Ossip Mandelstam WANDERSTAB (Possoch)

Ossip Mandelstam

WANDERSTAB

Wanderstab – du meine Freiheit,
Herzstück, haltend mich im Sein.
Kehrt nicht bald auch meine Wahrheit
In des Volkes Wahrheit ein?

Neigte mich nicht vor der Erde,
Eh ich mich nicht selbst ganz fand,
Nahm den Wanderstab, ins ferne
Rom trieb mich der Freude Drang.

Doch der schwarzen Äcker Schneeflut,
Niemals ist sie abgetaut,
Meiner Hausgenossen Schwermut
Blieb mir allzeit unvertraut.

Einst vom Fels der Schnee wird tauen,
Von der Wahrheit Licht versengt.
Recht tat es, das Volk, vertrauend
Mir den Stab, der ich Rom gesehn!

1914

(Übersetzung: Roland Erb)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s