Trink Wein, dass er Vergessen schenke

1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3.2.1.2 Omar Khayyam: Trink Wein, dass er Vergessen schenke,

Mansur Arshama

Für das Liken von 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3.2.1 Paul Éluard: Unser Leben hat Roland Erb mir ein Gedicht von Omar Chayyam zugeteilt. Hier ein Vierzeiler in eigener Übersetzung:

مي خور كه ترا بيخبر از خويش كند خون در دل دشمن بد انديش كند
هشيار بدن چه سود دارد؟ جز آنك ز انديشه پايان، دل تو ريش كند

Trink Wein, dass er Vergessen schenke,
Gemeinen Feindes Herz in Blut versenke.
Was nützt dir Wachheit? Nichts andres als
Das End bedenkend Herz in Gram ertränke.

Gefällt mir · · 16. April um 18:38

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Chosrou und Schirin (Auszug)

Für das Liken von 1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3.1 (Goethe: „In tausend Formen magst du dich verstecken…“) bekam ich von Roland Erb zugeteilt: Nezami

Hatte die Qual, einen Ausschnitt aus dem Liebesepos „Chosrou und Schirin“ in der Übersetzung von Christoph Bürgel zu wählen. Möglichst kurz, weil noch nicht Copyright-befreit, und möglichst verständlich. Hier also die Verse, nachdem Farhad sich vor Gram über Schirins vermeintlichen Tod vom Felsen stürzte…

Die Jungfer Staub, glänzt sie auch mondgestalt –
schlag in den Wind ihr Wort; denn sie ist alt!
Der Mond wird dunkeln, sich ein Sturm erheben,
der Jungfer Staub wird man die Scheidung geben.
Doch kommt der Sturm nun heute oder nicht,
entfach im Staub nicht solch ein Fackellicht!
In dieser Handvoll Staub, Staub in den Händen,
magst mit zehn Fingern du ein Licht entzünden;
gefährlich bleibt der Staub, der um dich schwillt;
da er des Fingers Wunde dir nicht stillt.

Auszug im persischen Original:

عروس خاک اگر بدر منیرست
به دست باد کن امرش که پیرست
مگر خسفی که خواهد بودن از باد
طلاق امر خواهد خاک را داد
گر آن باد آید و گر ناید امروز
تو بر بادی چنین مشعل میفروز
در این یک مشت خاک ای خاک در مشت
گر افروزی چراغ از هر ده انگشت
نشد ممکن که این خاک خطرناک
بر انگشت بریده بر کند خاک

Quelle: http://moraffah.blogfa.com/cat-99.aspx?p=13

In Keilschrift

Textkette Freistil

Mansur Arshama

Ein Gedicht so ganz nach meinem Geschmack. Wegen Copyright möge der Autor mir verzeihen…

Wieland Schmied

In Keilschrift

Gott Dumuzi, der Hirt, regierte
36000 Jahre

Steht in der Altbabylonischen Königsliste
WB 444,
gefunden in Vorderasien,
einem Steinblock,
vierkantig,
etwa 20,5 cm hoch,
in Keilschrift,
die man unlängst entzifferte.

Aber niemand weiß,
was das bedeutet.

Aus: Deutsche Lyrik. Gedichte seit 1945, dtv, Stuttgart 1963, S. 203.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sumerische_Königsliste

Auff den lustigen Flecken Rubar in Gilan

1.7.4.4.1.1.1.1.1.2 paul fleming: Auff den lustigen Flecken Rubar in Gilan

Textkette

Ausgewählt von Mansur Arshama‎

Zugewiesen von Sven Wenig

 

Paul Fleming

Auff den lustigen Flecken Rubar in Gilan /
hinter den Caßbinischen Gebürgen / in welchem die
Holst. Gesandschafft den xxiij. Jenner m. dc. xxxviij.
im Rückzuge aus Persien übernachtete.

Du Lustthall der Natur / aus welchem wir von weiten
deß Taurus langen Gast / den Winter / lachen aus;
Hier tieff spatziren gehn in einer Nais Hauß
die gülden heist und ist; Da alle Fruchtbarkeiten
auf Chloris grüner Brust / und Thetis Schoß sehn streiten
dort so viel Dryaden die Hügel machen krauß /
darvon Silenus bricht / so manchen dicken Strauß /
und jauchtzet durch den Pusch mit allen seinen Leuten.
Osyris der ümmarmt die Oreaden hier;
Pomona hegt das Gold der hohen Pomerantzen /
Läst die Narzissen stets mit den Violen tantzen.
Fürst aller Liebligkeit / was sing‘ Ich deine Zier?
Das Lufft-Volck führt ümm dich ein ewiges Gethöne /
Daß ja nichts ümm und an gebreche deiner Schöne.

Gemeint ist die heutige Kleinstadt Rudbar in der Provinz Gilan, liegt am Kaspischen Meer (Nord-Iran).

 

‪Sven Wenig gefällt das.




Mansur Arshama ‪Sven Wenig, Du hast jetzt die Qual der freien (Gedicht)-Wahl




Sven Wenig Ah schön. Ich denke mir mal bis morgen etwas aus (am besten etwas, das ich schon abgetippt auf einer Datei habe).

1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1 hafis: Das Herz begehrte Jahre lang

Hafis, Das Herz begehrte Jahre lang (Ghasele 137 nach Ebtehadj, H.A. Sayeh)

Vgl. hier

(Bürgel 64; Rosenzweig-Schwannau I 318; Hammer-Purgstall 102)

Rohübersetzung von Susanne Baghestani

1. Jahrelang  forderte das (mein) Herz Djamschids Pokal von mir
und bat Fremde um das, was es selbst besaß

2. Eine Perle, die außerhalb der Muscheln dieser und jener Welt liegt,
forderte es von den am Meeresufer Verlorengegangenen

3. Mein Problem trug ich zum alten Magier gestern,
der mit seinem Blick die Rätsel lösen kann

4. Ich sah ihn wohlgemut und lachend (fröhlich), den Weinkelch in der Hand,
in dessen Spiegel er hundert Arten von Betrachtungen anstellte

5. Ich sagte, wann gab der Weise (Allwissende) dir diesen Pokal, der die Welt zeigt,
er sagte, an dem Tag, als Er diese blaue Kuppel machte (erschuf)

6. Ein Herzloser (Herzverlorener), dem Gott in allen Lagen zur Seite war,
sah Ihn nicht und flehte aus der Ferne Gott an

7. All die Zaubertricks des Geistes, die er hier tat,
machte der Samir angesichts von [Moses] Stab und Hand

8. Er sagte, der Gefährte, durch den das Haupt des Galgens erhöht wurde,
sein Vergehen war, dass er die Geheimnisse offenlegte

9. Sollte die Weisheit des Heiligen Geistes wieder Hilfe zuteilen,
könnten auch die anderen tun, was einst Jesus tat

10. Ich sagte, wozu ist die Lockenkette der Götzen [gut]
Er sagte, Hafis klage über sein verzücktes Herz

Anmerkungen:

Zu 1. Herz (del), im Persischen auch Seele, Vernunft, Verstand.

Zu 2. Perle, wörtl. gouhar, in der Hauptbedeutung von Edelstein, aber auch Wesen, Natur, Materie, Herkunft. Perle (aus Perlmutt) heißt im Persischen morwarid oder dorr.

Zu 3. Alter Magier, wörtl. pir-e moghan, Pir = Oberhaupt eines Derwischordens, Oberpriester der Magier (altiranische Zoroastrier), oft als Schankwirt übersetzt. Den Zoroastriern ist der Weingenuss erlaubt.

Zu 4. Spiegel: spiegelnde Oberfläche des Weines. Der Weinkelch dient oft als Symbol des Herzens: „lächle mit blutendem Herzen wie ein Weinkelch“.

Zu 5., 10. Ich sagte zu ihm / Er sagte (goftamasch / goft bzw. gofta), beliebte Dialogformel in der persischen Lyrik. Das Persische hat keine Artikel, also auch: Ich sagte zu ihr / Sie sagte.
Der Weise, wörtl. hakim, Arzt, Philosoph, Weiser, hier der höchste Weise. Blaue Kuppel: Anspielung auf die Himmelskuppel in Anlehnung an die mit blauen und türkisfarbenen Mosaiken verzierten Kuppeln der Moscheen.

Zu 6. Herzverlorener (wörtl. bi-del, ohne Herz), traurig, betrübt, leidenschaftlich verliebt.

Zu 7. Ebtehadj wählt hier „saḥir“ (Zauberer) statt „samir„, nicht zu verwechseln mit Borges‘ Zahir. Im Koran wird Moses außer dem Stab auch eine weiß leuchtende Hand zugeschrieben. http://de.wikipedia.org/wiki/Moses_im_Islam

Zu 8. Wortspiel mit sar-boland (erhobenes Haupt), selbe Konnotation wie im Deutschen.

Zu 10. Mit Götze (bot) wird gemeinhin der/die himmlische wie irdische Angebetete bezeichnet, deren Locken einen wie eine Kette fesseln. Mystiker und Sufis bezeichnen sich in der Lyrik gern als Götzenanbeter (bot-parast).

Ich denke, die Anmerkungen zeigen, wie viele Fallen die Übersetzung dieser Ghasele bereithält. Zugleich ist diese Vieldeutigkeit das Geheimnis der ungebrochenen Beliebtheit von Hafis in Iran. Ohne literarische Vorbildung kann man die Ghasele problemlos als Liebesgedicht lesen und sich den unverständlichen Rest „zusammenreimen“. Ihre eigentliche Bedeutung offenbart sich aber erst nach gründlicher Lektüre.

Das Herz (oder die Brust) als Sitz von Seele und Verstand führt denn auch häufig zu Missverständnissen, weshalb viele persische Klassiker fälschlicherweise als Liebeslyrik abgetan werden.

Übrigens, Ebtehadj notiert noch eine elfte Langzeile (hier nach Langzeile 6), die aber nur in 2 von 16 Manuskripten auftaucht, also zu vernachlässigen ist.