Der Widerchrist

Der Widerchrist

1907

›Dort kommt er vom berge · dort steht er im hain!
Wir sahen es selber · er wandelt in wein
Das wasser und spricht mit den toten.‹

O könntet ihr hören mein lachen bei nacht:
Nun schlug meine stunde · nun füllt sich das garn.
Nun strömen die fische zum hamen.

Die weisen die toten – toll wälzt sich das volk ·
Entwurzelt die bäume · zerklittert das korn ·
Macht bahn für den zug des Erstandnen.

Kein werk ist des himmels das ich euch nicht tu.
Ein haarbreit nur fehlt – und ihr merkt nicht den trug
Mit euren geschlagenen sinnen.

Ich schaff euch für alles was selten und schwer
Das Leichte · ein ding das wie gold ist aus lehm ·
Wie duft ist und saft ist und würze –

Und was sich der grosse profet nicht getraut:
Die kunst ohne roden und säen und baun
Zu saugen gespeicherte kräfte.

Der Fürst des Geziefers verbreitet sein reich ·
Kein schatz der ihm mangelt · kein glück das ihm weicht…
Zu grund mit dem rest der empörer!

Ihr jauchzet · entzückt von dem teuflischen schein ·
Verprasset was blieb von dem früheren seim
Und fühlt erst die not vor dem ende.

Dann hängt ihr die zunge am trocknenden trog ·
Irrt ratlos wie vieh durch den brennenden hof …
Und schrecklich erschallt die posaune.

The Anti-Christ

“He comes from the mountain, he stands in the grove!
Our own eyes have seen it: the wine that he wove
From water, the corpses he wakens.”

O could you but hear it, at midnight my laugh:
My hour is striking; come step in my trap;
Now into my net stream the fishes.

The masses mass madder, both numbskull and sage;
They root up the arbours, they trample the grain;
Make way for the new Resurrected.

I’ll do for you everything heaven can do.
A hair-breadth is lacking – your gape too confused
To sense that your senses are stricken.

I make it all facile, the rare and the earned;
Here’s something like gold (I create it from dirt)
And something like scent, sap, and spices –

And what the great prophet himself never dared:
The art without sowing to reap out of air
The powers still lying fallow.

The Lord of the Flies is expanding his Reich;
All treasures, all blessings are swelling his might . . .
Down, down with the handful who doubt him!

Cheer louder, you dupes of the ambush of hell;
What’s left of life-essence, you squander its spells
And only on doomsday feel paupered.

You’ll hang out your tongues, but the trough has been drained;
You’ll panic like cattle whose farm is ablaze . . .
And dreadful the blast of the trumpet.

Ins Englische übersetzt von Peter Viereck, aus:

Modern Poetry in Translation. New Series No. 18 – 2001, p. 245-246 hier

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