Kritik durch Poesie

Baudelaire once wrote that “the best review of a painting might be a sonnet or an elegy”, and it is liberating to think that we can all respond to art with art. This isn’t just because it bypasses the airspace of criticism, but because art liberates something of the artist in ourselves. Baudelaire also knew that thinking needed to be rescued from academicians and from official culture.
Patrick McGuinness, New Statesman

Advertisements

VERSCHMÄHT NICHT DAS SONETT–– ihr kritisiert,

Ein Facebookfreund postet heute auf seiner „Pinnwand“ (wo es eine kleine Gruppe enger Freunde sofort sieht und einige gleich „geliket“ haben; aber wer nicht gerade um diese Stunde am Rechner ist sondern erst am Abend oder morgen dazukommt, hat schon Mühe, diesen Beitrag überhaupt noch aufzufinden. Deshalb ist der Slogan „Mehr gute Gedichte ins Facebook“, wie er dem vor 2 Monaten kursierenden Kettenbrief (der für mich und Mitstreiter zum Gründungskeim der „Textkette“ wurde) vorstand, falsch. Facebook ist ein Medium für aktuelle Kommunikation und ein Grab für Inhalte (die formal von Facebook für Werbezwecke genutzt werden, während sie dem Autor oder Poster nur mit Mühe und anderen Interessenten so gut wie gar nicht mehr auffindbar sind; weshalb ich versuche, meine Facebookfreunde und alle anderen Interessenten mit Posts von Gedichten oder über Gedichte hierher zu locken; Ende der Werbepause))

dies:

Zum heutigen Geburtstag von William Wordsworth eines seiner Sonette, übersetzt von Günter Plessow:

VERSCHMÄHT NICHT DAS SONETT–– ihr kritisiert,
versagt ihm den Respekt? Auf diesen Ton
gestimmt, erschließt doch Shakespeare schon
sein Herz; sein leiser Lautenklang kuriert
Petrarca; Tasso flötet, tiriliert
damit; es lindert Camöens’ Passion,
verbannt zu sein; es krönt Dantes Vision:
ein Myrtenblatt auf seiner Stirn, so spürt
er das Sonett; ein mildes Glühwurmlicht,
erfreut es Spenser, aus dem Feenland
berufen;––und als eine Nebelschicht
auf Miltons Weg fiel, nahm er es zur Hand,
ein Nebelhorn; er blies darauf: es fuhr
uns in die Seele––ach, zu selten nur!

(1827)

‚Scorn Not the Sonnet; Critic, you have frowned‘

Scorn not the Sonnet; Critic, you have frowned,
Mindless of its just honours; with this key
Shakespeare unlocked his heart; the melody
Of this small lute gave ease to Petrarch’s wound;
A thousand times this pipe did Tasso sound;
With it Camoens soothed an exile’s grief;
The Sonnet glittered a gay myrtle leaf
Amid the cypress with which Dante crowned
His visionary brow: a glow-worm lamp,
it cheered mild Spenser, called from Faery-land
To struggle through dark ways; and when a damp
Fell round the path of Milton, in his hand
The Thing became a trumpet; whence he blew
Soul-animating strains — alas, too few!

Stammbaum

Was bedeuten die Nummern vor dem Titel der Textketten-Gedichte? Das ist ganz einfach und (auch) jedem Computer verständlich. Die erste Information: ein Gedicht mit Nummer gehört zur Textkettenanthologie (also nicht „Freistil“ oder „Ich“-AG). Die zweite Info kommt aus der Zahl der Punkte: n Punkte = nte Generation nach Sappho. Die dritte betrifft die Genealogie des Texts im Stammbaum. Man lese von rechts nach links. 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3.1 (Guillaume Apollinaire: der elefant) ist das erste „Kind“ von 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3 (Goethe) der das dritte Kind von 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1 (Hafis) der das erste Kind von 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2 (Fleming) der das zweite Kind von 1.7.4.4.1.1.1.1.1 (Hoffmannswaldau) der das erste Kind von 1.7.4.4.1.1.1.1 (Heinrich von Morungen) der das erste Kind von 1.7.4.4.1.1.1 (Charles Bernstein) der das erste Kind von 1.7.4.4.1.1 (Dieter Roth) der das erste Kind von 1.7.4.4.1 (Marina Zwetajewa) die das erste Kind von 1.7.4.4 (Nikola Richter) die das vierte Kind von 1.7.4 (Peter Hille) der das vierte Kind von 1.7 (Miguel Hernández) der das siebte Kind von 1 (Thomas Brasch) der das erste Kind von 0 (Sappho) war. (Wenn das keine edle Abstammung ist!)
Alles streng logisch. Woher kommen dann die zu den Nummern gehörigen Namen? Die weiß man (hat sie im Speicher oder auf dem (Bild)schirm. Oder, wenn man das Glück hat, Textkettenadmin zu sein, man schaut auf den Stammbaum:
Was bedeuten die Nummern vor dem Titel der Textketten-Gedichte? Das ist ganz einfach und (auch) jedem Computer verständlich. Die erste Information: ein Gedicht mit Nummer gehört zur Textkettenanthologie (also nicht "Freistil" oder "Ich"-AG). Die zweite Info kommt aus der Zahl der Punkte: n Punkte = nte Generation nach Sappho. Die dritte betrifft die Genealogie des Texts im Stammbaum. Man lese von rechts nach links. 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3.1 (Guillaume Apollinaire: der elefant) ist das erste "Kind" von 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3 (Goethe) der das dritte Kind von 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1 (Hafis) der das erste Kind von 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2 (Fleming) der das zweite Kind von 1.7.4.4.1.1.1.1.1 (Hoffmannswaldau) der das erste Kind von 1.7.4.4.1.1.1.1 (Heinrich von Morungen) der das erste Kind von 1.7.4.4.1.1.1 (Charles Bernstein) der das erste Kind von 1.7.4.4.1.1 (Dieter Roth) der das erste Kind von 1.7.4.4.1 (Marina Zwetajewa) die das erste Kind von 1.7.4.4 (Nikola Richter) die das vierte Kind von 1.7.4 (Peter Hille) der das vierte Kind von 1.7 (Miguel Hernández) der das siebte Kind von 1 (Thomas Brasch) der das erste Kind von 0 (Sappho) war. Alles streng logisch. Woher kommen dann die zu den Nummern gehörigen Namen? Die weiß man (hat sie im Speicher oder auf dem (Bild)schirm. Oder, wenn man das Glück hat, Textkettenadmin zu sein, man schaut auf den Stammbaum:

Lyropolis

Nicht will wohllauten der deutsche Mund, sagt Hölderlin. Beweis: Lyropolis heißt auf Deutsch Textkette. Das klingt ein wenig nach dem ebenfalls wenig wohllautenden  ungarischen Wort für Liebe: Szerelem. Eine Freundin verlängerte es probeweise: Textkettennebenstrecke. Vielleicht lustig, aber nicht wohlklingend. Aber eigentlich ist Textkette nicht die Stadt selbst, sondern das Herzstück, die Anthologie, die Lyrikbibliothek von Babel.

Wie dem sei – Lyropolis existiert; und wächst. Hier ein Stadtplan:

1: Textkette (Stammbaum) 2: Freistil

1: Textkette (Stammbaum), 2: Agora , 4: Ehrenhain, 11: Rathaus, 12: Schatzhaus, 13: Galerie, 17: Freistil, 20: Privaträume

 

1 Textkette: Eine labyrinthische Anthologie in Stammbaumform, ausgehend von der Dichterin Sappho = 0. Jeder Bewohner oder Besucher von Lyropolis kann an einer beliebigen (also ihm oder ihr gefallenden) Stelle am Stammbaum mitbauen. Das heißt, wenn Ihnen ein Gedicht von den rund 200 bisher vorhandenen gefällt, teilen Sie es in einem Kommentar mit und der Elektor des Gedichts wird Ihnen einen Autor vorschlagen, von dem Sie ein Gedicht auswählen und einreichen können. Damit erklären Sie sich bereit, selber Autoren auszuwählen, wenn einem anderen Ihr Gedicht gefällt.

2 Agora (Marktplatz), Diskussionsforum

4 Ehrenhain: Erinnerung an Autoren, Texte, Daten

11 Rathaus

12 Schatzhaus (Linkliste)

13 Galerie. Wenn Sie Bewohner (also angemeldeter Teilnehmer) von Lyropolis sind, können Sie hier Fotos Ihrer Lyrikbibliothek oder einzelner Stücke Ihrer Sammlung teilen.

17 Freistil. Bewohner können hier Gedichte oder Texte über Dichtung anderer Autoren veröffentlichen, kommentieren, illustrieren usw.

20 Privaträume. Bewohner können hier eigene Gedichte zur Diskussion stellen.

Weitere Erläuterungen folgen.