Der Reim

Franz Werfel

Der Reim
 
Der Reim ist heilig. Denn durch ihn erfahren
Wir tiefe Zwieheit, die sich will entsprechen.
Sind wir nicht selbst mit Aug,-Ohr,-Lippenpaaren
Gepaarte Reime ohne Klang-Gebrechen?
 
Das Reimwort meinst du mühsam zu bestechen,
Doch wird es unversehens offenbaren,
Wie Liebeskräfte, die zerspalten waren,
Zum Kuss des Gleichklangs durch die Fernen brechen.
 
Allein nicht jede Sprache hat geheiligt
Den reinen Reim. Wo nur sich deckt die Endung,
Droht leeres Spiel. Der Geist bleibt unbeteiligt.
 
Dieselben Silben lassen leicht sich leimen.
Doch Stamm‘ und Wurzeln spotten solcher Blendung.
Im Deutschen müssen sich die Sachen reimen.

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Der grösste Deutsche aller Zeiten

Franz Werfel (1890-1945)

Der grösste Deutsche aller Zeiten
(Nach seiner Rede im Berliner Sportpalast September 1938)

Des Teufels Kreuz am Rocke,
Tief in der Stirn die Locke,
Das Chaplin-Bärtchen wie ein Klecks:
Das ist die Dämonie des Drecks.

Dem »Rassensumpf« entquollen
Und früh schon giftgeschwollen,
Bringts dieses trübe Irgendwas
Mit Ach und Krach zur Vierten Klass.

Was bürgerlich missraten,
Gerät zu Göttertaten.
Ein niedres Nichts voll Niedertracht
Sich selbst vermillionenfacht.

Er eint die deutschen Stämme
Zum Volk der Morchelschwämme.
Zum Himmel stinkt, was er geeint.
Das deutsche Wort verdorrt, versteint.

Die Stimme gellt inbrünstig.
Viel Ohren sind ihr günstig.
Und wenn sie durch den Äther bellt,
Wird sie zum Ohrenwurm der Welt.

Wir trotzen ihrem Zeichen
Als Lebende und Leichen.
Im Innern weiss es dieser Grind,
Das wir, dass wir die Sieger sind.

Die Welt wird Blut erbrechen.
Das Reich bezahlt die Zechen.
Dem Volk bleibt Fluch und Fron zum Lohn
Und eine Hoffnung: Davids Sohn.