Disputir-Kunst

Barthold Hinrich Brockes

Diſputir-Kunſt.
Willt du ruhig und beliebt, uͤberall gelitten ſeyn:
Diſputir mit keinem Menſchen, er ſey vornehm oder klein.
Denn, du wirſt entweder ſiegen,
Oder aber unten liegen.
Letzters kann dir nicht gefallen; erſters thut dem andern weh,
Mehr, als einer Urſach halber. Sein Verſtand ſoll von der
Hoͤh,
Drauf er ſich geglaubt, herunter. Dieſes iſt ihm aͤrgerlich;
Und er thuts mit Widerwillen. Aber, daß zugleich er dich
Noch vernuͤnftiger, als ſich,
Halten und erkennen ſoll; ſind zween Schlaͤg in einer Wunden,
Die von ſeinem lieben Jch gar zu heftig ſind empfunden.
Und er wird, ohn allen Zweifel, dich, nebſt deiner Wahrheit,
haſſen.
Soll er aber, ſonder Haß, ſich von dir beſiegen laſſen:
Mußt du erſt ſein Herz gewinnen, und dazu beliebter Minen,
Sanfter Toͤne, ſuͤſſer Woͤrter, holden Ausdrucks dich bedienen.
Bey der Tonkunſt brauche ja eines freundlichen Geſichts,
Und bemuͤh dich, deine Schluͤſſe, wie mit Honig, zu verſuͤſſen.
Sonſten richteſt du bey allen mit den ſtaͤrkſten Schluͤſſen nichts;
Und dir wird aus deiner Klugheit nichts, als bittre Wermuth,
ſprieſſen.
(Den Unterschied zwischen „f“ und dem ähnlich aussehenden langen „s“ („ſ“) beachten!)
Mehr in Kürze (Link ist im Moment „wegen Wartungsarbeiten“ darnieder)
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