Mittelbahn und Schwulst

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Der geht die Mittelbahn, und liebet gleiche Schrift,
Doch fehlt ihm Geist und Kraft. Und wer was Hohes trifft
Wird schwülstig, weil er meint, der Hoheit wahre Sorten
Bestünden nur in Pracht und Ellen langen Worten.

Q. Horatii Flacci Gedancken von der Dicht-Kunst. In Deutsche Verse übersetzt nebst noch einigen andern Gedichten … von Carl Heinrich Langen. Lübeck: In verlegung seel. J.C. Schmidten wittwe, Gedruckt von J.N. Green, 1730 (Google books)

Die Stelle in der Übersetzung von Gerd Herrmann, , Tusculum Studienausgabe Briefe / Von der Dichtkunst, Düsseldorf/ Zürich: Artemis & Winkler, 2003, S. 117 (ich lasse das Zitat hier etwas früher einsetzen):

(…………………………………………….) Wir Dichter fast alle
Lassen uns täuschen vom Anschein des Rechten: streb‘ ich nach Kürze,
Werde ich dunkel; gelingt mir Glätte, so geht mir verloren
Kraft und Feuer; schwülstig gerät das gewaltsam Erhab’ne.

Maxima pars uatum, pater et iuuenes patre digni,
decipimur specie recti. Breuis esse laboro,
obscurus fio; sectantem leuia nerui
deficiunt animique; professus grandia turget;

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Adrian’s Address to his Soul when Dying

1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.2.1.1 George Byron: Adrian’s Address to his Soul when Dying

Adrian’s Address to his Soul when Dying
A Fragment
Byron’s translation of Hadrian’s Latin

Animula! vagula, Blandula,
Hospes, comesque corporis,
Quæ nunc abibis in Loca—
Pallidula, rigida, nudula,
Nec, ut soles, dabis Jocos?

Translation.

Ah! gentle, fleeting, wav’ring Sprite,
Friend and associate of this clay!
To what unknown region borne,
Wilt thou, now, wing thy distant flight?
No more with wonted humour gay,
But pallid, cheerless, and forlorn.
1806.

Übersetzung von Byrons Text von Franz Kottenkamp aus: Lord Byron’s sämmtliche Werke. Ins Deutsche übersetzt von Mehreren. In 12 Theilen mit 11 Stahlstichen. 3., gänzlich umgearb., vérbess. u. vervollständigte Aufl., Stuttgart: Rieger´sche Verlagsbuchhandlung (A. Benedict), 1856. 4. u. 5. Theil, S. 53f:
Du leichtes ungewisses Ding,
Des Erdenthons Begleiterin,
In welches Land dem Blick verwehrt
Erhebst du flatternd dich so flink?
Du zeigst ja nicht den muntern Sinn,
Bist bleich, betrübt, nackt und verstört.

Der Originaltext Hadrians etwa:

Seelchen, schweifendes, zärtliches,
Gast und Gefährtin des Leibes,
Wohin wirst du nun entschwinden?
An bleiche, starre, düstere Orte
Und wirst nicht mehr wie gewohnt scherzen.

Zeige nicht anderen, welche Bürde uns drückt!

1.6.8.4 pindar: Zeige nicht anderen, welche Bürde uns drückt!

Textkette

Ausgewählt von Jayne-Ann Igel
Aber natürlich habe ich etwas von Pindar, nur klemmte bei mir gestern die Textkette ob anderer Belastungen. Pindar hat u.a. etliche Lieder und Bittgesänge hinterlassen, einige der Lieder auch, wie aktuell, an die Olympioniken der Antike adressiert. Hier nun aus den wohl fragmentarisch überlieferten Hymnen Verse, die er an seinen Sohn gerichtet hat:

Zeige nicht anderen, welche Bürde uns drückt!
Eines nur will ich dir sagen:
Anteil an Schönem und Freudeerweckendem
sollte man offen vor allem Volke enthüllen;
trifft jedoch die Menschen ein gottverhängtes,
kaum erträgliches Unheil,
soll man, gebührend, in Dunkel es hüllen.

Benimm dich gegenüber Bürgern aller Städte,
mein Junge, ganz genau so wie die Haut
des seltsamen Polypen,
der fest am meerumschäumten Felsen haftet:
Was gerade vorliegt, mußt du eifrig loben,
mußt anderswo dann wieder anders denken!

Aus: Griechische Lyrik. Bibliothek der Antike. Aufbau Verlag, Berlin, 1980, S. 248. Übertragen von Dietrich Ebener.

‪Kristian Kühn gefällt das.

Von der Ruhe

1.6.8.3 pindar/hölderlin: Von der Ruhe

Textkette

Ausgewählt von Jayne-Ann Igel

Doch etwas von Pindar gefunden, das ein wenig kryptisch erscheint, passend auch zur Jetzt-Zeit:
Von der Ruhe

Das Öffentliche, hat das ein Bürger
In stiller Witterung gefaßt,
Soll er erforschen
Großmänlicher Ruhe heiliges Licht,
Und dem Aufruhr von der Brust,
Von Grund aus wehren seinen Winden; denn Armuth macht er
Und feind ist er Erziehern der Kinder.
Gefällt mir nicht mehr • 8. Februar 2014 um 16:41

Christa Schuenke und ‪Cornelia Eichner gefällt das.

ἀλλ’ ἄγε σὺν κώθωνι θοῆς διὰ σέλματα νηὸς

1.4 Archilochos

Ausgewählt von Dirk Uwe Hansen auf Wunsch von Michael Gratz:
ἀλλ‘ ἄγε σὺν κώθωνι θοῆς διὰ σέλματα νηὸς
φοίτα καὶ κοίλων πώματ‘ ἄφελκε κάδων,
ἄγρει δ‘ οἶνον ἐρυθρὸν ἀπὸ τρυγός· οὐδὲ γὰρ ἡμεῖς
νηφέμεν ἐν φυλακῆι τῆιδε δυνησόμεθα.

Mach hin und lauf mit dem Becher zwischen den Ruderbänken des schnellen Schiffs,
nimm den Deckel vom bauchigen Krug,
schöpf dann vorsichtig den roten Wein, denn wir können unmöglich
auf dieser Wache nüchtern bleiben.

4 West, 5a Diel, P.Oxy. 854