Hiobswoche

1.10.1.2.2.1.1 wolfgang hilbig: hiobswoche

Textkette

Ausgewählt von Bettina Boeck

Kerstin Becker schlug mir Wolfgang Hilbig vor:

 

Verlaine

Hingekauert an den schwarzen Beton in Stuttgart in der Fußgängerzone dort wo niemand vorbeikommt wo das käufliche Niemandsvolk in sicherer Entfernung vorbeizieht dort triffst du mich Arthur. Dort siehst du mich: fett und verdreckt Schorf und Kohle im Bart Aussatz auf der Glatze einen schmierigen Rosenkranz in den Pfoten. Und murmelnd zahnlos speichelnd zwischen den versalzenen Lippen:

Eine milde Gabe bitte eine milde Gabe bitte … eine milde Gabe für einen Diener Gottes!

Und du gibst es mir Arthur du triffst mich und du triffst mich genau. Deine Fäuste schlagen ein dumpf in den Schwamm meines Leibs in den Zunder meiner Visage und ich sehe sie noch einmal leuchten die Sterne. Die schöngefärbten milden Sterne die Schmerzenssterne die mich nie geliebt haben. Süßer Morgenstern Venus ich sehe sie noch einmal strahlen von deinen harten Fäusten Arthur und dann versinke ich in meinem Dasein in die Nacht. Und falle in den bodenlosen Grund des K.o. aus dem man vielleicht nie zurückkommt. Dafür werden sie eine Tafel anbringen an den schwarzen Beton. Viele Jahre nach denen das alles vergessen ist.

Nachdem du längst wieder fort bist Arthur Rimbaud und ich allein. Und ich kehre zurück in die Regionen der Wasserlöcher und Straßengräben ins finstere gesträubte Gras das bepisst ist von Hunden und das mein Reich ist.

Eine milde Gabe bitte eine milde Gabe für einen Diener Gottes!

(Wolfgang Hilbig)

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