Weiter nichts als eine schnarrende Murki

1.10.1.2.3.1 bertram reinecke: Weiter nichts als eine schnarrende Murki

Textkette

Ausgewählt von Dirk Uwe Hansen

Weil Christiane Kiesow mir Bertram Reinecke zugewiesen hat (dankesehr!), lege ich den Finger hier auf eines meiner liebsten Listengedichte:

 

Weiter nichts als eine schnarrende Murki (Fragment)

 

Der Finger,
Flossenstrahl, auch die Dattel,
sowie ein Muschelkrebs (wegen der Ähnlichkeit)
s. Pholas und die Vorzüge eines unsterblichen Haßens
(Ich übergehe allhier den ernhaften Fux, den geübten Schürmann,
einen knasternden Bärentanz): Welchen Platz haben denn Biber
und die gelehrten Bachen

…

Schütz
Die Laufbeziehung zwischen dem Dittrichring und der Matheikirche
Die achtfache Unterkellerung des Palais Ohrenburg

Die angeblich achtfache Unterkellerung des Palais Ohrenburg
Die Stasi habe das Erdreich in Aktentaschen …
Die Klingertreppe

Das redende Prinzip
Die Trios Johann Gottlieb Grauns
Die Sonaten Christoph Nichelmanns
Die ungestüme kontrastreiche Tonsprache der Sinfonien des Mannheimer
Komponistenkreises um Jan Va´clav Antonin Stamic und Franz Xaver Richter
Janitschs „Musikalische Akademie“
Auch Quantz konstatierte „den Mangel der Worte und der Menschenstimme“
„Tändeley“, „Nervekützel“, und „Schönschmäklerey“

Daß diese Souveränität im Kleinen nicht gleicherweise auch für die großen Entwürfe von Kunst und Gesellschaft zutrifft, hängt mit spezifischen gesellschaftlichen Bedingungen in Preußen zusammen.

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Fürs Geschäft

1.10.1.2 konstantin kavafis: Fürs Geschäft

Textkette

Ausgewählt von Dirk Uwe Hansen

Fürs Geschäft

Er verpackt sie sorgfältig
in grüne teure Seide:

Rubin-Rosen, Perlen-Lilien,
Amethyst-Veilchen, schön, wie er sie sich denkt,

sie haben will und sieht, nichr wie in der Natur
beobachtet und studiert. Er wird sie in den Schrank legen,

die Beweise der Kühnheit und Kompetenz seiner Arbeit.
Und wenn ins Geschäft ein Kunde kommt,

holt er andere Sachen zum Verkauf hervor, tadellose Schmuckstücke:
Armbänder, Ketten, Halsbänder und Ringe.
(K. Kavafis)

Του Mαγαζιού

Τα ντύλιξε προσεκτικά, με τάξι
σε πράσινο πολύτιμο μετάξι.

Aπό ρουμπίνια ρόδα, από μαργαριτάρια κρίνοι,
από αμεθύστους μενεξέδες. Ως αυτός τα κρίνει,

τα θέλησε, τα βλέπει ωραία· όχι όπως στην φύσι
τα είδεν ή τα σπούδασε. Μες στο ταμείον θα τ’ αφίσει,

δείγμα της τολμηρής δουλειάς του και ικανής.
Στο μαγαζί σαν μπει αγοραστής κανείς

βγάζει απ’ τες θήκες άλλα και πουλεί — περίφημα στολίδια —
βραχιόλια, αλυσίδες, περιδέραια, και δαχτυλίδια.
(Κ. Καβάφης)

Gefällt mir nicht mehr · · 8. Februar um 16:40

Beton. Zlá krása noční nádrže

1.7.4.4.1.1.1.2.2.1 petr borkovec: Beton. Zlá krása noční nádrže.

Textkette

Ausgewählt von Dirk Uwe Hansen
16. Februar 2014

Jede Person, welche bei diesem Gedicht hier „gefällt mir“ klickt, bekommt von mir eine(n) AutorIn zugewiesen, sucht dann ein Gedicht von diesem Autor/dieser Autorin raus und postet es, um so das Gedichte-Netz weiter zu spannen. Bitte nicht vergessen, diesen Text davor zu setzen. Und bitte geben Sie an, bei welchem Gedicht Sie „gefällt“ geklickt haben und wer es ausgewählt hat.“
Jayne-Ann Igel wünscht sich Petr Borkovec:

Beton. Die böse Schönheit eines Wasserspeichers in der Nacht.
Am Grund ein silberner Pferdekopf.
Areal. Wäldchen. Gebäudekomplex. Das Kläffen eines Hundes.
Links zerbarst die Schnur silbriger Lampen,
weiter weg schwoll nur mehr der Klang des Feldes an.
Ein Autoscheinwerfer riss ein Stück Wald aus der Dunkelheit –
Fichte, Dickicht und Gras schrien ihre Namen hinaus.
So soldatisch. Ich hab es noch im Ohr. Du?
Ich schwieg, obwohl mir das gleiche Licht durch den Körper fuhr.
Der Wald wuchs nicht in mir in dieser verhangenen Nacht.

Als wir zurückkehrten und hinter den Wolken hervor
der Mond herausrann – schwer, süß, weiß –,
hob ich einen Ast hoch, du gingst hindurch, ich ließ ihn los.
Wir schritten dahin. Hielten uns. Allein. Aller Dinge bloß.

Beton. Zlá krása noční nádrže.
Stříbrná koňská hlava na dně.
Areál. Lesík. Komplex. Řvaní psa.
Nalevo trhala se šňůra stříbřenkových lamp,
dál už se sbíral jen zvuk pole.
Reflektor auta vyrval z tmy kus lesa –
smrk, houští, tráva vykřikly svá jména.
Tak vojensky. Ještě to slyším. Ty?
Mlčel jsem, ač tělem sjíždělo mi stejné světlo.
Les ve mně nerostl v té zatažené noci.

Když jsme se vraceli a zpoza mraků
vytekl měsíc – těžce, sladce, bílý –,
zdvihl jsem větev, prošlas, pustil jsem ji.
Šli jsme. Vedli se. Sami. Bez věcí.

Übstzg. von Christa Rothmeier, aus Feldarbeit (Edition Korrespondenzen)

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Kerstin Becker gefällt das.

Jayne-Ann Igel wunderbar
16. Februar um 17:28 · Gefällt mir · 1

Kerstin Becker hach mist – doch wieder gelikt – jetzt mit den textkette – konsequenzen leben. aber was will man machen. die liebe zur dichtung ist stärker als die zeit- u sonstige not!
16. Februar um 19:18 · Gefällt mir nicht mehr · 1

Dirk Uwe Hansen dafür, liebe kerstin, gibts einen meiner lieblinge: barthold hinrich brockes. bis bald!
16. Februar um 19:22 · Gefällt mir · 1

Kerstin Becker (ja mensch, bis samstag!)
16. Februar um 19:37 · Gefällt mir

Dirk Uwe Hansen (freumichdrauf)
16. Februar um 19:38 · Gefällt mir

ἀλλ’ ἄγε σὺν κώθωνι θοῆς διὰ σέλματα νηὸς

1.4 Archilochos

Ausgewählt von Dirk Uwe Hansen auf Wunsch von Michael Gratz:
ἀλλ‘ ἄγε σὺν κώθωνι θοῆς διὰ σέλματα νηὸς
φοίτα καὶ κοίλων πώματ‘ ἄφελκε κάδων,
ἄγρει δ‘ οἶνον ἐρυθρὸν ἀπὸ τρυγός· οὐδὲ γὰρ ἡμεῖς
νηφέμεν ἐν φυλακῆι τῆιδε δυνησόμεθα.

Mach hin und lauf mit dem Becher zwischen den Ruderbänken des schnellen Schiffs,
nimm den Deckel vom bauchigen Krug,
schöpf dann vorsichtig den roten Wein, denn wir können unmöglich
auf dieser Wache nüchtern bleiben.

4 West, 5a Diel, P.Oxy. 854