Und (2)

Günter Eich

UND

Nebel Nebel Nebel
und in den Ohren
Haare, eine
unverbindliche
Freundlichkeit
und
und
Rajissas süßes Gelächter.

Was zusammengehört,
eine Erfahrung,
was mit und zusammengehört
nur mit und,
keine Begründungen.

Das wird anhalten
wenn mir das und nicht
mit den andern Wörtern entfällt.
Es reicht, es reicht, danke, es reicht.

Günther Eich: Gesammelte Werke Bd.1: Die Gedichte. Die Maulwürfe. Hrsg. Axel Vieregg. Frankfurt/ Main: Suhrkamp, 1991, S. 299 (Unveröffentlichte Gedichte)

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Und (1)

Günter Eich
UND

Und
macht die Welt begreiflich:
Der Schlieffenplan
und
eine Klingelanlage für Scheintote.

Günther Eich: Gesammelte Werke Bd.1: Die Gedichte. Die Maulwürfe. Hrsg. Axel Vieregg. Frankfurt/ Main: Suhrkamp, 1991, S. 148 (Ursprünglich aus: Anlässe und Steingärten, 1966)

Ach und O

Ach und O sind zwei Gedichte, die jeder versteht. Und verhältnismäßig kurz, sie erfordern keine langjährige Übung im Lesen. Ob sie jedem gefallen, ist eine andere Frage, sie passen nicht, wenn man den schönen Götterfunken voraussetzt. Bravo oder bis bis wäre da viel besser, aber nicht so kurz. Jedenfalls führt Schwermut in die Anarchie, so einfach ist das. Entzückt verzehrt der Wolf sein Bein, das ihm ein Tellereisen abgerissen hat. Gesegnet sei der Tag, der mir Nahrung gab, ruft er. Der Wolf soll uns ein Beispiel sein. Eine tabula rasa ist besser als ein leerer Tisch, von der fabula rasa kam ich darauf, die Welt ist ein Druckfehler.

Günter Eich, aus: Beethoven, Wolf und Schubert. In: Günter Eich: Gesammelte Werke in vier Bänden. Revidierte Ausgabe. Bd.1: Die Gedichte. Die Maulwürfe. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1991, S.382.

Steingärten

Zuviel Welt ausgespart. / Keine Möglichkeit / Für Steingärten.

Günter Eich, aus dem Gedicht „Fußnote zu Rom“, in: Günter Eich, Die Gedichte. Die Maulwürfe. Hrsg. Axel Vieregg. (Gesammelte Werke, Revidierte Ausgabe. Bd. 1.) Frankfurt/ Main: Suhrkamp 1991, S. 136.

Das Gedicht entstand am 23.4. 1963 und hat im Manuskript die Titelvarianten: Notizzettel / Notiz über Rom.

Der mittlere Teil des aus drei „Strophen“ bestehenden Gedichts lautet: Zuviel Abendland,/ Verdächtig.