Zenas Witt

Edgar Lee Masters

Zenas Witt

I was sixteen, and I had the most terrible dreams,
And specks before my eyes, and nervous weakness.
And I couldn’t remember the books I read,
Like Frank Drummer who memorized page after page.
And my back was weak, and I worried and worried,
And I was embarrassed and stammered my lessons,
And when I stood up to recite I’d forget
Everything that I had studied.
Well, I saw Dr. Weese’s advertisement,
And there I read everything in print,
Just as if he had known me;
And about the dreams which I couldn’t help.
So I knew I was marked for an early grave.
And I worried until I had a cough,
And then the dreams stopped.
And then I slept the sleep without dreams
Here on the hill by the river.

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29.5.

On this day in 1914, Edgar Lee Masters (books by this author) published the first poem of what would later be published as The Spoon River Anthology (1915). Masters was a lawyer in Chicago when he began writing short poems about the townspeople of „Spoon River,“ a fictional place he based on his hometown of Lewiston, Illinois. Afraid that the people in Lewiston would take offense to his unflattering characterization, he published all 244 of his free-verse poems individually and then as a book under the pseudonym Webster Ford. It was an immediate commercial success. But the monologues were often cynical and showed the hypocrisies of small-town life, making Masters an outcast from the small towns where he grew up. He also hadn’t changed the last names of several characters, and many residents were outraged by his unflattering depictions of them. Still, The Spoon River Anthology became one of the best-selling books of poetry in American history. Remarking on the anthology, Ezra Pound said, „At last the American West has produced a poet strong enough to weather the climate, capable of dealing with life directly, without circumlocution, without resonant meaningless phrases.“

/ Quelle

Tadeusz Rózewicz: ENTKOMMEN (OCALONY)

Textkette

(Weil mir ein von Sven Wenig ausgewähltes Gedicht Sarah Kirschs  gefallen hatte, bat er mich, einen Text des kürzlich verstorbenen polnischen Lyrikers, Dramatikers und Erzählers Tadeusz Różewicz (geb. 1921) herauszusuchen. Hier eines seiner frühen Gedichte, das unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden ist.)

 

Tadeusz Różewicz

Ocalony

Mam dwadzieścia cztery lata
ocalałem
prowadzony na rzeź

 

To są nazwy puste I jednoznaczne:
człowiek i zwierze
milość i nienawiść
wróg i przyjaciel
ciemność i swiatło

 

Człowieka tak sie zabija jak zwierzȩ
widziałem:
furgony porąbanych ludzi
którzy nie zostaną zbawieni.

 

Pojęcia są tylko wyrazami:
cnota i występek
prawda i kłamstwo
Piękno i brzydota
mȩstwo i tchórzostwo.

 

Jednako waży cnota i wystȩpek
widziałem:
człowieka który byl jeden
wystȩpny i cnotliwy.

 

Szukam nauczyciela I mistrza
niech przywróci mi wzrok słuch i mowȩ
niech jeszcze raz nazwie rzeczy i pojȩcia
niech oddzieli światło od ciemności.

 

Mam dwadzieścia cztery lata
ocałalem
prowadzony na rzeź.

(aus: Niepokój. 1947)

 

Entkommen

Ich bin vierundzwanzig
zur Schlachtbank geführt
bin ich entkommen.

 

Leere Vokabeln gleicher Bedeutung sind das:
Mensch und Tier
Liebe und Hass
Feind und Freund
Dunkel und Licht

 

Den Menschen schlachtet man  ab  wie das Tier
ich sah:
Lastwagen voll von Verstümmelten
die niemand erlöst.

 

Nichts als Worte sind die Begriffe:
Anstand und Laster
Wahrheit und Lüge
Schön und Hässlich
Mut und Feigheit.

 

Gleichviel wiegen Anstand und Laster
ich sah:
den Menschen der in einem
anständig und lasterhaft war.

 

Ich suche einen Lehrer und Meister
dass er mir Augenlicht, Sprache, Gehör zurückgibt
dass er noch einmal die Dinge und die  Begriffe benennt
dass er das Licht von der Finsternis scheidet.

 

Ich bin vierundzwanzig
zur Schlachtbank geführt
habe ich überlebt.

 

(Übersetzung: Roland Erb)

Heinrich Heine

Kempner des Tages

Friederike Kempner liebt Heinrich Heine und verzeiht ihm sogar seinen Vitzli Putzli*, den sie Witzli Putzli nennt:

Heinrich Heine

Ruh‘ in Frieden, großer Dichter,
Ruh‘ in Frieden, Dichtergeist,
Ruh‘ in Frieden, Herz voll Saiten,
Das kein Mißton mehr zerreißt.

Oder singe, spiele weiter,
In der selbstgeschaff’nen Art
Jener Lieder süße Worte,
Unvergleichlich, geistvoll, zart:

Von des Fichtenbaumes Träumen
In des Nordens kalter Höh‘,
Von der armen Sündenblume,
Von Ramiro’s düstrem Weh‘!

Singe in des Himmels Sphäre,
Alle Engel stimmen ein,
Witzli Putzli sei vergeben –
Alle Poesie ist rein!

*) Auszug aus Heines unreinem Gedicht:

Freu dich, Vitzliputzli, freu dich,
Heute gibt es Spanierblut,
Und am warmen Dufte wirst du
Gierig laben deine Nase.
____

Heute werden dir geschlachtet
Achtzig Spanier, stolze Braten
Für die Tafel deiner Priester,
Die sich an dem Fleisch erquicken. Mehr

Mittelbahn und Schwulst

Bildschirmfoto 2014-05-27 um 04.19.58

Der geht die Mittelbahn, und liebet gleiche Schrift,
Doch fehlt ihm Geist und Kraft. Und wer was Hohes trifft
Wird schwülstig, weil er meint, der Hoheit wahre Sorten
Bestünden nur in Pracht und Ellen langen Worten.

Q. Horatii Flacci Gedancken von der Dicht-Kunst. In Deutsche Verse übersetzt nebst noch einigen andern Gedichten … von Carl Heinrich Langen. Lübeck: In verlegung seel. J.C. Schmidten wittwe, Gedruckt von J.N. Green, 1730 (Google books)

Die Stelle in der Übersetzung von Gerd Herrmann, , Tusculum Studienausgabe Briefe / Von der Dichtkunst, Düsseldorf/ Zürich: Artemis & Winkler, 2003, S. 117 (ich lasse das Zitat hier etwas früher einsetzen):

(…………………………………………….) Wir Dichter fast alle
Lassen uns täuschen vom Anschein des Rechten: streb‘ ich nach Kürze,
Werde ich dunkel; gelingt mir Glätte, so geht mir verloren
Kraft und Feuer; schwülstig gerät das gewaltsam Erhab’ne.

Maxima pars uatum, pater et iuuenes patre digni,
decipimur specie recti. Breuis esse laboro,
obscurus fio; sectantem leuia nerui
deficiunt animique; professus grandia turget;

Zum Divan-Projekt

„Ein anderer Fall liegt in Deutschland vor: ein bewundernswertes Land, das so leicht zum Fanatismus neigt, wählt ausgerechnet einen toleranten Mann, der überhaupt nicht fanatisch ist und dem der Begriff des Vaterlandes nicht sonderlich viel bedeutet; es wählt Goethe. Deutschland wird durch Goethe repräsentiert.“

Jorge Luis Borges, Die letzte Reise des Odysseus. Essays, Fischer 1992, S.18f. (Ü: Gisbert Haefs)

Ursprung der Rose

Friedrich Rückert

Ursprung der Rose

Den Rosenzweig benagt ein Lämmchen auf der Weide,
Es thuts nur sich zur Lust, es thuts nicht ihm zu Leide.

Dafür hat Rosendorn dem Lämmchen abgezwackt
Ein Flöckchen Wolle nur, es ward davon nicht nackt.

Das Flöckchen hielt der Dorn in scharfen Fingern fest;
Da kam die Nachtigall und wollte baun ihr Nest.

Sie sprach: „Thu auf die Hand, und gib das Flöckchen mir,
Und ist mein Nest gebaut, sing‘ ich zum Danke Dir.

Er gab, sie nahm und baut‘, und als sie nun gesungen,
Da ist am Rosendorn vor Lust die Ros‘ entsprungen.

Bildschirmfoto 2014-05-27 um 12.51.18

Aus: Friedrich Rückert, Die Weisheit des Brahmanen: Ein Lehrgedicht in Bruchstücken, Bände 1-2. Weidmann, 1838 (Google eBook)