In tausend Formen magst du dich verstecken…

1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3 goethe: In tausend Formen magst du dich verstecken

Textkette

Ausgewählt von Roland Erb

Der mir von Sven Wenig (für das Liken eines Gedichts von Hafis) zugewiesene Dichter:

Johann Wolfgang von Goethe

(aus: Westöstlicher Divan.
Buch Suleika)

In tausend Formen magst du dich verstecken,
Doch, Allerliebste, gleich erkenn‘ ich dich;
Du magst mit Zauberschleiern dich bedecken,
Allgegenwärtige, gleich erkenn‘ ich dich.

An der Zypresse reinstem, jungem Streben,
Allschöngewachsne, gleich erkenn‘ ich dich;
In des Kanales reinem Wellenleben,
Allschmeichelhafte, wohl erkenn‘ ich dich.

Wenn steigend sich der Wasserstrahl entfaltet,
Allspielende, wie froh erkenn‘ ich dich;
Wenn Wolke sich gestaltend umgestaltet,
Allmannigfaltige, dort erkenn‘ ich dich.

An des geblümten Schleiers Wiesenteppich,
Allbuntbesternte, schön erkenn‘ ich dich;
Und greift umher ein tausendarm’ger Eppich,
O Allumklammernde, da kenn‘ ich dich.

Wenn am Gebirg der Morgen sich entzündet,
Gleich, Allerheiternde, begrüß‘ ich dich,
Dann über mir der Himmel rein sich ründet,
Allherzerweiternde, dann atm‘ ich dich.

Was ich mit äußerm Sinn, mit innerm kenne,
Du Allbelehrende, kenn‘ ich durch dich;
Und wenn ich Allahs Namenhundert nenne,
Mit jedem klingt ein Name nach für dich.

(Text nach: Goethes Werke, Hamburger Ausgabe, Hamburg, 1960)

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