Nachricht von Gert Neumann

Florian Keßler schreibt auf Facebook über die Sommernummer der Bella triste:

Ich durfte in der Ausgabe über die Essays schreiben, und nachdem ich im Winter so megaruppig über Selektionsschranken hinein in den „Literaturbetrieb“ gesprochen hatte, wollte ich noch mal anders rangehen. Ich habe dann für meinen Aufsatz den Schriftsteller Gert Neumann besucht, der auch einmal ein junger Autor war: Schreibschüler am DDR-Literaturinstitut, wahrhaftig auf den Bitterfelder Weg geschickt, 1969 exmatrikuliert und aus der SED ausgeschlossen. Sein großes Buch „Elf Uhr“ von 1981, eine Art Tagebuch über ein Jahr Lohnarbeit als Betriebsschlosser im damals größten Kaufhaus Leipzigs, ist für mich eine Entdeckung gewesen, in jeder Weise rigoros eigensinnig und mir beim Lesen sehr fremd. Gert Neumann schreibt heute noch immer, jeden Tag, bloß jenseits des heutigen bundesdeutschen Literaturbetriebs, ich stelle mir vor, er schreibt stattdessen im „Unbetrieb“, einem Territorium uns umgebender Textproduktion jenseits aller Funktionäre und aller Publikumsaufmerksamkeit.

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