Für Marienhof

1.9.3 sergej jessenin: für marienhof

Ausgewählt von Roland Erb

Mein Beitrag zur Textkette:
Das Prinzip ist einfach – jede Person, welche das liked, kriegt eine(n) DichterIn oder SchriftstellerIn zugewiesen. Einfach ein Gedicht raussuchen, posten und so die lyrische Kette fortführen:

Sergej Jessenin

für Marienhof

Des Dorfes letzter Dichter, bald bin ichs gewesen;
Den Brettersteg zu nennen, grade noch gelingts…
Ich lausch den Birken, wie sie Totenmessen lesen,
Ihr Laub des Abschieds, Weihrauchschwaden schwingts.

Nicht lang, die Kerze goldner Flamme brennt zugrunde,
Die fleischliche tropft hin, des Wachses Tränenspur,
Ja, bald schon ausrufts quarrend meine zwölfte Stunde:
Die hölzerne, des Mondlichts starre Uhr.

Des Feldes helle Pfade, fernem Blau entsprossen,
Ein eiserner Gast wird sie betreten, klirrend, hart.
Die Haferkörner, früh vom Morgenrot vergosssen,
Die rasend jene schwarze Hand zusammenscharrt…

Handflächen, unbeseelte, fremden Glanzes blinkend,
In eurer Zeit, nein, wird mein Lied nicht mehr gesungen!
Nur noch des Ährenfeldes Mähnen, fliegend, sinkend,
Nur sie noch trauern um den greisen Jungen…?

Ihr armes Wiehern reißt ein Wind in hohle Schlunde –
Ein Kreiseln, das des Totentanzes nur!
Nicht ferne, nicht mehr fern ist meine zwölfte Stunde,
Bekanntgemacht vom Schnarr der hölzernen Uhr!

[1920]

Übertragen von Adolf Endler


Roland Erb Maria Clara, bitte ein Gedicht von Droste-Hülshoff. Sven Wenig, bitte eins von Paul Valéry!
vor 2 Stunden · Gefällt mir · 1

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s