Auf den Tod eines Kindes

Friedrich Hölderlin

Auf den Tod eines Kindes

Die Schönheit ist den Kindern eigen,
Ist Gottes Ebenbild vieleicht, –
Ihr Eigentum ist Ruh und Schweigen,
Das Engeln auch zum Lob gereicht.

StA, Band 2, Seite 264.

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Et tout le reste est littérature

Am 30.3. 1843 wurde Paul Verlaine geboren.

Paul Verlaine

ART POÉTIQUE.

De la Musique avant toute chose !
Et pour cela préfère l’Impair
Plus vague et plus soluble dans l’air
Sans rien en lui qui pèse et qui pose.

Il faut aussi que tu n’ailles point
Choisir tes mots sans quelque méprise :
Rien de plus cher que la chanson grise
Où l’Indécis au Précis se joint.

C’est des beaux yeux derrière des voiles,
C’est le grand jour tremblant de midi ;
C’est, par un ciel d’automne attiédi,
Le bleu fouillis des claires étoiles !

Car nous voulons la Nuance encor,
Pas la Couleur, rien que la Nuance !
Oh ! la Nuance seule fiance
Le rêve au rêve et la flûte au cor !

Fuis du plus loin la Pointe assassine,
L’Esprit cruel et le Rire impur
Qui font pleurer les yeux de l’Azur,
Et tout cet ail de basse cuisine !

Prends l’Éloquence et tords-lui son cou !
Tu feras bien, en train d’énergie
De rendre un peu la Rime assagie ;
Si l’on n’y veille, elle ira jusqu’où ?

Oh ! qui dira les torts de la Rime ?
Quel enfant sourd ou quel nègre fou
Nous a forgé ce bijou d’un sou
Qui sonne creux et faux sous la lime.

De la Musique encore et toujours !
Que ton vers soit la chose envolée
Qu’on sent qui fuit d’une âme en allée
Vers d’autres cieux à d’autres amours !

Que ton vers soit la bonne aventure
Eparse au vent crispé du matin
Qui va fleurant la menthe et le thym !…
Et tout le reste est littérature.

Avril 1874. Paul Verlaine.

Erstdruck:

Paris Moderne. Revue littéraire et artistique.
Bd. 2, 1882/83, 10. November 1882, S. 144-145.

Deutsche Fassung aus: Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen von Joseph Jaffé. Hamburg 1908

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Lyropolis

Nicht will wohllauten der deutsche Mund, sagt Hölderlin. Beweis: Lyropolis heißt auf Deutsch Textkette. Das klingt ein wenig nach dem ebenfalls wenig wohllautenden  ungarischen Wort für Liebe: Szerelem. Eine Freundin verlängerte es probeweise: Textkettennebenstrecke. Vielleicht lustig, aber nicht wohlklingend. Aber eigentlich ist Textkette nicht die Stadt selbst, sondern das Herzstück, die Anthologie, die Lyrikbibliothek von Babel.

Wie dem sei – Lyropolis existiert; und wächst. Hier ein Stadtplan:

1: Textkette (Stammbaum) 2: Freistil

1: Textkette (Stammbaum), 2: Agora , 4: Ehrenhain, 11: Rathaus, 12: Schatzhaus, 13: Galerie, 17: Freistil, 20: Privaträume

 

1 Textkette: Eine labyrinthische Anthologie in Stammbaumform, ausgehend von der Dichterin Sappho = 0. Jeder Bewohner oder Besucher von Lyropolis kann an einer beliebigen (also ihm oder ihr gefallenden) Stelle am Stammbaum mitbauen. Das heißt, wenn Ihnen ein Gedicht von den rund 200 bisher vorhandenen gefällt, teilen Sie es in einem Kommentar mit und der Elektor des Gedichts wird Ihnen einen Autor vorschlagen, von dem Sie ein Gedicht auswählen und einreichen können. Damit erklären Sie sich bereit, selber Autoren auszuwählen, wenn einem anderen Ihr Gedicht gefällt.

2 Agora (Marktplatz), Diskussionsforum

4 Ehrenhain: Erinnerung an Autoren, Texte, Daten

11 Rathaus

12 Schatzhaus (Linkliste)

13 Galerie. Wenn Sie Bewohner (also angemeldeter Teilnehmer) von Lyropolis sind, können Sie hier Fotos Ihrer Lyrikbibliothek oder einzelner Stücke Ihrer Sammlung teilen.

17 Freistil. Bewohner können hier Gedichte oder Texte über Dichtung anderer Autoren veröffentlichen, kommentieren, illustrieren usw.

20 Privaträume. Bewohner können hier eigene Gedichte zur Diskussion stellen.

Weitere Erläuterungen folgen.

In tausend Formen magst du dich verstecken…

1.7.4.4.1.1.1.1.1.2.1.3 goethe: In tausend Formen magst du dich verstecken

Textkette

Ausgewählt von Roland Erb

Der mir von Sven Wenig (für das Liken eines Gedichts von Hafis) zugewiesene Dichter:

Johann Wolfgang von Goethe

(aus: Westöstlicher Divan.
Buch Suleika)

In tausend Formen magst du dich verstecken,
Doch, Allerliebste, gleich erkenn‘ ich dich;
Du magst mit Zauberschleiern dich bedecken,
Allgegenwärtige, gleich erkenn‘ ich dich.

An der Zypresse reinstem, jungem Streben,
Allschöngewachsne, gleich erkenn‘ ich dich;
In des Kanales reinem Wellenleben,
Allschmeichelhafte, wohl erkenn‘ ich dich.

Wenn steigend sich der Wasserstrahl entfaltet,
Allspielende, wie froh erkenn‘ ich dich;
Wenn Wolke sich gestaltend umgestaltet,
Allmannigfaltige, dort erkenn‘ ich dich.

An des geblümten Schleiers Wiesenteppich,
Allbuntbesternte, schön erkenn‘ ich dich;
Und greift umher ein tausendarm’ger Eppich,
O Allumklammernde, da kenn‘ ich dich.

Wenn am Gebirg der Morgen sich entzündet,
Gleich, Allerheiternde, begrüß‘ ich dich,
Dann über mir der Himmel rein sich ründet,
Allherzerweiternde, dann atm‘ ich dich.

Was ich mit äußerm Sinn, mit innerm kenne,
Du Allbelehrende, kenn‘ ich durch dich;
Und wenn ich Allahs Namenhundert nenne,
Mit jedem klingt ein Name nach für dich.

(Text nach: Goethes Werke, Hamburger Ausgabe, Hamburg, 1960)

SO KANN ICH aus dem Wort

Sabina Lorenz

Mein Beitrag zur Textkette von Nelly Sachs auf Wunsch von Max W. Madson.

Was ist die Textkette: „Das Prinzip ist einfach – jede Person, welche bei einem Gedicht der Reihe „gefällt mir“ klickt, bekommt eine(n) AutorIn zugewiesen. Dann einfach ein Gedicht raussuchen, posten (auf der eigenen Pinnwand oder hier oder beides) und so die lyrische Kette fortführen. Bitte nicht vergessen, diesen Text vor das Gedicht zu setzen, damit andre die Reihe fortsetzen können.“

Nelly Sachs, 1891 – 1970, Nobelpreis für Literatur 1966

SO KANN ICH aus dem Wort:

Ein Stück der Nacht
mit Armen ausgebreitet
nur eine Waage
Fluchten abzuwiegen
diese Sternenzeit
versenkt in Staub
mit den gesetzten Spuren.

Jetzt ist es spät.
Das Leichte geht aus mir
und auch das Schwere
die Schultern fahren schon
wie Wolken fort
Arme und Hände
ohne Traggebärde.

Tiefdunkel ist des Heimwehs Farbe immer

so nimmt die Nacht
mich wieder in Besitz.

aus: Nelly Sachs, Gedichte, Suhrkamp 1977

Beitrag anzeigen · 7. März um 17:50