Gartenbuhlschaft oder Krautlieb

 

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Aus: Georg Rodolf Weckherlin: Gedichte, Hermann Fischer (Hrsg.). 3 Bände. Litterarischer Verein in Stuttgart, Tübingen 1894–1907. Band 2: 1895

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Auff den lustigen Flecken Rubar in Gilan

1.7.4.4.1.1.1.1.1.2 paul fleming: Auff den lustigen Flecken Rubar in Gilan

Textkette

Ausgewählt von Mansur Arshama‎

Zugewiesen von Sven Wenig

 

Paul Fleming

Auff den lustigen Flecken Rubar in Gilan /
hinter den Caßbinischen Gebürgen / in welchem die
Holst. Gesandschafft den xxiij. Jenner m. dc. xxxviij.
im Rückzuge aus Persien übernachtete.

Du Lustthall der Natur / aus welchem wir von weiten
deß Taurus langen Gast / den Winter / lachen aus;
Hier tieff spatziren gehn in einer Nais Hauß
die gülden heist und ist; Da alle Fruchtbarkeiten
auf Chloris grüner Brust / und Thetis Schoß sehn streiten
dort so viel Dryaden die Hügel machen krauß /
darvon Silenus bricht / so manchen dicken Strauß /
und jauchtzet durch den Pusch mit allen seinen Leuten.
Osyris der ümmarmt die Oreaden hier;
Pomona hegt das Gold der hohen Pomerantzen /
Läst die Narzissen stets mit den Violen tantzen.
Fürst aller Liebligkeit / was sing‘ Ich deine Zier?
Das Lufft-Volck führt ümm dich ein ewiges Gethöne /
Daß ja nichts ümm und an gebreche deiner Schöne.

Gemeint ist die heutige Kleinstadt Rudbar in der Provinz Gilan, liegt am Kaspischen Meer (Nord-Iran).

 

‪Sven Wenig gefällt das.




Mansur Arshama ‪Sven Wenig, Du hast jetzt die Qual der freien (Gedicht)-Wahl




Sven Wenig Ah schön. Ich denke mir mal bis morgen etwas aus (am besten etwas, das ich schon abgetippt auf einer Datei habe).

Rizas en ondas ricas del rey Midas

1.9.4.3.1.1 francisco de quevedo: Rizas en ondas ricas del rey Midas

Textkette

Ausgewählt von Mirko Wenig

Mein erster Beitrag zur Textkette ist auch schon Eingeständnis des Versagens. Mein Bruder Sven Wenig hat mir den spanischen Barockdichter Francisco Gomez de Quevedo y Santibañez Villegas zugewiesen, von dem ich nichts besitze und von dem ich nur spanischsprachige Gedichte im Netz fand. „Ist ein Formkünstler und Manierist“, behauptet mein Bruder. Google Translator hat sein Bestes gegeben, auch der Übersetzungsdienst PROMT. Aber ach! Seht selbst. Wer das trotz allem liked, bekommt möglicherweise einen Minnesänger mit verschollenem Werk zugewiesen.

 

Rizas en ondas ricas del rey Midas,
Lisi, el tacto precioso cuanto avaro;
arden claveles en tu cerco claro,
flagrante sangre, espléndidas heridas.

Minas ardientes al jardín unidas 5
son milagro de amor, portento raro;
cuando Hibla matiza el mármol paro,
y en su dureza flores ve encendidas.

Esos, que en tu cabeza generosa,
son cruenta hermosura, y son agravio 10
a la melena rica y victoriosa,

dan al claustro de perlas en tu labio
elocuente rubí, púrpura hermosa,
ya sonoro clavel, ya coral sabio.

GOOGLE TRANSLATOR:

Reffen in reichen Wellen von König Midas,
Lisi, der Geizhals als schöne Geste;
Nelken brennen in Ihren Zaun klar,
Brutto Blut, Wunden herrlich.

Minas brenn den Garten zusammen fünf
Enchanted sind, seltene Wunder;
wenn die Arbeitslosigkeit qualifiziert Hibla Marmor
Härte und seine Blumen schaut zu.

Diese, in Ihre großzügige Kopf,
sind blutig Schönheit, und 10 sind falsch
die Reichen und sieg Mähne,

geben den Kreuzgang der Perlen auf der Lippe
eloquent Rubin, schöne lila,
Ton-und Nelke, Salbei und Korallen.

PROMT – ein kostenloser Text- u Webseitenübersetzer

Du kräuselst in reichen Wellen von König Midas,
Lisi, die kostbare Berührung alles, was Geiziges;
sie verbrennen Nelken in deinem klaren Ring,
schamloses Blut, prächtige Wunden.

Heiße Bergwerke im Garten vereinigt 5
das sind Wunder von Liebe, seltenes Wunder;
wenn Hibla den Marmor schattiert, halte ich,
und in seiner Härte sieht er Blumen angezündet.

Diese, die in deinem großzügigen Kopf,
es sind 10 blutige Schönheit, und sind Beleidigung
in der reichen und siegreichen Mähne,

sie geben im Perlenkreuzgang in deiner Lippe
ausdrucksvoller Rubin, schöner Purpur,
schon klangvolle Nelke, bald weise Koralle.

 




‪Katja Thomas gefällt das.
Mirko Wenig Sehr moderne Übersetzungen, das.




Mirko Wenig Ich hätte natürlich versuchen können die Texte auf Basis der Web-Übersetzungen nachzudichten, viel müsste man ja nicht ändern . Aber mehr Manierismus als „eloquent Rubin, schöne Lila“ hätte ich auch nicht gelten lassen, haha!
Mirko Wenig Jaja, Sonett-Form. In diesem Fall eben eine „So besser net!“-Form
Roland Erb Dass ich das geteilt habe, heisst nicht, dass ich mich jetzt anketten lasse. Aber ich will mal irgendwo nachsehen, ob der spanische Text stimmt. Wenn es z.B. „rizos“ hieße statt „rizas“, dann wären es einfach die Haarlocken etc.etc.
Mirko Wenig …ich habe das von IRGENDEINER Webseite genommen, ohne Garantie auf Fehlerfreiheit. Eigentlich wäre es ganz spannend, mit Verwendung der Übersetzungsfehler einen neuen Text draus zu machen. „Wenn die Arbeitslosigkeit qualifiziert“ ist zum Beispiel eine schöne Wendung und hat im Originaltext so sicher keine Entsprechung . Aber ich hatte nicht die Muse, mich dieser doch sehr strengen Form zu widmen, und da fehlt mir sicher auch Talent u Übung .
Mirko Wenig …wobei es ja heißt, Sonette seien leichter zu bauen als andere Formen. Aber dann noch die rhetorischen Figuren zu übernehmen…uff. Sven hat sicher Original und eine gängige Übersetzung .
Sven Wenig Mensch Mirko: wenn aus Deiner Übersetzung mal nicht eine neue Bewegung entsteht. Übrigens: ich schaue immer nochmal nach, ob die Texte im Netz auch richtig sind. Gerade bei fremdsprachigen Texten wähle ich lieber welche, die ich auch zuhauseliegen habe.
Sven Wenig Ich like übrigens trotzdem, schon wegen der Übersetzung. Aber erst, nachdem ich morgen Rumi gepostet habe. Und ‪Fidel Klaufschneider bekommt noch den Attila József. Dass ich diesen noch nicht gepostet habe, liegt daran, dass ich immer noch voller Freude – erstmal lese. Eine tolle Entdeckung für mich: ‪http://www.perlentaucher.de/…/ein-wilder-apfelbaum-will
Attila Jozsef: Ein wilder Apfelbaum will ich werden. Szeretnem, ha vadalmafa lennek. Gedichte…
www.perlentaucher.deAttila Jozsef. Ein wilder Apfelbaum will ich werden. Szeretnem, ha vadalmafa lennek – Gedichte 1916-1937. Deutsch – ungarisch. Zürich, Ammann Verlag, 2005.
Mirko Wenig Katja, DU hast geliked! Muss ich Dir jetzt einen neuen Autoren zuweisen? Kommst Du an Gedichte von Beatrix Haustein ran?
Roland Erb Die spanische Barocklyrik mit den Hauptvertretern Góngora und Quevedo ist ziemlich schwer zu übersetzen. Beim culteranismo und conceptismo, wie diese Dichtungstile genannt werden, spielen Redefiguren, Metaphern, Wortspiele, komplizierte Wortstellung innerhalb der Verse, Mehrdeutigkeit eine riesige Rolle. An neueren Übersetzungsversuchen wäre Erich Arendts Übertragung der Soledades von Góngora zu empfehlen, die es u.a. bei Reclam Leipzig gab.
Sven Wenig Ich habe vor Kurzem, als ich an meiner Barockarbeit saß, von einem sehr bekannten Gedicht Quevedos gleich drei Übertragungen von verschiedenen Übersetzern abgetippt. Aber wie es so ist: gerade finde ich die Datei nicht bzw. den Ordner, wo ich es abgespeichert habe. Vielleicht morgen mal.




Mirko Wenig Google Translator hat wiederum ganz eigene Wortspiele gefunden, haha!

Der 4. (64.) Kühlpsalm

1.6.8.2.1.2 quirin kuhlmann: Der 4. (64.) Kühlpsalm

Textkette

Ausgewählt von Jayne-Ann Igel

 

Auf Kristian Kühns Wunsch für die Textkette:
Quirinus Kuhlmann. Dieser Dichter aus dem 17. Jahrhundert war ein Reisender, die religiös grundierte Ekstase seiner Gesänge einzigartig, dennoch wirken die Texte oft auch spielerisch.

 

Der 4. (64.) Kühlpsalm

[19] Als er nun bei 7 Monden das Josephsverkauffen wegen des Göttlichen Werkes erfahren, und endlich durch den Brekling-Felinschen Scheingeist um der Kühlpropheten, an der verfallenen Anthonetten Sterbtag, unter so vilem Ungemach auch leiblich erlag; bei anfechtung des falschen Gesichtscentrum und vilen Vorfällen verdrükket und erquikket angestimmet zu Amsterdam den 16. 19. Nov. und 25. 27. Dec. 1680.

1.

Aus tiffster Noth schrei abgemergelt Hertz!

Las mich noch einst di matte hand aufheben!

Es harnischt mich und pantzert recht der schmertz!

Di zunge klebt! Angst hat mich rings umgeben!

Mein Gott, mein Gott! Du zentnerst stete last!

Höhr auf, höhr auf, eh ich bin gantz verdrükket.

Gib endlich, gib um Jesu Kreutz mir rast!

Wi lange sol dein Werk sein gantz entschmükket?[19]

Was ist der Mensch, der ewigst wird gepresst?

Halt innen, halt, eh Geist und Seel ausblässt.

2.

Beschwerstdu mich als deinen ärgsten Feind?

Es hat mich schmach nach aller wunsch getroffen.

Si schaun mehr lust als si zuschaun vermeint:

Verlohren wird mehr täglich mir mein hoffen.

Dein Wort scheint nichts als nur ein leerer traum:

Dein führen wird ein lauteres verführen.

Si zweigen sich gleich einem Eichenbaum:

Du aber läst mich mehr und mehr verlihren.

Du mästest si und nimst mir A.L.L.E.S. hin:

Verirrest mich, gibst schaden zum gewin.

3.

Christ Gott und Mensch! Schau her, ich bin dein Glid!

Sol harmung, frost und armutt mich aufzehren!

Ich lige hir, stimm an dis Trauerlid,

Voll Elend, Ach, und tausender beschweren!

Voll Kummer, sorg und was mein stand erwekkt!

Mus hertzenleid unhöhrlich in mich fressen!

Bin höchstbedrängt und über A.L.L. beflekkt,

Als hättestdu schon deines Knechts vergessen!

Mein gaumen klebt vor durst an meine lipp,

Und werde ich lebendig zum geripp.

4.

Di Jugend fleucht! verging als wi das laub!

Ihr Süsses ist mir bitter weggeflossen.

Ich thräne hir: heut etwas, morgen Staub.

Di Tage sind mit jammern mir entschossen.

Bin ich, mein Gott, zu lauter schand gemacht?

Solt ich allein unendlich mich abquälen?

Mein leben war nur eine Trauernacht:

Es ist zuvil mein Elend zuerzählen.

Doch traue ich, mein Gott, dir felsenstark:

Hilf gnädigst, eh vertrokknet blutt und mark.

5.

Erscheinstdu, Gott, mit einem gnadenblikk?

Ach wilstdu, Gott, mein Gott, mich noch erlaben?

Du spilst mit mir im vollem Wunderschikk:[20]

Noch Habacuc mus Danieln erdraben.

Das Löwenmaul verleuhret seine art:

Si können nicht, ob si schon wolln, zermalmen.

Dein Rath wird selbst dir, Babel, zugepaart:

Si werden bald stat unser dich aushalmen.

Ob alles A.V.S. auf unser seite rufft:

Doch ist es nur, O Babel, deine grufft.

6.

Furcht schrekkt Uns wohl, weil alles rechte krum,

Und unser end ist nach Gottloser weise:

Doch siht Gott vor, das wir nicht kommen um,

Und alles eilt zu seinem höchstem preise.

Gott jobisirt Uns bis zur letzten Prob;

Bis Isaac meist und David sind verschwunden:

Dann reisst er aus zu seinem Ehrenlob,

Und ist der Port so plötzlich fort empfunden.

Sovil vor Angst, so vil erfolget lust;

Weil Gott in Uns nur stärker wird bewust.

7.

Gott ist sehr gros in der zerknirschten seel,

Di gantz zermahlt, nicht blos nur durchgemürbet:

Er wohnt in ihr als seiner festen höhl,

Das tausend gütt si täglich sich erwirbet.

Der Vater hält si nun vor seinen sitz,

Darinn sein Wort von ihm aus ihm gebohren:

Der heilge Geist geht aus in sanffter hitz,

Weil zum Pallast Jehovens si erkohren.

Imehr zerknirscht, imehr vom eignem leer:

Imehr wohnt Gott in Uns mit seinem heer.

8.

Höchstkläglich ist durch Gottesruf aufstehn,

Und scheinen doch gleich als im eignem lauffen:

Mit Abraham durch Gott von Ur ausgehn,

Und sovil Jahr nur leeren Wind einkauffen.

Der Geist und Fleisch sind stets im schwerstem kampf:

Wo einer sigt, da mus das andre flihen.

Was himmlisch ist, das ist der Erde dampff:

Was irrdisch, mag nicht in den himmel zihen.

Wo di Vernunfft zur Richterinn gesätzt,

Was wunder, dass Pilatus neu verletzt?
[21]

9.

Im Fische trägt doch Jonas Christi Bild,

Ob ihn di Straff um seine schuld ergriffen:

Zwar David fleucht, weil Gott di straff erfüllt,

Doch Kidrons Bach mus ihm von Christo triffen.

So strafft offt Gott, di er ihm auserwählt,

Und ist di Straff ein segenreich geheimnis:

Gott schlägt den Feind, der si in nöthen quält,

Ihr fallen wird zum wachsen neue käumnis.

Wann Petrus fällt, so steht er thränend auf:

Bekehrt dadurch den allergrösten hauf.

10.

Kommt Samson um, so stirbt er mächtig theur?

Würkt wunderwerk in seinem unterligen:

Er rufft zu Gott, und rächt sich ungeheur,

Vorfigurirt als dann recht Christi sigen.

Di Gott gesalbt, eh si di Mutter kennt,

Lässt Gott im falln nicht Weltgebohrne schertzen:

Si haben Gott, nicht Menschen, sich verrennt;

Gott wil in ernst di Feind und Spötter stertzen.

Wer Gottes Krafft in Gotteshelden höhnt,

Höhnt Gott, nicht si, wi man sich auch beschönt.

11.

Laufft ab von Gott, den Gott zum König sandt,

Josias wird zur rechten stund doch kommen.

Ist Bileam in schnöden Geitz entbrand:

Doch Gott bleibt Gott, der einst aus ihm vernommen.

Di lästern Gott und seinen heilgen Geist,

Di Gotteswort und Menschenworte gleichen:

Muthwillig wird der staub vor gold gepreist,

Weil ider kan den Unterscheid erreichen.

Der Satan hält bei falschem Urtheil haus:

Er herrscht in ihm, und spricht es selbsten aus.

12.

Mus der Prophet erfüllen mit dem thun,

Nicht nur mit mund und Schrifft dem Volk weissagen,

Schwer ist sein Amt, unruhbar (Ah!) sein ruhn:

Unträgbar alls, was er mus täglich tragen.

Das Volk wird blind, wann A.L.L.E.S. sich verkehrt,

Und erst an ihm das Vorspil mus geschehen:[22]

Es urtheilt sich, imehr si ihn bewährt,

Wi endlich lehrt ein Danielsches flehen.

Es ist zuspät bei schonverzehrtem stamm

Zuretten erst di äst aus lichter flamm.

13.

Noch schwerer ist, wann Gott im rätzel spilt,

Und offenbahrt, was er sehrtif verbirget:

Sätzt nah, was fern, und fern, was nah gefühlt,

Erhöhet heut, di Morgen sind erwürget:

Di Welt wird stoltz, ein ider aufgebläht,

Vernarret sind, di Gottes Weisheit küsset:

Der ist ein Spott, der voller glauben sät,

Bis si den hohn in Kindeskindern büsset.

Das höhrbar ist des innern euser hall:

Was innen fil, wird auch des eusern fall.

14.

O schwerste schwer, entzündt im Gottesgrimm,

Wann der Prophet des Volks falschwesen träget!

Gott redet falsch durch des Propheten stimm:

Belohnt das Volk, wi es sein Wort gepfleget.

Gott zörnt mit recht, gibt Satan hauptgewalt,

Um Gottes Feind durch den Prophet zusichten:

Verstokkt das Volk nach eigner Sinngestalt,

Dann narrt Christin, wi man zuvor wolt richten.

Wann Micha redt dem A.H.A.B. plötzlich wohl,

Ist da di Zeit, da er verderben sol.

15.

Prüfft Gott mich nicht zur prob, Verächter, euch?

Lässt ers nicht zu, das ihr euch sollt vergreiffen?

Eur Mas ist voll! Ihr Sodomitet reich!

I heller Sonn: i schnelleres ausreiffen.

Mich feurt di Noth, di sechste Probungsglutt;

Si thönet mich mit allerhöchster thönung:

Si Kühlt und frischt mit himmelweiterm Mutt;

Ihr Nothfeur schenkt der Überwindungs Krönung.

Loths spott ist klein, gros Sodoms Untergang:

Das Kreutz daurt kurtz, der Bosheit straffe lang.

16.

Quellt A.L.L.E.S. nicht aus Jesu Kreutzes quell?

Di Jünger selbst di haben ihn verlassen.[23]

Kein Witz vermocht (als dunkel, was nun hell,

Verborgen, was nun offen) Jesum fassen.

Er ärgert all und sprach, was iden stis;

Redt mit der that, und ward fast nicht gehöhret:

Schin gäntzlich falsch, als er den Geist ausblis,

Bis er entschlos, was er zuvor gelehret.

Wen Christus schikkt, dem mus, wi Christo, gehn:

Di Welt wird ihn, wi Christum vor, verstehn.

17.

Recht auf, Vernunfft! Lig auch an Jesu schos,

Wo du begehrst sein Reich in dir zulernen!

Komm, tische mit! Las deine Ichheit los!

Er ist di Kost: Kein Stern wird mehr dich fernen.

Sih Adam recht, Wi, Wem und wo er fil!

Du wirst nicht mehr in trüben lachen angeln.

Erkenne dich, und deines Schöpffers zil:

Di Warheit wird von oben nirgends mangeln.

Der Schöpffer schuf geschöpff im Freiheitskrantz,

Das si ihr hertz ihm widerstrahlten gantz.

18.

Such ernst, Vernunfft, im bleikleid erstes gold!

Der lebensbaum schwimmt noch in dir bearchet.

Durchperle dich mit der Sophienshold:

Di Fleischvernunfft wird strakks in dir versarchet.

Di Morgenröth durchrosenlilget hoch:

Der König zeucht zum hochzeitfeste prächtig.

Das Paradeis entjocht das Erdenjoch:

Di Zeit wird gleich der ersten Kühlzeit mächtig.

Wir erndten ein nun aller Heilgen Müh.

Eilt, Schnitter, eilt! Genüsst der Perlen früh.

19.

Trutz, Nimrod, trutz, der du ein kleins noch trutzst!

Dein Virreich sinkt! Das Jesuelsche gläntzet!

Du putzest Uns, wann du dich nur entputzst.

Der frost ist weg. Di erste kühlung lentzet.

Der Heilgen blutt, mit dem du dich gefärbt,

Christähnlichet: es hat dein Reich verrissen.

Dein Adler wird mit seinem zehn gesterbt:[24]

Er mus sein blutt, wi ers vergos, vergüssen.

Das Christusreich nimmt aller Reiche würd,

Ausgittelt A.L.L.S. und gibt dem feur di bürd.

20.

Unmögend Volk, das du hochmögend prangst,

Und Christo nicht aufthorest deine länder!

Nimrodisirst! Ja bis du Rom erlangst!

Sein Schwerd und feur und eisenharte bänder.

Was bildstu mir im osten Caiphas vor?

Dein DAMM ist schwach, ob du dich noch so dämmest.

Ach DAME nicht! Der Christrokk ist empor!

Du klemmst und hemmst, imehr du klemmst und hemmest.

Was Christo wird im kleinstem zugefügt,

Das hat ihn selbst, nicht nur sein glid, gerügt.

21.

Wolan, du Löw! Als du den Sibenpfeil

Zu ehren Gott nach dem Euphrat geschossen,

War Gott mit dir; Sein Segen ward dein theil!

Du bist geschwind hochästig aufgesprossen.

Welch Undank, Ach! Was misbrauch Gottes gütt?

Sol Gottes Werk nun hir erst schifbruch leiden?

Bewegt nicht Krig, sturm, Wasser dein gemütt?

Wolan, du Löw. Es ist hoch zeit zuscheiden.

Ein Loth verbleibt bis auf der Straffe Uhr,

Weil er si hilt, das si nicht widerfuhr.

22.

Xerxire du, du grosse Völker Meng!

Du Sand und Staub! vorn waffen ohne waffen!

Komm, komm zum streit mit mächtigem gepräng!

Komm, rüste dich! Wir wolln in Gott einschlaffen!

Wann du dich nahst, mit millionen dräust,

Erwacht in Uns, der dich aus sich verlodert.

Dann ists zuspät, ob du dis ewigst reust:

Du furchtest dich, und hast doch ausgefodert.

Der Weltkreis ist dem heilgem Volk erlöst:

Nun jagt Gott aus, di den aufs neu verböst.

23.

Ypslonisir, Besitze beiden Weg:

Sei rechts und links, bedine Gott und Mammon.

Schallt das geschrei des Breutigams, sei reg:[25]

Auf, einige voll Klugheit Christ und Hammon.

Doch wisse, das der glauben innen werkt,

Und dich belampt das öl der Fünff Jungfrauen:

Du kommst nicht ein, wo nicht neu öl dich stärkt,

Wo du nicht kanst gantz deinem Gott vertrauen.

Der Gott und Welt nach seinem Vortheil sucht,

Verschertzet beid: ist beiden gleich verflucht.

24.

Zubrochen ist, Gottdank, durch deine Krafft,

O Gottes Lamm, das sechst im sibnen Sigel!

Zubrich nun bald des Sibnen Sibenschafft,

Das alle Welt sich seh im Henochs spigel.

Zubrich in mir, was noch ist ohne bruch,

Bis sibenfach das Sibendrei gebrochen!

Eröffne mich, und lis mich als dein Buch,

Das Ros und Lilg in aller Welt gerochen.

Ich bin nur dein, nicht mein, dein eigenthum:

Gott Vater, Sohn und Geist, zu deinem ruhm.
Quelle:
Quirinus Kuhlmann: Kühlpsalter, Band 2 (Buch 5–8 u. Paralipomena), Tübingen 1971, S. 19-26.

 

12. Februar 2014
Kristian Kühn und ‪Kerstin Hensel gefällt das.
Jayne-Ann Igel Kerstin – John Donne
Jayne-Ann Igel Kristian – Arno Holz
Kristian Kühn Okay – danke

Auf die Geburt seines ältesten Sohnes Christiani

1.10.2 andreas gryphius: Auf die Geburt seines ältesten Sohnes Christiani

Sven Wenig
Textkette Mein mir von Roland Erb zugeteilter Dichter mit einem eher weniger bekannten Gedicht aus dem Nachlass – das sich schon deswegen anbietet, weil ich gleich zwei Dichter „Gryphius“ in einen Text bekomme. Übrigens finde ich auch die Inkonsequenz des ersten Teils von diesem Sonett reizvoll: dass sich unter die Alexandriner einige 5-hebige Jamben mischen. Im Grunde ein Verfahren, dass mich an französische Libretti erinnert.

Andreas Gryphius: „Auf die Geburt seines ältesten Sohnes Christiani“

Willkommen süsses Kind/ der Mutter höchste Lust/
Doch die sich schier mit beyder Tod erkäufft/
Willkommen Kind/ das/ weil die Nacht umläufft/
Mit neuer Freud erquickt des Vatern trübe Brust:
Wie? gleich um Mitternacht/ ist dir denn nicht bewust
Was Mitternacht/ in der nur Furcht sich häufft:
Und Wahn in Angst/ und Angst in Weh sich täufft:
Wie? daß du denn gleich itzt das Leben grüssen must.
Diß ist der Engel Fest/ die offt bey Nacht erschienen/
Die führen dich ins Licht/ mit diesen solst du dienen/
Dem/ welcher dich aus Nacht hat in den Tag gebracht/
Die Engel kommen mit! O daß sie dich begleiten!
O daß sie durch die Welt/ durch die gesetzten Zeiten/
Dich führen wo ihr Heer um deinen Schöpffer wacht.

7. Februar 2014 um 23:16


Sven Wenig Wie der Vater, so der Sohn. Übrigens oft mit einer – für die Epoche des Barock – doch auffallenden Eigentümlichkeit in der Literaturgeschichte genannt: ein ungereimtes Sonett

7. Februar um 23:25 ·


Michael Gratz ich like mal nur den nachtrag, weil ich nicht jedes gedicht in meiner textkette beehren kann. oder andersum ausgedrückt, auch andre sollen ihre chance kriegen
8. Februar um 01:28 ·

DIe Lieb ist blind

1.10.1 sibylla schwarz: DIe Lieb ist blind

Ausgewählt von Michael Gratz
Textkette 

Das Prinzip ist einfach – jede Person, welche bei einem Gedicht der Reihe „gefällt mir“ klickt, bekommtt eine(n) AutorIn zugewiesen. Dann einfach ein Gedicht raussuchen, posten und so die lyrische Kette fortführen.
Also Vorsicht: klicken Sie nur „like“ wenn Sie mitmachen wollen. Wozu alle eingeladen sind.

DIe Lieb ist blind / und gleichwohl kan sie sehen /
hat ein Gesicht / und ist doch stahrenblind /
sie nennt sich groß / und ist ein kleines Kind /
ist wohl zu Fuß / und kan dannoch nicht gehen.
….Doch diss muß man auff ander’ art verstehen:
sie kan nicht sehn / weil ihr Verstand zerrint /
und weil das Aug des Herzens ihr verschwindt /
so siht sie selbst nicht / was ihr ist geschehen.
….Das / was sie liebt / hat keinen Mangel nicht /
wie wohl ihm mehr / als andern / offt gebricht.
….Das / was sie liebt / kan ohn Gebrechen leben;
doch weil man hier ohn Fehler nichtes find /
so schließ ich fort: Die Lieb ist sehend blind:
sie siht selbst nicht / und kans Gesichte geben.

Sibylla Schwarz (1621-1638)

Das Gedicht in der Erstausgabe von 1650

Das Gedicht in der Erstausgabe von 1650

Mehr zur Textkette hier https://www.facebook.com/textkette

So geht es: Textkette

Das Prinzip ist einfach – jede Person, welche bei einem Gedicht der Reihe „gefällt mir“ klickt, bekommt eine(n) AutorIn zugewiesen. Dann einfach ein Gedicht raussuchen, posten (auf der eigenen Pinnwand oder hier oder beides) und so die lyrische Kette fortsetzen.
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