Auf ein Exemplar des „Steilen Weges“

Miklós Radnóti

Auf ein Exemplar des „Steilen Weges“

Ein Dichter bin ich und drum unnütz. Keiner
braucht mich, brächt ich selbst Wortloses hervor:
.–.–.– umsonst. Statt meiner
singt heut ein frecher Teufelschor.

Und glaubt mir, Freunde, lernt erkennen
was früh ich ahnte: ich will, daß ihr wißt:
Ein Dichter bin ich, nütz nur zum Verbrennen,
da er der Wahrheit Zeuge ist.

Einer bin ich, der weiß, daß der Schnee weiß ist
und rot das Blut und rot am Weg der Mohn
und des Mohns wergflaumiger Stengel grün.

Einer, der nie getötet hat und den man darum
umbringen wird. Denn dies wird nie verziehn.

1939

Miklós Radnóti: Ansichtskarten. Nachdichtung und Nachwort von Franz Fühmann. Berlin: Volk und Welt, 1967, S. 42.

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