Über die Welt

Studiert man nicht das “Buch der Lieder”, so hat man nichts, um damit über die Welt zu sprechen.

Konfuzius, Gespräche XVI, 13, zit. in Shijing. Das altchinesische Buch der Lieder. Chines./Dt. Übers. u. hrsg. v. Rainald Simon. Stuttgart: Reclam, 2015, S. 793

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Schiebt keine großen Wagen

Schiebt keine großen Wagen

Schiebt keine großen Wagen,
ihr wirbelt nur Staub auf!
Denkt nicht an den hundertfachen Kummer,
ihr stürzt euch selbst in die Krankheit.

Schiebt keine großen Wagen,
der Staub — nur dunkel, dunkel.
Denkt nicht an den hundertfachen Kummer,
ihr entgeht nicht der Bedrückung!

Schiebt keine großen Wagen,
der Staub nur bedeckt alles.
Denkt nicht an den hundertfachen Kummer,
ihr belastet euch selbst!

Shijing. Das altchinesische Buch der Lieder. Übersetzt u. hrsg. v. Rainald Simon. Stuttgart: Reclam, 2015, S. 491

LENKE KEINEN GROSSEN WAGEN

Lenke keinen großen Wagen,
Denn du wirst davon nur staubig:
Denke nicht an hundert Sorgen,
Denn du wirst davon nur krank…

Lenke keinen großen Wagen,
Denn der Staub trübt nur den Blick dir:
Denke nicht an hundert Sorgen,
Denn sonst bringst du nichts ans Licht…

Lenke keinen großen Wagen,
Denn der Staub wird dich verhüllen:
Denke nicht an hundert Sorgen,
Denn dir wird davon nur schwer…

Buch der Lieder

Pflaumenblüte und verschneiter Bambus. Chinesische Gedichte. Auswahl u. Übersetzung Jan Ulenbrook. Zürich: Manesse, 1969, S. 7

2700 Jahre alt (oder mehr)

White Moon

Aus Anlaß des heutigen Supermonds:

Lu Yu (1125-1210)

Fish sleep
Round moon bathe in long river
I hide behind tree
See naked skin of white moon

Aus: Chinese moonlight. 63 poems by 33 poets. Hrsg. und aus dem Chinesischen ins Englische übersetzt von Walasse Ting. Mit 4 Siegeln und 4 doppelseitigen Farblithographien von Walasse Ting. [American Distributor:] New York, Wittenborn, [1967]. Der aus China emigrierte Künstler Walasse Ting übersetzt die klassischen Gedichte in einer Art Pidgin-Englisch, für das es im Deutschen so keine Entsprechung gibt.

Über den Autor siehe hier, über den Übersetzer hier.

The Tied-Up Chickens

Du Fu

The Tied-Up Chickens

My little servant bound the chickens
ready to take them to market

of course they didn’t like that
they flapped, cackled, struggled

my family doesn’t like to see
chickens devour worms and bugs

but they ought to realize
the chickens will be boiled

should human beings take sides
between the bugs and chickens?

I call out to the servant,
“Untie them, let them run free!”

Chickens or bugs, gains and losses —
it’s never going to be settled,

I think as I lean on this hilltop house
and gaze at the cold river.

The poet David Young’s Du Fu: A Life in Poetry offers 170 poems from the great Tang Dynasty poet’s work, carrying us through his life’s journey — he was known as a journeying poet, rarely in one place for long — and offering fresh translations of these poems that have been with us since the 8th century. / From Knopf poem a day / National Poetry Month