Lucian Blaga JOHANNES GEISSELT SICH IN DER WÜSTE

Lucian Blaga

JOHANNES GEISSELT SICH IN DER WÜSTE

(Ioan se sfâsie în pustie)

Wo bist du, Elohim?
Die Welt ist dir aus den Händen fort geflogen
wie die Taube Noahs.
Vielleicht wartest du noch heute auf ihre Rückkehr.
Wo bist du, Elohim?
Wir gehen verängstigt und unwillig herum,
in den Einöden der Nacht halten wir Ausschau nach dir,
wir küssen im Staub den Stern unter den Füßen
und fragen nach dir – Elohim!
Den schlaflosen Wind halten wir an,
forschen die Luft nach dir aus mit den Nasen,
Elohim!
Die fremden Tiere überall in der Ferne halten wir an
und fragen nach dir, Elohim!
Bis zu den letzten Grenzen richten wir unseren Blick,
wir die Heiligen, die Wasser,
die Straßenräuber, die Steine,
und den Weg zurück wissen wir nicht mehr,
Elohim, Elohim!

(1926. Nach: LAUDA SOMNULUI. 1929)

Aus dem Rumänischen von Roland Erb

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