Stefan Augustin Doinas DIE BLÜTENSCHAUMWAAGE

Stefan Aug. Doinas

DIE BLÜTENSCHAUMWAAGE

Auf der Blütenschaumwaage der Pflaumenbäume am Abend
dürstetest du, gleich den Herzen im Tau.

Wie der Stier erbebte im trotzigen Ingrimm: die Stirne
brach frenetisch hervor zwischen schwarzen Hörnern,
wie eine Wespe, zur Hochzeit in die Trommel gesperrt,
drehte er sich im Kreis, stieß einen Dunst aus, einen Geruch,
zitterte in dem dunklen, haarig-verhüllten
Jauchzen gleich dem des nach Gräsern lechzenden Feuers,
taub machend unterm rasendenden Trappeln der Sterne!

Ach, ich träumte. Vielleicht ein Jahrhundert. Ich sah, bei der Mühle
tranken Libellen an stagnierenden Wassern,
bestechliche knöcherne Würfel hörte ich
nirgends-und-überall klappern; auf einmal
brach es, das Gleichgewicht; wie ein Schneesturm blies mich
leuchtend dein Herz von dem Baum in die Lüfte…

(Aus dem Rumänischen von Roland Erb)

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