Bienenspäßchen 10

„Bienenspäßchen“ bezieht sich auf ein lateinisches Gedicht des niederländischen Dichters Daniel Heinsius (1580-1655), in dem fast jede Zeile ein eigenes Metrum hat. Es findet sich im Original und in der Übersetzung von Harry C. Schnur in der Reclamausgabe Lateinische Gedichte deutscher Humanisten, 1. Aufl. 1966, 3. durchges. u. ergänzte Aufl. 2015. Ich benutze es hier für den Spaß, jeden Tag ein Häppchen europäischer Dichtung zu präsentieren, zugleich ein Crashkurs* in klassischer Metrik.

Vers 10:

gens divino

Deutsch:

Volk, von Götter-

Auch das ist einfach, jedenfalls im Original. 2 Spondeen, Bi-Spondeus schreibt Schnur. Vier Hebungen, das geht im Latein, im Deutschen nur wenn man sich etwas verbiegt, langsam spricht, abwägend oder salbungsvoll. Hier vielleicht dadurch erleichtert, daß das Enjambement mitten im Wort zu rätseln gibt.

– – – –

gens–di–vi–no

Volk–von–Göt–ter-

Auflösung morgen.

*) Wohlgemerkt: Crashkurs, den ich (öffentlich) nehme, nicht gebe!

Bisheriger Gesamttext

Mellificae volucres,
quae per purpureas rosas
violas amaracumque
tepidique dona veris
legitis suave nectar,
tenerae cives
et seduli coloni
et incolae beati
hortorum redulentium;
gens divino

Deutsch von Harry C. Schnur:

Honigerzeuger im Flug,
die aus Rosen ihr, dunkelrot,
die aus Majoran und Veilchen
und des lauen Frühlings Gaben
sammelt ein den süßen Nektar –
ihr bewohnt, Kleinchen,
und ihr bewerket fleißig
und ihr besiedelt glücklich
Gärten, welche von Düften schwer.
Volk, von Götter-

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