Oskar Loerke Kleiner Bahnhof

textkette freistil

Oskar Loerke

KLEINER BAHNHOF

Du spielst, ein Luftzug, mit den weißen Tüchern
Der Tische in den leeren Wartesälen.
Die Kellnerinnen stricken über Büchern,
Versenkt, beklopft von eisernen Signalen,
Die Hämmer aus der schwarzen Glocke quälen.
Du spielst, ein Lufthauch, der sich selbst nicht kühlt.

Geranienkübel blühn an Eisenträgern,
Vom Kohlenrauch des Kessels plump umarmt.
Derweilen flieht nahbei vor seinen Jägern
Das arme Wild aus warmen Lager-Kralen
Zu einem Gotte, der sich nicht erbarmt.
Was spielst du? Weil ein Hauch sich selbst nicht fühlt.

Längst ist ein Mahlen in den Rädern rege,
Die Weiche klappt, es kreist das Immergleiche,
Die Birkenpilger horchen in die Teiche,
Wie Schicksal werden weiße Wolken groß,
Doch vorher schweigt der Bahnhof klein am Wege,
Da pulst ein Hauch wie Herzschlag herrenlos.

(aus: Der Silberdistelwald)

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