TUDOR ARGHEZI Zwischen zwei Nächten

Tudor Arghezi

ÎNTRE DOUA NOPTI

Mi-am împlântat lopata taioasa în odaie.
Afara batea vântul. Afara era ploaie.

Si mi-am sapat odaia departe subt pamânt.
Afara batea ploaia. Afara era vânt.

Am aruncat pamântul din groapa, pe fereastra.
Pamântul era negru: perdeaua lui, albastra.

S-a ridicat la geamuri, pamântul pâna sus.
Cât lumea-i era piscul, si-n pisc plângea Isus.

Sapând s-a rupt lopata. Cel ce-o stirbise, iata-l,
Cu moastele-i de piatra, fusese însusi Tatal.

Si m-am întors prin timpuri, pe unde-am scoborât,
Si în odaia goala din nou mi-a fost urât.

Si am voit atuncea sa sui si-n pisc sa fiu,
O stea era pe ceruri. In cer era târziu.

Tudor Arghezi

ZWISCHEN ZWEI NÄCHTEN

Ich habe den scharfen Spaten ins Zimmer gestoßen.
Draußen blies Wind. Es hat in Strömen gegossen.

Ich hab mein Zimmer tief unter die Erde gegraben.
Es goss in Strömen. Der Wind hörte nicht auf zu klagen.

Durchs Fenster warf ich die Erde der Grube hinaus.
Die Erde war schwarz: es wogte der Vorhang des Blaus.

Die Erde stieg über das Fensterkreuz hoch empor.
Wie die Welt türmte der Gipfel sich, Christ weinte dort.

Mein Spaten ward stumpf beim Graben. Der mit Gewalt
Ihn zerbrach, war der Vater mit der Gebeine Basalt.

Ich kehrte zurück durch die Zeit, wo ich einst stieg hinab,
Unerträglich wie vorher war im Zimmer mein Tag.

Und hinauf steigen zum Gipfel wollte ich gern,
Spät wars im Himmel. Es stand am Himmel ein Stern.

(Aus dem Rumänischen übersetzt von Roland Erb)

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Rose

Rainer Maria Rilke (4.12. 1875 – 29.12. 1926)

Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.

Rilkes Grab in Raron (Schweiz)

Viermal Petropolis

Осип Мандельштам

* * *

В Петрополе прозрачном мы умрем,
Где властвует над нами Прозерпина.
Мы в каждом вздохе смертный воздух пьем,
И каждый час нам смертная година.

Богиня моря, грозная Афина,
Сними могучий каменный шелом.
В Петрополе прозрачном мы умрем,-
Здесь царствуешь не ты, а Прозерпина.

1916

Paul Celans „behutsam freie“ Übertragung

Petropolis, diaphan: hier gehen wir zugrunde,
Hier herrscht sie über uns: Proserpina.
Sooft die Uhr schlägt, schlägt die Todesstunde,
Wir trinken Tod aus jedem Lufthauch da.

Den Helm, den steinernen, jetzt losgebunden,
Athene, meerisch, mächtig, schreckensnah!
Petropolis, diaphan: hier gehen wir zugrunde,
Nicht du regierst – hier herrscht Proserpina.

Igor Bulatovskys poetische Reflexion von Celans Verfahren anhand von Celans ersten zwei Wörtern:

Petropolis, diaphan…
P. Celan*

«Петрополь», «диафания» – в любом
из этих слов есть маленькое место,
где можно ткнуться вниз горячим лбом,
не думая о вычурности жеста.

Лишь черновой подстрочностью его
смутясь немного и гордясь немного,
прозрачное глотая вещество
начального бессмысленного слога.

* Начало перевода стихотворения Мандельштама
«В Петрополе прозрачном мы умрем…»

Jan Kuhlbrodt „verbrachte (…) die Nacht damit, dem Gesang dreier Dichter (s)ein Gezwitscher hinzuzufügen“:

Petropolis, diaphan …
P. Celan*

„petropolis“ und „diaphan“ – in jedem
dieser worte gibt es einen kleinen platz,
auf den man seine stirn ablegen kann,
nicht um über diese geste nachzugrübeln

wörtlich übersetzt zuerst, ist man
etwas verlegen und ein wenig stolz
wenn der sinn dann sichtbar wird
durch die anfangs wirren silben.

* Der Anfang von Celans Übersetzung eines Gedichtes von Mandelstam:
(В Петрополе прозрачном мы умрем…)

Hier die Texte mit Kuhlbrodts Kommentar

Jammertal

Heinrich Heine

Jammertal

Der Nachtwind durch die Luken pfeift,
Und auf dem Dachstublager
Zwei arme Seelen gebettet sind;
Sie schauen so blaß und mager.

Die eine arme Seele spricht:
Umschling mich mit deinen Armen,
An meinen Mund drück fest deinen Mund,
Ich will an dir erwarmen.

Die andere arme Seele spricht:
Wenn ich dein Auge sehe,
Verschwindet mein Elend, der Hunger, der Frost
Und all mein Erdenwehe.

Sie küßten sich viel, sie weinten noch mehr,
Sie drückten sich seufzend die Hände,
Sie lachten manchmal und sangen sogar,
Und sie verstummten am Ende.

Am Morgen kam der Kommissär,
Und mit ihm kam ein braver
Chirurgus, welcher konstatiert
Den Tod der beiden Kadaver.

Die strenge Wittrung, erklärte er,
Mit Magenleere vereinigt,
Hat beider Ableben verursacht, sie hat
Zum mindesten solches beschleunigt.

Wenn Fröste eintreten, setzt‘ er hinzu,
Sei höchst notwendig Verwahrung
Durch wollene Decken; er empfahl
Gleichfalls gesunde Nahrung.

Weihnachten

Ivan Blatny

Weihnachten

Das Pferd hat leise einen weissen Luftstrauch ausgehaucht,
einen echten milchig weissen Kieselstein mit Adern,
das Ächzen einer Tür hing lange in der reinen Luft,
in den Wäldern schlief das Wild.
Ein Rabe kreiste, in der Schwärze seiner Flügel
gingen Berge, Wälder, Städte unter,
das Dunkel brach herein, und er verschwand,
zu hören war nur noch im Schnee das

Knirschen.

Aus dem Tschechischen von Felix Philipp Ingold