Und (2)

Günter Eich

UND

Nebel Nebel Nebel
und in den Ohren
Haare, eine
unverbindliche
Freundlichkeit
und
und
Rajissas süßes Gelächter.

Was zusammengehört,
eine Erfahrung,
was mit und zusammengehört
nur mit und,
keine Begründungen.

Das wird anhalten
wenn mir das und nicht
mit den andern Wörtern entfällt.
Es reicht, es reicht, danke, es reicht.

Günther Eich: Gesammelte Werke Bd.1: Die Gedichte. Die Maulwürfe. Hrsg. Axel Vieregg. Frankfurt/ Main: Suhrkamp, 1991, S. 299 (Unveröffentlichte Gedichte)

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Und (1)

Günter Eich
UND

Und
macht die Welt begreiflich:
Der Schlieffenplan
und
eine Klingelanlage für Scheintote.

Günther Eich: Gesammelte Werke Bd.1: Die Gedichte. Die Maulwürfe. Hrsg. Axel Vieregg. Frankfurt/ Main: Suhrkamp, 1991, S. 148 (Ursprünglich aus: Anlässe und Steingärten, 1966)

Tischlied

Carl Mikael Bellman

Måltids-Sång (1. Strophe) Fassungsvergleich

Så lunka vi så småningom
Från Bacchi buller och tumult,
När döden ropar, Granne kom,
Ditt timglas är nu fullt.
Du Gubbe fäll din krycka ner,
Och du, du Yngling, lyd min lag,
Den skönsta Nymph som åt dig ler
Inunder armen tag.
Tycker du at grafven är för djup,
Nå välan, så tag dig då en sup,
Tag dig sen dito en, dito två, dito tre,
Så dör du nöjdare.

Winterfred 1856

Tafellied

Wie schlendern wir so allgemach
Von Bacchi Freuden und Verkehr
Dem Tod entgegen. – Nachbar ach!
Dein Stundenglas ist leer. –
O Greis, leg deine Krücke fort,
Und du, o Jüngling, folge mir.
Und führ´ zu einem stillen Ort
Dein Mägdelein mit Dir. –
O, denke immer an den Tod;
Der grause Tod kennt kein Gebot;
Drum nimm ein Schlückchen dann und wann,
Du stirbst zufried´ner dann.

Gumppenberg 1909

Tischlied

So trollen wir uns sacht und fromm
Von Bacchi Lärmen und Getoll,
Wenn uns der Tod ruft: „Nachbar, komm´ –
Dein Stundenglas ist voll!“
Du Alter, wirf die Krücke fort,
Und du, o Jüngling, sei gescheit:
Die schönste Nymphe hier am Ort
Umarm´, solang´ es Zeit!
Scheint das Grab dir tief und schwer sein Druck,
Nun wohlan, so nimm dir da ´nen Schluck,
Nimm noch einen dir hernach, und dann noch zwei, und noch drei,
So stirbst du sorgenfrei!

Artmann/ Korth 1976

Ein Lied während einer Schmauserei, in welchem er den Gästen den unausbleiblichen Tod vorstellt

Wir lungern sacht in guter ruh
Durch Bacchuslärm von ungefähr,
Da ruft der tod, he nachbar du,
Dein stundenglas ist leer.
Du alter, schmeiß die krücken weg,
Auch du, du jüngling, folge mir,
Führ hin die schönste nymphe keck
Ins fahle nachtquartier.
Scheint dir auch die grabeserd zu schwer,
Na dann schön, hol dir nen becher her,
Sauf halt noch einen drauf, dito zwei, dito drei,
So stirbst du sorgenfrei.

Kritik durch Poesie

Baudelaire once wrote that “the best review of a painting might be a sonnet or an elegy”, and it is liberating to think that we can all respond to art with art. This isn’t just because it bypasses the airspace of criticism, but because art liberates something of the artist in ourselves. Baudelaire also knew that thinking needed to be rescued from academicians and from official culture.
Patrick McGuinness, New Statesman