Disputir-Kunst

Barthold Hinrich Brockes

Diſputir-Kunſt.
Willt du ruhig und beliebt, uͤberall gelitten ſeyn:
Diſputir mit keinem Menſchen, er ſey vornehm oder klein.
Denn, du wirſt entweder ſiegen,
Oder aber unten liegen.
Letzters kann dir nicht gefallen; erſters thut dem andern weh,
Mehr, als einer Urſach halber. Sein Verſtand ſoll von der
Hoͤh,
Drauf er ſich geglaubt, herunter. Dieſes iſt ihm aͤrgerlich;
Und er thuts mit Widerwillen. Aber, daß zugleich er dich
Noch vernuͤnftiger, als ſich,
Halten und erkennen ſoll; ſind zween Schlaͤg in einer Wunden,
Die von ſeinem lieben Jch gar zu heftig ſind empfunden.
Und er wird, ohn allen Zweifel, dich, nebſt deiner Wahrheit,
haſſen.
Soll er aber, ſonder Haß, ſich von dir beſiegen laſſen:
Mußt du erſt ſein Herz gewinnen, und dazu beliebter Minen,
Sanfter Toͤne, ſuͤſſer Woͤrter, holden Ausdrucks dich bedienen.
Bey der Tonkunſt brauche ja eines freundlichen Geſichts,
Und bemuͤh dich, deine Schluͤſſe, wie mit Honig, zu verſuͤſſen.
Sonſten richteſt du bey allen mit den ſtaͤrkſten Schluͤſſen nichts;
Und dir wird aus deiner Klugheit nichts, als bittre Wermuth,
ſprieſſen.
(Den Unterschied zwischen „f“ und dem ähnlich aussehenden langen „s“ („ſ“) beachten!)
Mehr in Kürze (Link ist im Moment „wegen Wartungsarbeiten“ darnieder)
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Kirschblüte / Nachts

1.7.4.4.1.1.1.2.2.1.1 kerstin becker nach brockes: kirschblüte. nachts

Textkette

Ausgewählt von Kerstin Becker

So, Dirk Uwe Hansen, Poesie-Schulden begleichen, Textkette! ich hatte Petr Borkovec gelikt, und bekam von dir -einen deiner Lieblinge- Barthold Hinrich Brockes. hab mich schwer getan. Mir war so gar nicht nach ihm. Einige ausgewählt. Verworfen. Am Ende wars dann doch die Kirchblüte bei der Nacht. Und wieder verworfen. Ich brech jetzt die Regel und schick ein an seinen Text angelehntes Gedicht. Kirchblüte / Nachts. Zusätzlich das Original.

 

Kirschblüte
Nachts

Ich seh den Kirschbaum unterm Mond.
Welch Weiß! Als läge frischer Schnee.
Auf jedem Ast auf jedem Zweig
zierliche Tupfen. Flaum.

Das Mondlicht geht durch Blütenblätter
Durchsichtig alles. Zärtlich.
Nachtschatten fallen. Nein wirklich
Nichts Weicheres gibts auf der Welt.

Bin unterm Baum wie angehoben
Berühr berauscht die Blüten mit den Blicken
Auf einmal weiter oben wieder weiß.
Ein Stern durch Mark und Bein.

Ich stehe mit den Füßen auf der Wiese
fasse die raue Rinde schwanke
die Augen wolln mir übergehn vom Baum
zum Himmel mit dem Licht.

(Kerstin Becker, nach B.H.Brockes)

Kerstin Becker Kirschblüte bei der Nacht Ich sahe mit betrachtendem Gemüte…




Michael Gratz jetzt war ich aber auf kirchblüte gespannt
Kerstin Becker oh, hab ich das geschrieben?
Kerstin Becker ah, sehe, ja, das wäre dann eine andere version… noch zu erschaffen
Michael Gratz ah, wir warten drauf