altmodische balade

Itzik Manger

altmodische balade
(1. Strophe)
 
doß lidl is alt. nor ß’schat nischt,
as men singt eß fun zeit zu zeit,
derikerscht winter beim ouwn,
wen ß’waremen sich oreme leit
un ß’zitern di verbeß bei dem kiln teich.

Das Lied ist alt. Aber es schad‘ nichts,
wenn man es singt von Zeit zu Zeit,
vor allem im Winter beim Ofen,
wenn sich wärmen die armen Leut
und es zittern die Weiden am kühlen Fluß.

אַלטמאָדישע באַלאַדע
 
דאָס לידל איז אַלט. נאָר ס’שאַט נישט,
אַז מען זינגט עס פֿון צײַט צו צײַט,
דערעיקרשט װינטער בײַם אױװן,
װען ס’װאַרעמען זיך אָרעמע לײַט
און ס’ציטערן די װערבעס בײַ דעם קילן טײַך.

Was ermordet wurde

Eine Regel besagt: Was ermordet wurde,
kommt nie mehr wieder zurück.
Statt eines Steines wird auf dem Grab
sich wiegen Jankeles leere Wiege.
Und von der Wiege wird die Welt träumen,
nachtein, nachtaus, jahrein, jahraus,
solang sie nicht richtet und vernichtet
das deutsche Mörder- und Irrenhaus.

faranen a klal as woss ss’is dermordet,
kumt schojn nischt kejn mal mer zurik.
anschtot a mazejwe wet ibern kejwer
sich wign jankeless lejdike wig.
un di wig wet kumen der welt zu cholem,
nacht ajn, nacht ojss, jor ajn, jor ojss‚
bis si wet nischt richtn, un wet nischt farnichtn,
doss dajtsche merder un meschugoim-hojs.

 

Aus: Itzik Manger: Dunkelgold. Gedichte. Jiddisch und deutsch. Hrsg., a.d. Jiddischen übersetzt und m.e. Nachwort versehen von Efrat Gal-Ed. Mit Umschrift des Jiddischen, Abbildungen und mit CD. Frankfurt/Main: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2004, S. 252f

In Parward (4)

Weiter mit der ersten Zeile

A parouart la grant mathegaudie

Zu Parward, der großen Mathegaudie

Bildschirmfoto 2016-01-21 um 13.30.41

Ausgabe von 1489

Mathe (masse), sagt F2, bedeutet „Stadt“, gaudie (sogar ins Bayrische importiert als a Gaudi) „Freude“. Paris, die große Freudenstadt. Über der die Haut der Gehängten langsam von Sonne und Wind gegerbt wird. Ungefähr das sagt Villons erste Zeile.

Jetzt die drei mir bekannten deutschen Fassungen.

Carl Fischer:

Hier in Paris, der schönen großen Stadt,

Eine Doppelübersetzung, erst aus dem Französischen ins Deutsche und dann aus Gauner- in moralisch und politisch korrekte Hochsprache. Poesie ist das nicht.

Löpelmann:

In Parward hier, dem Ferbemackum groß,

Remané:

Zu Parouart, im grandig Mokum jofe,

So kann ein Gedicht anfangen.

Siglen

In 9 von den 14 in meiner Bibliothek vorhandenen Bänden ist sie nicht enthalten.

F = Französisch

D = Deutsch

E = Elektronische Quellen

  • F1: Villon: Œuvres poétiques. Texte établi et annoté par André Mary. Paris: Garnier-Flammarion, 1965
  • F2: Villon: Poésies complètes. Présentation, édition et annotations de Claude Thiry. Paris: Librairie Géneral Française, 1991 (Lettres gothiques)
  • D1: Villon: Dichtungen. Französisch und deutsch, übertragen mit einer Einleitung und Anmerkungen von Martin Löpelmann. München: Georg D.W. Calwey, o.J. [1937]
  • D2: Die Lebensbeichte des Franois Villon. Übertragen von Martin Remané. Berlin: Rütten & Loening, 1964
  • D3: Villon: Sämtliche Werke. Zweisprachige Ausgabe. Hrsg. u. a.d. Französ. übers. von Carl Fischer. München: dtv, 2002 (2.revidierte Aufl.)
  • E1: Le grant testament villon et le petit. Son codicille. Le iargon & ses Balades. Paris:  P. Levet, 1489
  • E2: Le Grant Testament Maistre Françoys Villon et le Petit. Son Codicille avec le Jargon et ses Ballades. s. d.
  • E3: Oeuvres complètes de François Villon : suivies d’un choix des poésies de ses disciples / dition préparée par La Monnoye, mise au jour, avec notes et glossaire par M. Pierre Jannet. Paris: E. Picard, 1867

Wird fortgesetzt.

Bisher über Villon