Ministerium für poetische Angelegenheiten

Im zehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnung war die Dichtkunst in Japan so verbreitet, daß sich der Kaiser Daïgo veranlaßt sah, ein ‘Ministerium für poetische Angelegenheiten’, wie wir heute sagen würden, einzusetzen.

Hans Bethge, Nachwort, in: Japanischer Frühling. Nachdichtungen japanischer Lyrik. Leipzig: Insel, 1911, S. 111

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“Hope” is the thing with feathers

“Hope” is the thing with feathers – (314)
BY EMILY DICKINSON

“Hope” is the thing with feathers –
That perches in the soul –
And sings the tune without the words –
And never stops – at all –

And sweetest – in the Gale – is heard –
And sore must be the storm –
That could abash the little Bird
That kept so many warm –

I’ve heard it in the chillest land –
And on the strangest Sea –
Yet – never – in Extremity,
It asked a crumb – of me.

Das ist das Gedicht

Was, ohne Gewalt anzuwenden, Himmel und Erde bewegt, die den Augen nicht sichtbaren Geister und Gottheiten zu Mitgefühl rührt, die Beziehungen zwischen Mann und Frau noch zärtlicher macht und auch das Herz des ungestümen Kriegers besänftigt, das ist das Gedicht.

Vorwort der japanischen Anthologie Kokinwakashû aus dem Jahre 905. In: Gäbe es keine Kirschblüten… Tanka aus 1300 Jahren. Stuttgart: Reclam, 2009, S. 8

I cannot dance upon my Toes—

Ein wunderbar ironisches Gedicht. Eine Meisterin schlüpft in die Rolle der Elevin, die Ratschläge vom Herrn Tanzlehrer braucht. Auch ein poetologisches Gedicht über „Ballet knowledge“.

Emily Dickinson.

326

I cannot dance upon my Toes—
No Man instructed me—
But oftentimes, among my mind,
A Glee possesseth me,

That had I Ballet knowledge—
Would put itself abroad
In Pirouette to blanch a Troupe—
Or lay a Prima, mad,

And though I had no Gown of Gauze—
No Ringlet, to my Hair,
Nor hopped to Audiences—like Birds,
One Claw upon the Air,

Nor tossed my shape in Eider Balls,
Nor rolled on wheels of snow
Till I was out of sight, in sound,
The House encore me so—

Nor any know I know the Art
I mention—easy—Here—
Nor any Placard boast me—
It’s full as Opera—

Wer kan jederman gefallen?

Wer kan jederman gefallen ?

Ob schon des Höchsten Hand die ganze Welt versehen[2] /
daß nichtes drinn gebricht / doch sol noch in der Welt
gebohren werden der / der allen wohl gefält /
und eh der lebend wird / wird wohl die Welt vergehen.

Aus:

Sibyllen Schwarzin /
Vohn
Greiffswald aus Pommern /
Deutsche Poëtische
Gedichte /
Nuhn
Zum ersten mahl / auß ihren eignen
Handschrifften / herauß gegeben
und verleget
Durch
M. SAMUEL GERLACH /
auß dem Hertzogtuhm Würtemberg.
und in
DANTZIG
Gedrukt / bey seel. Georg Rheten Witwen /
im M.D.C.L. Jahr.
Bd. II p. D iv

(1) hier in der Bedeutung: ausstatten, mit etwas versorgen

JAN KOCHANOWSKI KLAGELIEDER (TRENY)

Jan Kochanowski (1530 Sycyna – 1584 Lublin)

KLAGELIEDER

V

Wie der Olivenbaum,so klein, im hohen Garten,
Dem Erdreich in der Mutter Spur entwachsen,
Welcher kein Zweiglein noch und noch kein Blatt hervorbringt,
Sondern nur eben erst als schwanker Stiel empor klimmt,
Wie dieser – den der Gärtner, jätend Unkraut,
Versehentlich mit Nesseln, Dornenranken abhaut –
Sogleich dahin welkt und, da er des Lebens Kraft verloren,
Vor der geliebten Mutter Füßen sinkt zu Boden:
So ist es dir, o liebste Ursula, geschehen,
Du hattest dich – dies durften unsere Augen sehen –
Etwas schon von der Erde aufgereckt; der Atem
Grausamen Todes streifte dich, du fielst dem Vater,
Der bangen Mutter vor die Füße. Proserpine,
Ach, wieviel Tränen, Ungerührte, lässt du rinnen?

(Deutsch von Roland Erb)