Am Strande

Oskar Kanehl

Am Strande

Wir liegen nackt und lassen uns besonnen.
Durch einen Mückenschwarm, wie feines Maschennetz gesponnen,
Flutet auf uns der Blendstrom alles Sonnenlichts
und drückt die Augen zu. Wir wollen nichts,
wir lassen das Gehirn uns kochen,
weil wir gehungert haben, lange Wochen.
Vom stillen Meer her, eintönig wie Gebet,
kommt Kühle fächelnd leiser Wind geweht.
Und neben uns liegt Zarathustra, ungelesen;
Wir lesen nicht, wir Übermenschenwesen,
und fassen Leben mit der vollen Hand.
Wir denken nichts, wir fühlen nur:
Wir sind ein Stück Natur
und nichts als Leiber auf dem heißen Sand.

Aus:

Oskar Kanehl, Die Dinge schreien. Gedichte. Wiecker Bote 21. Greifswald: Wiecker Bote 2015.

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Erstdruck: Die Aktion 27/ 1913, Sp. 654. – Auch in: Wiecker Bote 1/ 1913, S. 15

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