Die heiligen drei Könige

Klabund

Die heiligen drei Könige

(Bettelsingen)

Wir sind die drei Weisen aus dem Morgenland,
die Sonne, die hat uns so schwarz gebrannt.
Unsere Haut ist schwarz, unsere Seel ist klar,
doch unser Hemd ist besch… ganz und gar.
Kyrieeleis.

Der erste, der trägt eine lederne Hos‘,
der zweite ist gar am A… bloß,
der dritte hat einen spitzigen Hut,
auf dem ein Stern sich drehen tut.
Kyrieeleis.

Der erste, der hat den Kopf voll Grind,
der zweite ist ein unehlich‘ Kind.
Der dritte nicht Vater, nicht Mutter preist,
ihn zeugte höchstselbst der heilige Geist.
Kyrieeleis.

Der erste hat einen Pfennig gespart,
der zweite hat Läuse in seinem Bart,
der dritte hat noch weniger als nichts,
er steht im Strahl des göttlichen Lichts.
Kyrieeleis.

Wir sind die heiligen drei Könige,
wir haben Wünsche nicht wenige.
Den ersten hungert, den zweiten dürst‘,
der dritte wünscht sich gebratene Würst.
Kyrieeleis.

Ach, schenkt den armen drei Königen was.
Ein Schöpflöffel aus dem Heringsfaß –
verschimmelt Brot, verfaulter Fisch,
da setzen sie sich noch fröhlich zu Tisch.
Kyrieeleis.

Wir singen einen süßen Gesang
den Weibern auf der Ofenbank.
Wir lassen an einem jeglichen Ort
einen kleinen heiligen König zum Andenken dort.
Kyrieeleis.

Wir geben euch unseren Segen drein,
gemischt aus Kuhdreck und Rosmarein.
Wir danken für Schnaps, wir danken für Bier.
Anders Jahr um die Zeit sind wir wieder hier.
Kyrieeleis.

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Die heil’gen Drei Könige

Von Heinrich Heine

Die heil‘ gen Drei Könige aus dem Morgenland,
sie frugen in jedem Städtchen:
„Wo geht der Weg nach Bethlehem,
ihr lieben Buben und Mädchen?“

Die Jungen und Alten, sie wußten es nicht,
die Könige zogen weiter,
sie folgten einem goldenen Stern,
der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern bleibt stehn über Josefs Haus,
da sind sie hineingegangen;
das Öchslein brüllt, das Kindlein schrie,
die heil‘ gen Drei Könige sangen.

Heinrich Heine (1797-1856)

Epiphanias

Von Johann Wolfgang Goethe

Die Heil’gen Drei König‘ mit ihrem Stern,
Sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern;
Sie essen gern, sie trinken gern,
Sie essen, trinken, und bezahlen nicht gern.

Die Heil’gen Drei König‘ sind kommen allhier;
Es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier;
Und wenn zu dreien der vierte wär‘,
So wär‘ ein Heil’ger Drei König mehr.

Ich Erster bin der Weiß‘ und auch der Schön‘,
Bei Tage solltet ihr erst mich sehn!
Doch ach, mit allen Spezerein
Werd‘ ich sein Tag kein Mädchen mir erfreu’n.

Ich aber bin der Braun‘ und bin der Lang‘,
Bekannt bei Weibern wohl und bei Gesang.
Ich bringe Gold statt Spezerei’n;
Da werd‘ ich überall willkommen sein.

Ich endlich bin der Schwarz‘ und bin der Klein‘
Und mag auch wohl einmal recht lustig sein.
Ich esse gern, ich trinke gern,
Ich esse, trinke und bedanke mich gern.

Die Heil’gen Drei König‘ sind wohlgesinnt,
Sie suchen die Mutter und das Kind;
Der Joseph fromm sitzt auch dabei,
Der Ochs und Esel liegen auf der Streu.

Wir bringen Myrrhen, wir bringen Gold,
Dem Weihrauch sind die Damen hold;
Und haben wir Wein von gutem Gewächs,
So trinken wir drei so gut als ihrer sechs.

Da wir nun hier schöne Herrn und Frau’n.
Aber keine Ochsen und Esel schau’n,
So sind wir nicht am rechten Ort
Und zieh’n unseres Weges weitet fort.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)