René Char,“La chambre dans l’espace“

Tel le chant du ramier quand l’averse est prochaine l’air se poudre de pluie, de soleil revenant je m’éveille lavé, je fonds en m’élevant; je vendange le ciel novice. Allongé contre toi, je meus ta…

Quelle: René Char,“La chambre dans l’espace“

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Ana Blandiana PASTELL / MEIN LAND VON DEN FRÜCHTEN VERLASSEN

Ana Blandiana

PASTELL

Mein Land, von den Früchten verlassen,
Von den Blättern verlassen,
Von den Trauben verlassen,
Die in weiser Voraussicht in den Wein emigrierten,
Mein Land, von den Vögeln verraten,
Die eilends davongeschwirrt sind
Am verletzten, noch heiteren Himmel.

Auf ewig beschwichtigtes Land,
Duftend nach Gräsern,
Die gemächlich verdorren unter der Sonne,
Gläubige Spinnen
Verfertigen weißen Mull,
Um die Stellen des Laubs zu verbinden,
Die leer geblieben sind.

Nachts bringen die reifen Sterne
Deinen Himmel zur Gärung,
Und der Wind bläst bei Tage
Heftig und bitterlich.
Deine Stunden werden gemessen
Von den fallenden Nüssen,
Und es erleuchten dich
Respektvoll die Quitten.

(nach: SOMNUL DIN SOMN. 1977)

Aus dem Rumänischen von Roland Erb

Lucian Blaga JOHANNES GEISSELT SICH IN DER WÜSTE

Lucian Blaga

JOHANNES GEISSELT SICH IN DER WÜSTE

(Ioan se sfâsie în pustie)

Wo bist du, Elohim?
Die Welt ist dir aus den Händen fort geflogen
wie die Taube Noahs.
Vielleicht wartest du noch heute auf ihre Rückkehr.
Wo bist du, Elohim?
Wir gehen verängstigt und unwillig herum,
in den Einöden der Nacht halten wir Ausschau nach dir,
wir küssen im Staub den Stern unter den Füßen
und fragen nach dir – Elohim!
Den schlaflosen Wind halten wir an,
forschen die Luft nach dir aus mit den Nasen,
Elohim!
Die fremden Tiere überall in der Ferne halten wir an
und fragen nach dir, Elohim!
Bis zu den letzten Grenzen richten wir unseren Blick,
wir die Heiligen, die Wasser,
die Straßenräuber, die Steine,
und den Weg zurück wissen wir nicht mehr,
Elohim, Elohim!

(1926. Nach: LAUDA SOMNULUI. 1929)

Aus dem Rumänischen von Roland Erb

Stefan Aug. Doinas DER VERDRIESSLICHE ENGEL

Stefan Aug. Doinas (1922 – 2002)

DER VERDRIESSLICHE ENGEL

(Îngerul îmbufnat)

In der Stille, die wüstenleer war und hanfgelb,
als ich bitter irrte durch äschernes Feld,
bin ich plötzlich erwacht, da ging neben mir mit
jener Erzengel fürbass, mit rüstigen Schritt.

„Ach Erleuchteter du – an Harzen reiche Instanz -,
aus deinen Flügeln verströme eine Substanz
an die Dinge: dass alle, erblühend ringsum
mit strahlendem Geist sich erfülln im Azur!
Ach, Großmütiger, der du alle Gnade kannst geben,
warum solltest du nicht die Grenze aufheben
am Himmel: dass, wieder ins Licht gewendet,
sie Echo werden, wie sie’s zu Anfang gewesen…“

Aber er, mit dem bleiernen Flügel raschelnd,
mit irdischem Trippeln, kratzt aus der Asche
einen Garten aus Tränen mit seinen Nägeln.

Und ich wusste, mehr wird er niemandem geben.

(aus: VOLUPTATEA LIMITELOR)

Aus dem Rumänsichen von Roland Erb

JAN KOCHANOWSKI KLAGELIEDER (TRENY)

Jan Kochanowski (1530 Sycyna – 1584 Lublin)

KLAGELIEDER

V

Wie der Olivenbaum,so klein, im hohen Garten,
Dem Erdreich in der Mutter Spur entwachsen,
Welcher kein Zweiglein noch und noch kein Blatt hervorbringt,
Sondern nur eben erst als schwanker Stiel empor klimmt,
Wie dieser – den der Gärtner, jätend Unkraut,
Versehentlich mit Nesseln, Dornenranken abhaut –
Sogleich dahin welkt und, da er des Lebens Kraft verloren,
Vor der geliebten Mutter Füßen sinkt zu Boden:
So ist es dir, o liebste Ursula, geschehen,
Du hattest dich – dies durften unsere Augen sehen –
Etwas schon von der Erde aufgereckt; der Atem
Grausamen Todes streifte dich, du fielst dem Vater,
Der bangen Mutter vor die Füße. Proserpine,
Ach, wieviel Tränen, Ungerührte, lässt du rinnen?

(Deutsch von Roland Erb)