Noiturnio do adoescente morto

1.7.4.6.1 garcía lorca: Noiturnio do adoescente morto

Textkette

Ausgewählt von Léonce W. Lupette

Michael Gratz bat mich, weil mir sein G.B.Fuchs gefällt, einen Lorca zu posten – voilà: aus den »Seis poemas gallegos«. Wer kundtut, dass ihr oder ihm dies gefällt, wird ebenfalls zu einem zu suchenden Gedicht verpflichtet!

 

Noiturnio do adoescente morto

 

Imos silandeiros orela do vado
pra ver ô adolescente afogado.

Imos silandeiros veiriña do ar,
antes que ise río o leve pro mar.

Súa i-alma choraba, ferida e pequena
embaixo os arumes de pinos e d’herbas.

Agoa despenada baixaba da lúa
cobrindo de lirios a montana núa.

O vento deixaba camelias de soma
na lumieira murcha da súa triste boca.

¡Vinde mozos loiros do monte e do prado
pra ver o adoescente afogado!

¡Vinde xente escura do cume e do val
antes que ise río o leve pro mar!

O leve pro mar de curtiñas brancas
onde van e vên vellos bois de ágoa.

¡Ay, cómo cantaban os albres do Sil
sobre a verde lúa, coma un tamboril!

¡Mozos, imos, vinde, aixiña, chegar
porque xa ise río m’o leva pra o mar!

(Der andalusische Dichter schreibt hier nicht Spanisch, sondern Galizisch).

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Der Eberesche Beeren

1.7.4.4.1 marina zwetajewa: Красною кистью / der eberesche beeren

Textkette

Ausgewählt von Thomas Dürst

 

Marina Zwetajewa

Gedichte über Moskau

9

Der Eberesche Beeren
Im flammenden Baum
Die Blätter sich färbten
Ich kam auf die Welt
.
Hunderte Glocken
Führten Disput
Am Sonntag zu ehren:
Apostel Johann.

Noch heute ich kaue
Und schlucke zu gern
Brennender Esche
Bittere Beeren.

16. August 1916

Der Rauch

1.6.6.3 bertolt brecht: der rauch

Textkette

Ausgewählt von Nistiarch Neelts im Auftrag von Frank Weißbach fürs Liken von Andreas Altmann: Das Engelhafte

Der Rauch

Das kleine Haus unter Bäumen am See
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Aus: Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Band XII: Gedichte 2. Sammlungen 1938-1956. Berlin/ Weimar und Frankfurt: Aufbau / Suhrkamp, 1988, S. 308.

(…)

Ein Garten im Winter

1.7.1.1 yang lian: ein garten im winter

Textkette

Ausgewählt von Connie Schmerle

Mein Beitrag zur Idee der Textkette… Mir, von Armin Steigenberger, zugewiesener Dichter: Yang Lian.

 

Ein Garten im Winter

II

Niemand vertraut dem Wort weniger als ein Dichter.
Mitten im Schnee, im weißen Fleck ist eine Rose schon welk im Keim.
Die Flamme floh zwei eiskalte Hände.
Der Winter hatte zu tun wie ein emsiger Redakteur.
Ich wurde zu einem Schnipsel nach Zuschnitt der Sonne,
geduckt den Geruch meiner Verwesung atmend.
Beizeiten verweht war der Garten im Nordwind eines Menschen.

Ein Leben für eine Chimäre, zuletzt ihr immer noch hörig.
Nur die Stille spielt die blaue Musik der Bäume.
So fiel derselbe große Schnee zweimal von meinen Schultern.
Als er den Garten bedeckte, war ich vergessen.
Als er die Kreuzung befiel, war ich in die Irre entlassen.
Die Straße, verwaist im Licht, glich einer Kehle,
so heiser bei ihrer Rezitation, jahrelang beäugt von hinfälligem Wort.

Yang Lian

(ins Deutsche übersetzt von Wolfgang Kubin)

 




‪Kristian Kühn gefällt das.




Connie Schmerle ich finde: es ist ein ungeheures – ein gutes gedicht. es hakt da zwar für mich an der dritten, der in deutsch übersetzten, zeile in block eins (im original: eigentlich fließender text) – doch ansonsten flirrt es um einen herum, an einen heran und hinterlässt atmosphäregefühl. schön, in die auseinandersetzung mit dem gedicht gekommen zu sein. eine lohnenswerte textkette.




Armin Steigenberger schönes gedicht




Connie Schmerle ja. Übersetzung anzeigen
Connie Schmerle kristian, ich wünsche mir, ihnen sicher nichts unvertrautes: ein blake-gedicht.




Armin Steigenberger connie, ich sehe jetzt erst deinen kommentar, der war noch nicht da, als ich überlegte, wie ich sage, dass mir das gedichte gefällt, ohne es zu liken = erneut die textkette anzuschmeißen.deshalb wirkt mein kommentar unter deinem ein bisschen tumb
Connie Schmerle immerhin, ich habe mich gefreut über den kommentar.
vor etwa einer Stunde • Gefällt mir • 1

Kirschblüte / Nachts

1.7.4.4.1.1.1.2.2.1.1 kerstin becker nach brockes: kirschblüte. nachts

Textkette

Ausgewählt von Kerstin Becker

So, Dirk Uwe Hansen, Poesie-Schulden begleichen, Textkette! ich hatte Petr Borkovec gelikt, und bekam von dir -einen deiner Lieblinge- Barthold Hinrich Brockes. hab mich schwer getan. Mir war so gar nicht nach ihm. Einige ausgewählt. Verworfen. Am Ende wars dann doch die Kirchblüte bei der Nacht. Und wieder verworfen. Ich brech jetzt die Regel und schick ein an seinen Text angelehntes Gedicht. Kirchblüte / Nachts. Zusätzlich das Original.

 

Kirschblüte
Nachts

Ich seh den Kirschbaum unterm Mond.
Welch Weiß! Als läge frischer Schnee.
Auf jedem Ast auf jedem Zweig
zierliche Tupfen. Flaum.

Das Mondlicht geht durch Blütenblätter
Durchsichtig alles. Zärtlich.
Nachtschatten fallen. Nein wirklich
Nichts Weicheres gibts auf der Welt.

Bin unterm Baum wie angehoben
Berühr berauscht die Blüten mit den Blicken
Auf einmal weiter oben wieder weiß.
Ein Stern durch Mark und Bein.

Ich stehe mit den Füßen auf der Wiese
fasse die raue Rinde schwanke
die Augen wolln mir übergehn vom Baum
zum Himmel mit dem Licht.

(Kerstin Becker, nach B.H.Brockes)

Kerstin Becker Kirschblüte bei der Nacht Ich sahe mit betrachtendem Gemüte…




Michael Gratz jetzt war ich aber auf kirchblüte gespannt
Kerstin Becker oh, hab ich das geschrieben?
Kerstin Becker ah, sehe, ja, das wäre dann eine andere version… noch zu erschaffen
Michael Gratz ah, wir warten drauf

Hiobswoche

1.10.1.2.2.1.1 wolfgang hilbig: hiobswoche

Textkette

Ausgewählt von Bettina Boeck

Kerstin Becker schlug mir Wolfgang Hilbig vor:

 

Verlaine

Hingekauert an den schwarzen Beton in Stuttgart in der Fußgängerzone dort wo niemand vorbeikommt wo das käufliche Niemandsvolk in sicherer Entfernung vorbeizieht dort triffst du mich Arthur. Dort siehst du mich: fett und verdreckt Schorf und Kohle im Bart Aussatz auf der Glatze einen schmierigen Rosenkranz in den Pfoten. Und murmelnd zahnlos speichelnd zwischen den versalzenen Lippen:

Eine milde Gabe bitte eine milde Gabe bitte … eine milde Gabe für einen Diener Gottes!

Und du gibst es mir Arthur du triffst mich und du triffst mich genau. Deine Fäuste schlagen ein dumpf in den Schwamm meines Leibs in den Zunder meiner Visage und ich sehe sie noch einmal leuchten die Sterne. Die schöngefärbten milden Sterne die Schmerzenssterne die mich nie geliebt haben. Süßer Morgenstern Venus ich sehe sie noch einmal strahlen von deinen harten Fäusten Arthur und dann versinke ich in meinem Dasein in die Nacht. Und falle in den bodenlosen Grund des K.o. aus dem man vielleicht nie zurückkommt. Dafür werden sie eine Tafel anbringen an den schwarzen Beton. Viele Jahre nach denen das alles vergessen ist.

Nachdem du längst wieder fort bist Arthur Rimbaud und ich allein. Und ich kehre zurück in die Regionen der Wasserlöcher und Straßengräben ins finstere gesträubte Gras das bepisst ist von Hunden und das mein Reich ist.

Eine milde Gabe bitte eine milde Gabe für einen Diener Gottes!

(Wolfgang Hilbig)

Das simple Leben

1.7.4.4.1.1.1.2.2.1.1.1.1 sarah kirsch: das simple leben

Textkette

Ausgewählt von Bettina Boeck

Für die Textkette – einen grünen Text auf Wunsch von Esther Ackermann. Er ist von Sarah Kirsch und stammt aus:

 

Das simple Leben

Die Stare verlassen nun ihre Schwärme, vereinzelten sich wieder, wir haben den uns zugeteilten gerne angenommen. Sitzt auf der mittleren Linde und reißt den Hals auf. Nun kommt Schwung in die Singerei da im Garten. Der Sound ist kunstvoller als zuvor, weil die Kerls keine Regeln einhalten, sondern alles Aufgeschnappte dazwischenmengen: Treckerlärm, Hundegequietsche und die Kantate jeweiligen Sonntags aus unserem Fenster. Ähnlich stehle ich mir auch alles zusammen, und verwandelte es meine Handschrift dann an.

(Sahra Kirsch)

 

17. Februar 2014