Leipzig: Amelang`s Verlag, 12. Aufl., o.J. (4.1896)

Mit farbig illustriertem Deckeltitel auf Krepppapier/Hosho-Papier und als Blockbuch gebunden, 98 Doppelseiten. Ausgewählt, aus dem Japanischen übersetzt, mit Vorwort und Anmerkungen von Karl Florenz. Durchgehend mit Farbholzschnitten von Hanko, Kason, Mishima Yunosuke (Shoso) und Arai Shujiro (Yoshimune) bebildert.

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Das ist das Gedicht

Was, ohne Gewalt anzuwenden, Himmel und Erde bewegt, die den Augen nicht sichtbaren Geister und Gottheiten zu Mitgefühl rührt, die Beziehungen zwischen Mann und Frau noch zärtlicher macht und auch das Herz des ungestümen Kriegers besänftigt, das ist das Gedicht.

Vorwort der japanischen Anthologie Kokinwakashû aus dem Jahre 905. In: Gäbe es keine Kirschblüten… Tanka aus 1300 Jahren. Stuttgart: Reclam, 2009, S. 8

Sinnlosigkeiten

AUS DEM YEHON YAMATO-NISHIKI

Sinnlosigkeiten

Wer bei des Erstgebornen Aufziehung — mit heißer Bemühung — die Brust ihm an die Nase legt, — oder wer sich pflegt — auf leichten, kühlen — Ruhepfühlen — in der Sommerfrischen — mit schwerem Reiswein und Fischen, — der ist genau — ebenso schlau, — als wenn er den Gürtel einer Frau, — wie sie Yedo nicht schöner schaffen kann, —- wollte von hinten gaffen an!

Übertragen von Julius Kurth, aus: Japanische Lyrik aus vierzehn Jahrhunderten. Nach den Originalen übertragen von Dr. Julius Kurth. München und Leipzig: R. Piper, 1909. (Die Fruchtschale. Eine Sammlung. XVII: Japanische Lyrik), S. 89

繪本大和錦 : 繪本大全.
Ehon yamato nishiki : ehon taizen. Verlag: [Place of publication not identified] : [publisher not identified], [186-] 3 volumes (double leaves; chiefly illustrations) ; 23 cm. Nächst gelegener Fundort: Cornell University Library, Ithaca, NY 14853 United States (12.000 km)

Anmerkung des Übersetzers:

Reiswein und Fische —- sake sakana –— sind ein beliebtes Menu zur Mondschau im Herbste. Ob die Gürtelgeschichte nur darauf geht, daß man einer schönen Dame lieber ins Gesicht sehen soll, oder auf den Unterschied zwischen den hinten geschürzten Gürteln ehrsamer Frauen und den vorn geschürzten der Kurtisanen, wage ich nicht zu entscheiden.

Entschwundene Jugend

   O wie entbehr' ich
 Den Blütenleib der Jungfrau,
   Der lotusblumig
 Entfaltet, wie der Lotus,
 Der Seebucht von Kusaka!

Die Verfasserin wird „die Getreue des Kaisers Yuryaku“ genannt.

Übertragen von Julius Kurth, aus: Japanische Lyrik aus vierzehn Jahrhunderten. Nach den Originalen übertragen von Dr. Julius Kurth. München und Leipzig: R. Piper, 1909. (Die Fruchtschale. Eine Sammlung. XVII: Japanische Lyrik)

Die Verfasserin war ein Mädchen, dem der Kaiser Yuryaku seine Liebe versprochen, sie aber dann jahrelang vergessen hatte. Als er sie wiedertraf, „war sie verblüht“, sagt der Nachdichter. (Über den Reifezustand des Kaisers wird nichts ausgesagt). „Von ihrer Treue bewegt beschenkte er sie und widmete ihr Gedichte.“

Der Kaiser regierte 457-479. Es ist die archaische Zeit der japanischen Lyrik. Das Gedicht steht in der ältesten Sammlung japanischer Dichtung, dem um 759 abgeschlossenen Manyôshu (Zehntausend-Blätter-Sammlung), in dem 4173 Tanka (Kurzgedichte), 262 Chôka (Langgedichte) und einige in anderen Formen versammelt sind.

 

Blume & Mond

Basho (1644-1694)

Japanese:

見るところ花にあらずと云ふことなし、
思ふところ月にあらずと云ふことなし。

Romanization:

Miru tokoro hana ni arazu to iu koto nashi,
omou tokoro tsuki ni arazu to iu koto nashi

Translation #172:

There is nothing you can see that is not a flower;
There is nothing you can think that is not the moon.

Aus: Classical Japanese Database