Textkette Freistil/ Dichterbriefe: JEAN RACINE an seinen Sohn Jean-Baptiste

(Feldlager von Thieusies, 3. Juni 1693)

„Sie machen mir eine Freude, wenn Sie mir von Ihrer Lektüre Rechenschaft ablegen. Aber ich ermahne Sie, nicht Ihre ganze Aufmerksamkeit den französischen Dichtern zuzuwenden. Denken Sie daran, daß sie nur zu Ihrer Erholung dienen sollen und nicht Ihr eigentliches Studium bilden dürfen. So wünschte ich, daß Sie manchmal Gefallen daran fänden, mich von Homer, Quintilian und anderen Schriftstellern dieser Art zu unterhalten. Was Ihr Epigramm angeht, möchte ich, Sie hätten es überhaupt nicht gemacht. Abgesehen davon, daß es ziemlich mäßig ist, könnte ich Ihnen nie zu oft ans Herz legen, sich nicht der Versuchung hinzugeben, französische Verse zu machen, die nur dazu dienen würden, Ihren Geist abzulenken. Vor allem darf man keine gegen irgend jemanden schreiben. Herr Despréaux [Boileau] hat ein Talent, das ihm eigentümlich ist und weder Ihnen noch irgend jemand anderem als Beispiel dienen darf. Er hat nicht allein vom Himmel eine wunderbare Begabung für die Satire empfangen, sondern er hat dabei noch ein ausgezeichnetes Urteil, das ihn klar erkennen läßt, was man loben und was man tadeln muß. Wenn er die Güte hat, sich mit Ihnen die Zeit zu vertreiben, ist das einer der großen Glücksfälle, die Ihnen zustoßen können, und ich rate Ihnen, das gut auszunutzen, indem Sie ihm viel zuhören und wenig Urteile ihm gegenüber fällen. Außerdem sage ich Ihnen, daß Sie mir ein Vergnügen machen würden, wenn sie sich Ihrer Handschrift widmeten. Ich will annehmen, daß Sie die beiden Briefe, die ich von Ihnen bekommen habe, sehr schnell geschrieben haben; denn Ihre Schrift erscheint sehr nachlässig.
Möge Sie alles, was ich Ihnen sage, nicht verdrießen! Denn im übrigen bin ich mit Ihnen sehr zufrieden und gebe Ihnen diese Hinweise nur, um sie anzufeuern, in allen Dingen Ihr Bestes zu leisten.“

zit. n.
„Briefe des alten Frankreich – Übertragen und herausgegeben von Werner Langer.“ Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung zu Leipzig.

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Zwei meiner Lieblingsgedichte

Textkette Freistil:

Zwei meiner Lieblingsgedichte wollte ich schon immer einmal posten. Unter was für einer Rubrik? „Sprachzauber“? Es ist ein bisschen, als führe einer einem einen Zaubertrick vor, und man kommt und kommt nicht dahinter, wie das gemacht ist. Brentanos Gedicht ist zutiefst pessimistisch, und dennoch müsste – so will mir scheinen – jeder Surrealist neidisch sein über diese Bilder, und Verlaine müsste neidisch sein über diese Musik. Das zweite Gedicht von Morgenstern scheint ein einfaches und sogar leicht ironisiertes Wiegenlied. Aber irgendetwas unterscheidet diesen Text von anderen Wiegenliedern. Fragt mich nicht, was – ich kam noch nicht hinter den „Witz“ der Sache. Aber wenn ich den Trick nicht durchschaue, werde ich wohl doch an den Zauber der Dichtung glauben müssen!

CLEMENS BRENTANO
„Wenn der lahme Weber träumt“

Wenn der lahme Weber träumt, er webe,
Träumt die kranke Lerche auch, sie schwebe,
Träumt die stumme Nachtigall, sie singe,
Daß das Herz des Widerhalls zerspringe,
Träumt das blinde Huhn, es zähl‘ die Kerne,
Und der drei je zählte kaum, die Sterne,
Träumt das starre Erz, gar linde tau‘ es,
Und das Eisenherz, ein Kind vertrau‘ es,
Träumt die taube Nüchternheit, sie lausche,
Wie der Traube Schüchternheit berausche;
Kömmt dann Wahrheit mutternackt gelaufen,
Führt der hellen Töne Glanzgefunkel
Und der grellen Lichter Tanz durchs Dunkel,
Rennt den Traum sie schmerzlich übern Haufen,
Horch! die Fackel lacht, horch! Schmerz-Schalmeien
Der erwachten Nacht ins Herz all schreien;
Weh, ohn Opfer gehn die süßen Wunder,
Gehn die armen Herzen einsam unter!

CHRISTIAN MORGENSTERN
„Träum, Kindlein, träum“

Träum, Kindlein, träum!
Im Garten stehn zwei Bäum‘.

Der eine, der trägt Sternlein,
der andre Mondenhörnlein.

Da kommt der Wind der Nacht gebraust –
und schüttelt die beiden mit rauher Faust.

Das Mondenhörnleinbäumlein steht,
als wäre gar kein Wind, der weht.

Dem Sternenbäumlein aber, ach,
dem fallen zwei Sternlein in den Bach.

Da kommen zwei Fischlein munter –
und schlucken die Sternlein hinunter.

Und hätte es nicht sterngeschnuppt,
so wären sie nicht so schön geschuppt.

Träum, Kindlein, träum,
im Garten stehn zwei Bäum…

Der eine, der trägt Sternlein,
der andre Mondenhörnlein…

Träum, Kindlein, träum…

Ich bin das Sonnenstäubchen, ich bin der Sonnenball. / Ums reine Licht hab‘ ich die Flamme liebgewonnen

1.6.8.2.1.3 Rumi: 2 Gedichte

Textkette

Achtung: bei dieser Post kein Freistil! Denn es gilt: wer dies likt, bekommt eine Dichterin oder einen Dichter zugegeteilt. Durch Kristian Kühn bekam ich zugeteilt (für das Liken von 1.6.8.2.1.: René Schickele: „Heilige Tiere“) –
Rumi! Und da mir die Wahl schwer fiel, wählte ich zwei Texte des Dichters.

Zitiert nach der von Edgar Groß und Elsa Hertzer 1979 herausgegebenen Werkausgabe Rückerts im Georg Olms- Verlag:

1.) Dschalal ad-Din Muhammad Rumi (übersetzt von Friedrich Rückert)
„Ich bin das Sonnenstäubchen, ich bin der Sonnenball“

Ich bin das Sonnenstäubchen, ich bin der Sonnenball.
Zum Stäubchen sag‘ ich: bleibet und zu der Sonn‘: entwall.
Ich bin der Morgenschimmer, ich bin der Abendhauch.
Ich bin des Haines Säuseln, des Meeres Wogenschwall.
Ich bin der Mast, das Steuer, der Steuermann, das Schiff;
Ich bin, woran es scheitert, die Klippe von Korall.
Ich bin der Vogelsteller, der Vogel und das Netz.
Ich bin das Bild, der Spiegel, der Hall und Wiederhall.
Ich bin der Baum des Lebens und drauf der Papagei;
Das Schweigen, der Gedanke, die Zunge und der Schall.
Ich bin der Hauch der Flöte, ich bin des Menschen Geist,
Ich bin der Funk‘ im Steine, der Goldblick im Metall.
Ich bin der Rausch, die Rebe, die Kelter und der Most,
Der Zecher und der Schenke, der Becher von Krystall.
Die Kerz‘, und der die Kerze umkreist, der Schmetterling;
Die Ros‘, und von der Rose berauscht, die Nachtigall.
Ich bin der Arzt, die Krankheit, das Gift und Gegengift,
Das Süße und das Bittre, der Honig und die Gall‘.
Ich bin der Krieg, der Friede, die Walstatt und der Sieg,
Die Stadt und ihr Beschirmer, der Stürmer und der Wall.
Ich bin der Kalk, die Kelle, der Meister und der Riß,
Der Grundstein und der Giebel, der Bau und sein Verfall.
Ich bin der Hirsch, der Löwe, das Lamm und auch der Wolf,
Ich bin der Hirt, der alle beschließt in Einem Stall.
Ich bin der Wesen Kette, ich bin der Welten Ring,
Der Schöpfung Stufenleiter, das Steigen und der Fall.
Ich bin, was ist, und nicht ist. Ich bin, o der du’s weißt,
Dschelaleddin, o sag es, ich bin die Seel‘ im All.

2.) Dschalal ad-Din Muhammad Rumi (übersetzt von Friedrich Rückert)
„Ums reine Licht hab‘ ich die Flamme liebgewonnen“

Ums reine Licht hab‘ ich die Flamme liebgewonnen,
Ums goldne Schwert hab‘ ich die Schramme liebgewonnen.
Aus Liebe zu dem Hirten, der mein Leben weidet,
Hab‘ ich das Glöcklein an dem Lamme liebgewonnen.
Ich hab‘ aus Liebe zu der milden Frucht am Baume
Das rauhe Moos an seinem Stamme liebgewonnen.
Ich hab‘ um deiner jugendlichen Schönheit willen
Das welke Alter deiner Amme liebgewonnen.
Weil mir der Duft des Lebens haucht aus deinen Locken,
Hab‘ ich den toten Bux am Kamme liebgewonnen.
Ich habe, weil die Perle ruht im Meeresgrunde,
Das Körnlein Sand am Meeresdamme liebgewonnen.
Weil Tau zur Liebeschminke wird im Rosenantlitz,
Hab‘ ich das Tröpflein Flut im Schlamme liebgewonnen.

  • Roland Erb gefällt das.
  • Sven Wenig ZUR KURZEN ERKLÄRUNG:

    Schon seit gefühlt ewigen Zeiten habe ich das Posten von Rumi aufgeschoben, zugeteilt für das Liken von 1.6.8.2.1. (René Schickele: „Heilige Tiere“) durch Kristian Kühn. Das hat viel damit zu tun, dass ich a) mich nicht für ein Gedicht entscheiden konnte, und b) zudem schon länger etwas zum Ghasel schreiben wollte. Kurz: manchmal fällt manches schwer, wenn man es besonders gut machen will.

    Und auch heute könnte ich so recht ins Wehklagen kommen. Nicht nur, dass ich mit meinem kleinen Hafis- Essay im Verzug bin, zudem habe ich gestern auch einen neuen Text angefangen zu Rumi, um die Wahl des zweiten Gedichts etwas zu erläutern. Ich saß – ungelogen – bis zwei Uhr nachts an dem Text. Aber ich wurde nicht fertig! Nun habe ich ein angekündigtes Projekt mehr meiner Liste zugefügt (zur Laubenlyrik und zu Hafis nun einen Text über Rumi). Wenn ich nach und nach diese Projekte verwirkliche, wäre es schon ein Erfolg.

    Aber ich möchte zunächst wenigstens die Texte posten. Ich konnte mich nicht entscheiden und poste deswegen zwei Texte. Das erste Gedicht erinnert mich sehr an die „Ikon“- Gedichte Hofmannswaldaus: zu einem übergeordneten Thema werden kühne Analogieschlüsse gezogen: mit überraschenden Effekten und vielen rhetorischen Figuren (Antithese, Oxymoron, Paradoxie scheinen des Mystikers wichtigstes Handwerkszeug). In der orientalischen Dichtung kommt den rhetorischen Sprachfiguren eine besondere Bedeutung zu. Dazu aber später mehr. Die Wahl des ersten Textes erklärt sich somit aus seinen rhetorischen Qualitäten: Die Rhetorik des Textes ist es, die mich beeindruckt.

    Den zweiten Text wählte ich gestern in der Badewanne, was viel über diesen Text aussagt. Warum? Man kennt diese Situation der Entspannung, in der einem die Ideen durch den Kopf schießen, man vielleicht Zusammenhänge plötzlich erkennt oder Ideen hat usw. – Nicht aber das Erkennen z.B. eines Argumentationsganges war bei der Wahl des zweiten Textes ausschlaggebend, sondern das Einprägen eines Klangs: mir ging schlicht die Melodie des Textes nicht mehr aus dem Kopf. „Erkennen“ somit auf eine eher intuitive Art. Melodie? – Das gehört begründet. Und ich werde es begründen, sobald ich die Zeit habe, mich wieder an das angefangene Fragment zu setzen. Beim zweiten Text ist es somit der Klang, der mich beeindruckt.

    Natürlich bezieht sich die Auswahl auf die Übersetzungen von Rückert und nicht auf die Originale. Wer – wie ich – der persischen Sprache nicht mächtig ist, der kann nur ahnen, was ihm mit den Originalen dieser Dichtung entgeht.

    Und man sollte nicht vergessen: des klassischsten deutschsprachigen Dichters vielleicht bestes (und gerade darum nicht-klassisches – aber um das auszuführen müsste ich Jahre schreiben) lyrisches Werk haben wir wesentlich dem Einfluss eines persischen Dichters zu verdanken. Mir soll es nicht um Goethes Urteil über Rumi und Hafis gehen (im „Besserem Verständnis“ urteilt Goethe über Rumi natürlich ambivalenter als über sein lyrisches „Alter Ego“ Hafis). Die Gedichte von Hafis aber, auf die sich Goethe (übrigens wesentlich vermittelt durch eine in ihrer Qualität sehr umstrittene Übersetzung Hammer-Purgstalls) beruft, wären ohne die Dichtung des Mystikers Rumi nicht denkbar. Es blieb Übersetzern vom Schlage eines Friedrich Rückert vorbehalten, uns zumindest eine Ahnung von den Qualitäten dieser Dichtung zu vermitteln und zugleich die Gedichtform des Ghasels für die deutsche Sprache fruchtbar zu machen.

  • Roland Erb Sven, nur noch eine kritzekleine Frage zu diesen herrlichen Rumi-Übertragungen von Friedrich Rückert: wo kann man sie finden, gibt es eine verlässliche moderne Rückert-Edition, die alle oder viele seiner Übersetzungen enthält?. Und – vielleicht kann uns das irgend jemand verraten, wie gut hat Rückert eigtl. das Persische beherrscht?
  • Sven Wenig Roland Erb Da Rückert ziemlich rege übersetzt hat, weiß ich nicht, ob alle seine Übersetzungen in der von mir zitierten Werkausgabe aufgenommen wurden. Aber zumindest die zitierten Texte finden sich gleich zu Beginn des „2. Bezirkes“ im 2. Band der Werkausgabe unter „Ghaselen“ und stehen so zusammen mit den eigenen Ghaselen Rückerts. Rückert muss das Persische ziemlich gut beherrscht haben und hat übrigens schon in seiner Dissertation versucht, die Wesensgleichheit des Persischen und des Deutschen zu beweisen. Zudem beherrschte er arabisch (er hat sich ja auch an eine sehr artifizielle Koranübersetzung gewagt) und hat auch aus hebräischer, indischer und chinesischer Dichtung übersetzt. Man kann Rückert wohl mit gutem Recht als Sprachgenie bezeichnen, und wenn man seine Übersetzertätigkeit kennt, sieht man auch viele der eigenen Texte Rückerts in einem anderen Licht.
  • Textkette

Ebene

Textkette Freistil

Da heute der „Welttag des Buches“ und der „Tag des deutschen Bieres“ ist, suchte ich ein mustergültiges Biergedicht. Und siehe da: ich wurde fündig. Freilich muss man das „Bier“ in dem Gedicht ein wenig suchen. Aber es lohnt, es lohnt:

Zitiert nach dem „Richard Huelsenbeck Lesebuch“ (Zusammengestellt und
mit einem Nachwort von Karl Riha = Nylands Kleine Westfälische Bibliothek 18):

Richard Huelsenbeck
„Ebene“

Schweinsblase Kesselpauke Zinnober cru cru cru
Theosophia pneumatica
die große Geistkunst=poème bruitiste aufgeführt
zum erstenmal durch Richard Huelsenbeck DaDa
oder oder birribum birribum saust der Ochs im Kreis
herum oder
Bohraufträge für leichte Wurfminen-Rohlinge
7,6 cm Chauceur
Beteiligung Soda calc. 98/100 %
Vorstehund damo birridamo holla di funga qualla di
mango damai da dai umbala damo
brrs pffi commencer Abrr Kpppi commence Anfang
Anfang sei hei fe da heim gefragt
Arbeit
Arbeit
brä brä brä brä brä brä brä brä brä
sokobauno sokobauno sokobauno
Schikaneder Schikaneder Schikaneder
dick werden die Ascheneimer sokobauno sokobauno
die Toten steigen daraus Kränze von Fackeln um den
Kopf
sehet die Pferde wie sie gebückt sind über die
Regentonnen
sehet die Paraffinflüsse fallen aus den Hörnern des Monds
sehet den See Orizunde wie er die Zeitung liest und das
Beefsteak verspeist
sehet den Knochenfraß sokobauno sokobauno
sehet den Mutterkuchen wie er schreiet in den
Schmetterlingsnetzen der Gymnasiasten
sokobauno sokobauno
es schließet der Pfarrer den Ho-osenlatz rataplan rataplan
den Ho-osenlatz und das Haar steht ihm au-aus den
Ohren
vom Himmel fä-ällt das Bockskatapult das Bockskatapult
und die Großmutter lüpfet den Busen
wir blasen das Mehl von der Zunge und schrein und es
wandert der Kopf auf dem Giebel
es schließet der Pfarrer den Ho-osenlatz rataplan rataplan
den Ho-osenlatz und das Haar steht ihm au-aus den
Ohren
vom Himmel fällt das Bockskatapult das Bockskatapult
und die Großmutter lüpfet den Busen
wir blasen das Mehl von der Zunge und schrein und es
wandert der Kopf auf dem Giebel
Dratkopfgametot ibn ben zakalupp wauwoi zakalupp
Steißbein knallblasen
verschwitzt hat o Pfaffengekrös Himmelseverin
Geschwür im Gelenk
balu blau immer blau Blumenpoet vergilbt das Geweih
Bier bar obibor
baumabor botschon ortitschell sevig lia o ca sa ca ca sa ca
ca sa ca ca sa ca ca sa ca ca sa
Schierling in Haut gepurpur schwillt auf Würmlein und
Affe
hat Hand und Gesäß
O tscha tschipulala o ta Mpota Mengen
Mengulala mengulala kulilibulala
Bamboscha bambosch
es schließet der Pfarrer den Ho-osenlatz rataplan rataplan
den Ho-osenlatz und das Haar steht ihm au-aus den
Ohren
Tschupurawanta burruh pupaganda burruh
Ischarimunga burruh den Ho-osenlatz den Ho-osenlatz
kampampa kamo den Ho-osenlatz den Ho-osenlatz
katapena kamo katapena kara
Tschuwuparanta da umba da umba da do
da umba da umba da umba hihi
den Ho-osenlatz den Ho-osenlatz
Mpala das Glas der Eckzahn trara
katapena kara der Dichter der Dichter katapena tafu
Mfunga Mpala Mfunga Koel
Dytiramba toro und der Ochs und der Ochs und die
Zehe voll
Grünspan am Ofen
Mpala tano mpala tano mpala tano mpala tano ojoho
mpala tano
mpala tano ja tano ja tano ja tano o den Ho-osenlatz
Mpala Zufanga Mfi scha Daboscha Karamba juboscha
daba eloe

Der Elefant

1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3.1 Guillaume Apollinaire: Der Elefant
Ausgewählt von Sven Wenig

Textkette

Wie immer gilt: wer dies likt, bekommt eine Dichterin oder einen Dichter zugeteilt. Für das Liken von 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3 (Goethe: „In tausend Formen magst du dich verstecken…“) bekam ich von Roland Erb zugeteilt: Guillaume Apollinaire. Und da ich momentan doch arg mit der Zeit zu kämpfen habe, mache ich es kurz, und ziehe schnell ein Tier aus dem Zauberhut, am besten einen Hasen… äh Moment! …

in der Hand halte ich gerade einen Elefanten.

 

Guillaume Apollinaire (aus „Le Bestiaire ou Cortège d’Orphée“):

L’éléphant

Comme un éléphant son ivoire,
J’ai en bouche un bien précieux.
Pourpre mort! … J’achète ma gloire
Au prix des mots mélodieux.

IN DER ÜBERSETZUNG VON KARL KROLOW:

Der Elefant

Wie ein Elefant sein Elfenbein
trag‘ kostbar ich im Mund ein Eigentum.
Purpurner Tod! … Ich handle ein
durch Worte zart mir meinen Ruhm.

SO ſoll der purpur deiner lippen

1.7.4.4.1.1.1.1.1 hoffmannswaldau: SO ſoll der purpur deiner lippen

Textkette

Ausgewählt von Sven Wenig

Ich liebe den Minnesang, und ich liebe besonders Heinrich von Morungen. Weswegen ich den Beitrag von Michael Gratz für die Textkette auch liken musste. Dafür durfte ich mir – da ich schon so viel gepostet habe – selbst einen Dichter aussuchen. Und ich wählte einen Dichter, dem ich besonders verpflichtet bin: Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau.

 

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau:
„So soll der purpur deiner lippen…“

SO ſoll der purpur deiner lippen
Itzt meiner freyheit bahre ſeyn?
Soll an den corallinen klippen
Mein maſt nur darum lauffen ein/
Daß er an ſtatt dem ſuͤſſen lande/
Auff deinem ſchoͤnen munde ſtrande?

Ja/ leider! es iſt gar kein wunder/
Wenn deiner augen ſternend licht/
Das von dem himmel ſeinen zunder/
Und ſonnen von der ſonnen bricht/
Sich will bey meinem morrſchen nachen
Zu einen ſchoͤnen irrlicht machen.

Jedoch der ſchiffbruch wird verſuͤſſet/
Weil deines leibes marmor-meer/
Der muͤde maſt entzuͤckend gruͤſſet/
Und faͤhrt auff dieſen hin und her/
Biß endlich in dem zucker-ſchlunde
Die geiſter ſelbſten gehn zu grunde.

Nun wohl! diß urthel mag geſchehen/
Daß Venus meiner freyheit ſchatz
In dieſen ſtrudel moͤge drehen/
Wenn nur auff einen kleinen platz/
In deinem ſchooß durch vieles ſchwimmen/
Ich kan mit meinem ruder klimmen.

Da will/ ſo bald ich angelaͤndet/
Dir einen altar bauen auff/
Mein hertze ſoll dir ſeyn verpfaͤndet/
Und fettes opffer fuͤhren drauff;
Ich ſelbſt will einig mich befleiſſen/
Dich goͤtt- und prieſterin zu heiſſen.

(zitiert nun, da verschiedene verfügbare Texte voneinander abweichen, nach der im Internet verfügbaren Ausgabe der Neukirchschen Sammlung:
„Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte.“ Leipzig, 1695.)

 

 

‪Fidel Klaufschneider und ‪Mag Mdot gefällt das.

Sven Wenig Einen Höhepunkt der spätbarocken Manier stellt das Gedicht „So soll der purpur deiner lippen“ dar, das zu Lebzeiten des Autors (wie übrigens viele Gedichte Hoffmannswaldaus) nur handgeschrieben im Kreis wohlhabender und späthumanistisch gebildeter Patrizier kursierte, um erst nach dem Tod des Dichters in der berühmten und berüchtigten Neukirchschen Sammlung (1. Band 1695) veröffentlicht zu werden. „Höhepunkt“ sollte man übrigens nicht nur im übertragenen Sinne verstehen: die vorgezogene ingeniöse Pointe des Gedichts entläd sich zu Ende der dritten Strophe auf höchst explizite Art, bevor Hoffmannswaldau das von Marino entlehnte Motiv der Liebesschiffahrt mit der Vorstellung vom Venusgottesdienst überblendet, um zu locus amoenus und Liebesopfer überzuleiten (siehe hierzu ein sehr zu empfehlendes Buch: „Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau – Leben und Werk“ von Lothar Noack). Das Gedicht von (so Thomas Borgstedt) „hoher artifizieller Komplexität“ stand in letzter Zeit öfters im Fokus der (leider nur geringen) Forschungstätigkeit zu Hoffmannswaldau: so bezog man das Bild des im Schoß erbauten „Altar“ – im Sinne einer „concettistischen Verbindung“ – auf die Eheschließung und diskutierte, ob in diesem (durch die katholizistische Argutia-Bewegung und den Marinismus zwar beeinflussten, aber in der Kühnheit weit darüber hinausgehenden) pornographischen Gedicht der Ausdruck einer „protestantischen Neubewertung der Ehe“ erkennbar sei. Aber diese Argumentation ist ein weites Feld, ich bräuchte dafür doch mehr Zeit.




Sven Wenig Äh, Moment: jetzt habe ich glatt vergessen: wer dieses Gedicht „likt“, bekommt einen Dichter zugewiesen. Darf ich dennoch?
Michael Gratz die zwei kennen die regel
Sven Wenig OK, fein. Ich durfte schon länger nicht zuteilen.
Sven Wenig ‪Fidel Klaufschneider Darf ich Dir Johann Christian Günther zuteilen?
Sven Wenig Und ‪Mag Mdot Vielleicht Matthias BAADER Holst? Hier einige Texte: ‪http://www.poesieschmecktgut.de/baadertexte.htm




Mirko Wenig Du bist Hoffmannswaldau verpflichtet? Oh, das klingt pathetisch. „Im deutschen Zivilrecht ist ein Rechtssubjekt verpflichtet, wenn sich ein Schuldverhältnis im engeren Sinne gegen es richtet. Synonym wird auch von Schuld (in Abgrenzung zur Haftung) gesprochen.“




Fidel Klaufschneider du darfst – gut dass ich nochmal an ihn gemahnet werde!




Michael Gratz für haften ist der zu lange tot glaub ich
Michael Gratz 1 e zuviel, dritte strophe
Sven Wenig Ein „n“ zuwenig. Ich verbessere.
Michael Gratz das auch




Sven Wenig Mensch, was habe ich denn da für eine Version zitiert? Ich korrigiere gerade, da gibt es – wenn man Borgstedt folgt – noch mehr. Ich brauch mal den Neukirch (hab ich hier irgendwo kopiert, muss ich aber suchen).




Michael Gratz pdf gibts zum download




Sven Wenig Es muss ein „normierter“ Text sein (aber nicht zum Besten). Aus „marmel-meer“ wurde auch „mamor-meer“. Entweder habe ich den Text von Noack oder von Kemper. Muss mal schauen, ob der Fehler bei mir liegt, oder ob er dort anders zitiert ist.
Michael Gratz berichte es uns




Sven Wenig Hab das „e“ gefunden. Bei Hoffmannswaldau gibt es – ich denke, das trifft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu – keine metrischen Unregelmäßigkeiten. Deswegen ist es schon ein Patzer.
Michael Gratz ja, daran hab ichs gemerkt




Fidel Klaufschneider respekt




Michael Gratz damit kann man sogar sibylla schwarz emendieren, wos keine manuskripte gibt. den fehler würde sie nie machen




Sven Wenig Ich hoffe, jetzt stimmt es. Seltsamerweise bei Borgstedt auch öfters Dativ.




Michael Gratz hier aus der ausgabe von 1697935179_3915385180970_71720819_n.jpg




Michael Gratz 1958044_3915385860987_155309087_n.jpg ¬




Sven Wenig Seltsam: bei mir auch mit Virgel. Zitiert habe ich den Text – ich habe mal nachgeschaut – nach Lothar Noack S. 171 („Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau – Leben und Werk“). Ob aber der Fehler mit dem „e“ von mir stammt, muss ich nochmal nachschauen. Aber egal, wie Noack den Text abdruckt: das Buch ist die wichtigste Veröffentlichung zu Hoffmannwaldau der letzten Jahre. Kann man nur empfehlen: ‪
Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau (1616-1679): Leben und Werk (Fruhe Neuzeit,) 
www.buecher-nach-isbn.infovon Lothar Noack • Daten des Buchs Christian Hoffmann von …
Sven Wenig Wenn ich übrigens schreibe: „wichtigste Veröffentlichung zu Hoffmannwaldau der letzten Jahre“, dann heißt das auch, dass wenig zu Hoffmannswaldau geschrieben wird. Die Kritik der Aufklärer hat ihm doch ganz schön zugesetzt. Ich bin in einer Musestunde mal systematisch die Bände des Bibliographischen Organs „Germanistik“ durchgegangen – alle Jahrgänge von Ende der sechziger Jahre bis zu den neuesten Ausgaben konnte ich in relativ kurzer Zeit abarbeiten. Zwar erscheinen durchaus Aufsätze – immer mal einige, immer mal vereinzelte, zuletzt (nicht ganz zufällig) häufiger in der „Germanisch- Romanischen Monatsschrift“. Verglichen mit anderen Autoren aber ist wohl das Interesse an Hoffmannswaldau gering. Leider!




Michael Gratz ja Übersetzung anzeigen




Sven Wenig Ein Bearbeitungsverlauf des Grauens. Jetzt zitiert nach: ‪http://www.deutschestextarchiv.de/…/hoffmannswaldau
Deutsches Textarchiv – Hoffmannswaldau, Christian Hoffmann von: Herrn von Hoffmannswaldau und… 
www.deutschestextarchiv.de Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Sven Wenig

So soll der purpur deiner lippen
Jtzt meiner freyheit bahre seyn?
Soll an den corallinen klippen
Mein mast nur darum lauffen ein /
Daß er an statt dem süssen lande /
Auff deinem schönen munde strande?

Ja / leider / Es ist gar kein wunder /
Wenn deiner augen sternend licht /
Das von dem himmel seinen zunder /
Und sonnen von der sonnen bricht /
Sich will bey meinem morschen nachen
Zu einem schönen irrlicht machen.

Jedoch der schiffbruch wird versüsset /
Weil deines leibes marmel-meer
Der müde mast entzückend grüsset /
Und fährt auff diesem hin und her /
Biß endlich in dem zucker-schlunde
Die geister selbsten gehn zu grunde.

Nun wohl! Diß urthel mag geschehen /
Daß Venus meiner freyheit schatz
Jn diesen strudel möge drehen /
Wenn nur auff einem kleinen platz /
Jn deinem schooß durch vieles schwimmen /
Jch kann mit meinem ruder klimmen.

Da will / so bald ich angeländet /
Ich dir ein altar bauen auff /
Mein hertze soll dir seyn verpfändet /
Und fettes opffer führen drauff;
Jch selbst will einig mich befleissen /
Dich gött- und priesterin zu heissen.

 
Zur Veranschaulichung die zitierte Version bei Thomas Borgstedt mit einigen kleinen Abweichungen: gerade habe ich noch gesehen, dass es bei ihm in der letzten Strophe heißt: „Ich dir ein altar bauen auff /“ anstatt: „Dir einen altar bauen auff/…“ Borgstedt zitiert aber übrigens eine kritische Ausgabe: „Benjamin Neukirchs Anthologie. Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte erster theil.“ Nach einem Druck vom Jahre 1697 mit einer kritischen Einleitung und Lesearten. Hg. von A.G. de Capua und E. A. Phillippson. Tübingen: Niemeyer 1961. … Übrigens steht es mit den Überlieferungen der Texte nicht zum allerbesten. Manche der Texte existieren noch als Handschriften und Abschriften der Handschriften, viele Texte aber, die Hoffmannswaldau nicht in seine autorisierte Ausgabe der eigenen Werke aufnahm , sind nur durch Neukirchs Sammlung überliefert. Ob und in welchem Umfang Neukirch selbst in die Texte eingegriffen hatte, kann teilweise nicht sicher geklärt werden.
Roland Erb Danke, dieser schöne Text bereichert auch meine Kenntnis von diesem Dichter, den ich bisher vor allem aus Anthologien kannte, und in erster Linie aus Eberhard Haufes umfangreicher Anthologie der Lyrik des 17. Jahrhunderts „Wir vergehn wie Rauch von starken Winden“.

Orte der Fiktion

1.9.4.3.1.1.3 chirikuré chirikuré: Orte der Fiktion

Textkette

Ausgewählt von Sven Wenig

Mit seiner Aufgabe für die Textkette hat mich Mirko Wenig auf unbekannte Pfade gelockt. Für das Liken eines Gedichts von Francisco de Quevedo (sowie einer höchst eigenwilligen Übersetzung unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz) schickte Mirko mich nach Zimbabwe. Schlug er mir doch den Dichter Chirikuré Chirikuré vor.

 

Chirikuré Chirikuré

Nzvimbo dzemumabhuku
„Sprache: shona“

wese andaita mahwekwe naye
mubvunzo ndiwo mumwe chete:
kwakadini kwamanga mapota?

mhinduro ndinopa yepasi pemoyo:
kutaura zvese handingakwanisi
zvakapinda mumusoro zvinozadza dura

vose vanozoita kunge vapatika kuhope
vobvunza zvakare, uso vasunga:
gara zviya ndepiko kwawaiva?

handinonoki kudzora mhinduro:
ndaiveko kunyika yemutsindo
kumatunhu emuzinda weTimbouctou

vose vanokapaza misoro semabhuru
vopfipfidza vachinwa rukweza rwavo:
nzvimbo dzakadaro ndedzemumabhuku chete

ndinotsikitsira wangu musoro pasi
ndozvipodza hana nemashoko mumoyo:

 

Chirikuré Chirikuré
Orte der Fiktion
(übertragen von Klaus Berr)

jedem Gesicht stellte sich
dieselbe Frage
nach Orten an denen ich gewesen bin

nur das Herz antwortet
der Mund ist schwach, doch
was im Herzen, ist füllt die Kornkammer

mit verträumten Gesichtern und Ungläubigkeit
stellen sie weitere verwunderte Fragen
fragen noch einmal, wo ich schon überall war

ich antworte prompt:
ich war im Land stummer Echos
in den Sanden des uralten Timbuktu

sie schütteln die Köpfe wie Stiere
und während sie trinken, lachen sie spöttisch:
solche Orte gibt es nur in der Fiktion

ich senke den Kopf
und tröste mein Herz mit labenden Worten:
die Gnade im Herzen gehört mir




Sven Wenig Ich kannte den Dichter bisher nicht, habe leider auch nicht das einzige bisher in deutscher Übersetzung erschienene Buch „Aussicht auf eigene Schatten“ (Verlag Das Wunderhorn 2011) zuhause.
Und ich mache es mir mit dieser schweren Aufgabe vielleicht… 
Nzvimbo dzemumabhuku (Chirikuré Chirikuré) •www.lyrikline.org Chirikuré Chirikuré GedichteNdipo patakamuviga pano | Übersetzungen: endeHakurar.
Mag Mdot wow! aber.. vergess deine HAs etc. nicht beim Textketten. Ich hab mich mal ganz bewusst zurückgehalten