Auf die Geburt seines ältesten Sohnes Christiani

1.10.2 andreas gryphius: Auf die Geburt seines ältesten Sohnes Christiani

Sven Wenig
Textkette Mein mir von Roland Erb zugeteilter Dichter mit einem eher weniger bekannten Gedicht aus dem Nachlass – das sich schon deswegen anbietet, weil ich gleich zwei Dichter „Gryphius“ in einen Text bekomme. Übrigens finde ich auch die Inkonsequenz des ersten Teils von diesem Sonett reizvoll: dass sich unter die Alexandriner einige 5-hebige Jamben mischen. Im Grunde ein Verfahren, dass mich an französische Libretti erinnert.

Andreas Gryphius: „Auf die Geburt seines ältesten Sohnes Christiani“

Willkommen süsses Kind/ der Mutter höchste Lust/
Doch die sich schier mit beyder Tod erkäufft/
Willkommen Kind/ das/ weil die Nacht umläufft/
Mit neuer Freud erquickt des Vatern trübe Brust:
Wie? gleich um Mitternacht/ ist dir denn nicht bewust
Was Mitternacht/ in der nur Furcht sich häufft:
Und Wahn in Angst/ und Angst in Weh sich täufft:
Wie? daß du denn gleich itzt das Leben grüssen must.
Diß ist der Engel Fest/ die offt bey Nacht erschienen/
Die führen dich ins Licht/ mit diesen solst du dienen/
Dem/ welcher dich aus Nacht hat in den Tag gebracht/
Die Engel kommen mit! O daß sie dich begleiten!
O daß sie durch die Welt/ durch die gesetzten Zeiten/
Dich führen wo ihr Heer um deinen Schöpffer wacht.

7. Februar 2014 um 23:16


Sven Wenig Wie der Vater, so der Sohn. Übrigens oft mit einer – für die Epoche des Barock – doch auffallenden Eigentümlichkeit in der Literaturgeschichte genannt: ein ungereimtes Sonett

7. Februar um 23:25 ·


Michael Gratz ich like mal nur den nachtrag, weil ich nicht jedes gedicht in meiner textkette beehren kann. oder andersum ausgedrückt, auch andre sollen ihre chance kriegen
8. Februar um 01:28 ·

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An eben selbige.

Freistil

Facebookmitglied Andreas Gryphius postete ein Gedicht von Andreas Gryphius:

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An eben selbige.

Doch grünt die frische lieb, ob blum und baum erbleicht,
Die liebe, die sich mir in einem krantz verehret,
Dem bild der ewigkeit, die durch kein end auffhöret
Und keiner zeiten grimm, ja nicht dem tode weicht.
Ihr keuschestes gemüth, das reinem silber gleicht,
Mein licht! hat ihr geschenck mit perlen noch vermehret,
Die, wenn das rauhe saltz der wellen sich empöret,
Kein scharffer schlag der see, kein schäumend fleck- erreicht.
So bleibt ihr hoher geist doch rein in trüben schmertzen,
Ihr geist, den rechte treu aus unverfälschtem hertzen
Durch ihrer seuffzer west in meinen cörper schickt.
Ich wil zwar ihr gemüth aus dem geschencke schätzen,
Diß wort doch, das sie ließ auf dieses silber etzen,
Ist, was den krantz recht ziert und mich allein erquickt.

9. Februar um 15:07

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