altmodische balade

Itzik Manger

altmodische balade
(1. Strophe)
 
doß lidl is alt. nor ß’schat nischt,
as men singt eß fun zeit zu zeit,
derikerscht winter beim ouwn,
wen ß’waremen sich oreme leit
un ß’zitern di verbeß bei dem kiln teich.

Das Lied ist alt. Aber es schad‘ nichts,
wenn man es singt von Zeit zu Zeit,
vor allem im Winter beim Ofen,
wenn sich wärmen die armen Leut
und es zittern die Weiden am kühlen Fluß.

אַלטמאָדישע באַלאַדע
 
דאָס לידל איז אַלט. נאָר ס’שאַט נישט,
אַז מען זינגט עס פֿון צײַט צו צײַט,
דערעיקרשט װינטער בײַם אױװן,
װען ס’װאַרעמען זיך אָרעמע לײַט
און ס’ציטערן די װערבעס בײַ דעם קילן טײַך.

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Was ermordet wurde

Eine Regel besagt: Was ermordet wurde,
kommt nie mehr wieder zurück.
Statt eines Steines wird auf dem Grab
sich wiegen Jankeles leere Wiege.
Und von der Wiege wird die Welt träumen,
nachtein, nachtaus, jahrein, jahraus,
solang sie nicht richtet und vernichtet
das deutsche Mörder- und Irrenhaus.

faranen a klal as woss ss’is dermordet,
kumt schojn nischt kejn mal mer zurik.
anschtot a mazejwe wet ibern kejwer
sich wign jankeless lejdike wig.
un di wig wet kumen der welt zu cholem,
nacht ajn, nacht ojss, jor ajn, jor ojss‚
bis si wet nischt richtn, un wet nischt farnichtn,
doss dajtsche merder un meschugoim-hojs.

 

Aus: Itzik Manger: Dunkelgold. Gedichte. Jiddisch und deutsch. Hrsg., a.d. Jiddischen übersetzt und m.e. Nachwort versehen von Efrat Gal-Ed. Mit Umschrift des Jiddischen, Abbildungen und mit CD. Frankfurt/Main: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2004, S. 252f