Damenringkampf

1.2.1 heinrich nowak: damenringkampf

Ausgewählt von Michael Gratz im Auftrag von Florian Voß

Heinrich Nowak

Damenringkampf

Die Eine ist recht üppig; lächelt froh
Im Vollbewußtsein ihrer Kampfeslüste;
Zwei runde Kreise zeichnen ins Trikot
Die Warzen ihrer kolossalen Brüste.

Die Andere ist schlank, und hart und fest
Ist jeder Muskel, den sie spielen läßt.
Das Hirnchen hinter blondem Haaresknoten
Ist sicher vollgepfropft mit süßen Zoten.

Wie sie sich fernher mit den Augen messen
Schweigt die Musik – und sie umfassen sich –
Und wie sie Schenkel fest auf Schenkel pressen,

Wälzt auf der Schlanken schwer die Dicke sich
Und bohrt den Kopf in deren Psychebrust.
Aus aller Augen rinnt die wüste Lust –

aus: Heinrich Nowak: Die Sonnenseuche. Das gesamte Werk (1912-1920). Wien, Berlin: Medusa, 1984. Zuerst veröffentlicht 1913.

Das Prinzip ist einfach – jede Person, welche bei einem Gedicht der Reihe „gefällt mir“ klickt, bekommt eine(n) AutorIn zugewiesen. Dann einfach ein Gedicht raussuchen, posten und so die lyrische Kette fortführen. Bitte nicht vergessen, diesen Text vor oder unter das Gedicht zu setzen, damit andre die Reihe fortsetzen können.
Also Vorsicht: klicken Sie nur „like“ wenn Sie mitmachen wollen. Wozu alle eingeladen sind.

Abdollahi Ali, Sven Wenig, Bettina Boeck und 3 anderen gefällt das.
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Michael Gratz wir sind bei über 130 autoren. ich komm kaum noch nach. ab übermorgen wirds ein full time job. spätestens

aus aeiou.at:

Nowak, Heinrich, * 26. 1. 1890 Wien, † 12. 8. 1955 Zürich (Schweiz), Lyriker, Prosaautor und Journalist. Neben R. Müller einer der bedeutendsten Autoren des Wiener Frühexpressionismus, unter anderem befreundet mit O. Kokoschka und H. Flesch-Brunningen, Mitglied der Künstlervereinigung „Die Katakombe“. Veröffentlichungen in zahlreichen expressionistischen Zeitschriften; nach 1918 als Journalist und Reporter tätig, emigrierte 1939 in die Schweiz.

Werke: Die tragische Gebärde, 1913 (Gedichte); Die Sonnenseuche, 1920. – Ausgabe: Die Sonnenseuche. Das gesamte Werk, herausgegeben von W. Ihrig und U. Janetzki, 1984.

Literatur: W. Höllerer, H. Nowak. Ein verschollener Expressionist, in: Akzente 4, 1963.

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Psalm

1.1.2 paul celan: psalm

Ausgewählt von Innokentij Kreknin

PSALM

Niemand knetet uns wieder aus Erde und Lehm,
niemand bespricht unsern Staub.
Niemand.

Gelobt seist du, Niemand.
(…)

(Paul Celan: Die Niemandsrose, 1963)

Das Prinzip ist einfach – jede Person, welche bei diesem Gedicht „gefällt mir“ klickt, bekommtt von mir eine(n) AutorIn zugewiesen. Dann einfach ein Gedicht raussuchen, posten und so die lyrische Kette fortführen.

12. Februar um 18:20 ·
3 Personen gefällt das.

Innokentij Kreknin Christian Schmitt: Günter Eich 
vor 19 Stunden · Gefällt mir

Innokentij Kreknin Constanze Bartsch: Emily Dickinson
vor 19 Stunden · Gefällt mir

Innokentij Kreknin Beatrix van Dam: Shakespeare ; )
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Angelika Rothhardt was für ein text – immer wieder. aber mein liebling von celan bleibt corona.
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Innokentij Kreknin Es war Zeit, dass es die Zeit für diesen Text war, danke für die Vorlage ; )
vor 16 Stunden · Gefällt mir · 1

Beatrix van Dam Schade, da hätt‘ ich lieber die Emily…
vor 16 Stunden · Gefällt mir

Constanze Bartsch … und ich kann ja mir der Emily nicht so gut,,, ich Banausin … mal gucken, was ich das finde…
vor 3 Stunden · Gefällt mir

Constanze Bartsch schon getan!
vor 2 Stunden · Gefällt mir

Philanthropisch

1.1.1 christian morgenstern: philanthropisch

Ausgewählt von Bert S. Greif
9. Februar 2014

TEXTKETTE – mehr gute Gedichte! Jede Person, welche bei diesem Gedicht hier „gefällt mir“ klickt, bekommt von mir eine(n) AutorIn zugewiesen, sucht dann ein Gedicht von diesem Autor/dieser Autorin raus und postet es auf der eigenen Pinnwand, um so das Gedichte-Netz weiter zu spannen. Bitte nicht vergessen, diesen Text davor zu setzen.

Meine Antwort auf Angelika ´s Gedicht

C. Morgenstern
Philantropisch

Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
wäre besser ohne sie daran;
darum seh er, wie er ohne diese
(meistens mindestens) leben kann.

Kaum, daß er gelegt sich auf die Gräser,
naht der Ameis, Heuschreck, Mück und Wurm,
naht der Tausendfuß und Ohrenbläser,
und die Hummel ruft zum Sturm.

Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
tut drum besser, wieder aufzustehn
und dafür in andre Paradiese
(beispielshalber: weg) zu gehn.

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Henning Krawenko gefällt das.

Bert S. Greif ok Henning, victor hugo für dich! 
9. Februar um 23:38 · Gefällt mir · 2

DIESE NACHT – nicht gutzumachen / WENN DIE UHR TICKT: Grillenlieder

2.1 Ossip Mandelstam: DIESE NACHT – nicht gutzumachen
Ausgewählt von Sven Wenig
Und noch eine mir liebe Aufgabe für die Textkette: Wer liket, bekommt wie immer einen Dichter zugeteilt.

Für das Liken von Heinrich Heine („Fragen“) hat mir Jascha Dhal Ossip Mandelstam zugeteilt. Zunächst folgen die Originale. Unten dann habe ich jeweils die Übertragungen von Ralph Dutli und Paul Celan gegenübergestellt, weil ich es spannend fand, diese Übertragungen miteinander zu vergleichen. Wie immer konnte ich mich schwer entscheiden, deswegen zwei Gedichte von Mandelstam.

Осип Эмильевич Мандельштам

Эта ночь непоправима,
А у вас еще светло.
У ворот Ерусалима
Солнце черное взошло.

Солнце желтое страшнее, —
Баю баюшки-баю, —
В светлом храме иудеи
Хоронили мать мою.

Благодати не имея
И священства лишены,
В светлом храме иудеи
Отпевали прах жены.

И над матерью звенели
Голоса израильтян.
Я проснулся в колыбели,
Черным солнцем осиян.

August 1916

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Ossip Mandelstam:
„DIESE NACHT: NICHT GUTZUMACHEN“
In der Übertragung von

Ralph Dutli

DIESE NACHT – nicht gutzumachen,
Doch bei euch brennt noch ein Licht.
Vor Jerusalem entfachte
Sonne: schwarz erhebt sie sich.

Gelbe Sonne, größerer Schrecken –
Baju – bajuschki – baju:
Hell der Tempel, und sie betten
Mutter hier zur letzten Ruh.

Fruchtlos ihre Gnade suchend,
Aller Priesterschaft beraubt,
Stehn im Tempellicht die Juden:
Sangen eines Weibes Staub.

Über Mutters Sarg die Lieder
Israeliten, feierlich.
Ich erwach in meiner Wiege –
um mich: schwarzes Sonnenlicht.

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Ossip Mandelstam:
„DIESE NACHT: NICHT GUTZUMACHEN“
In der Übertragung von

Paul Celan:

DIESE NACHT: NICHT GUTZUMACHEN,
bei euch: Licht, trotzdem.
Sonnen, schwarz, die sich entfachen
Vor Jerusalem.

Sonnen, gelb: größres Entsetzen –
schlaf, eiapopei.
Helles Judenhaus: sie setzen
mein Mutter bei.

(…)

——————————————————————

Осип Эмильевич Мандельштам:
„Что поют часы-кузнечик“

Что поют часы-кузнечик,
Лихорадка шелестит,
И шуршит сухая печка —
Это красный шелк горит.

Что зубами мыши точат
Жизни тоненькое дно,
Это ласточка и дочка
Отвязала мой челнок.

Что на крыше дождь бормочет,—
Это черный шелк горит,
Но черемуха услышит
И на дне морском: прости.

Потому что смерть невинна,
И ничем нельзя помочь,
Что в горячке соловьиной
Сердце теплое еще.

Februar 1918

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Ossip Mandelstam:
„WENN DIE UHR TICKT: Grillenlieder“
In der Übertragung von

Ralph Dutli

Wenn die Uhr tickt: Grillenlieder
Fieberheißes Rauschen – fremd,
Und der Ofen knistert wieder,
Rote Seide brennt und brennt.

Feinen, dünnen Lebensboden
Den durchnagt der Mäusezahn,
Schwalbenmädchen, Schwalbentochter
Band mir los schon meinen Kahn.

Auf dem Dachholz murmelt Regen,
Schwarze Seide brennt ihr Lied,
Doch der Faulbeerbaum wirds hören
Tief im Meer das Wort: vergib.

Schuldlos ist der Tod – kein Biegen
Gibt es, davon heilt dich nichts,
Daß im Nachtigallenfieber
Heiß das Herz, noch heißer ist.

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Ossip Mandelstam:
„GRILLENLIED, AUS UHREN TICKEND“
In der Übertragung von

Paul Celan

GRILLENLIED, AUS UHREN TICKEND,
Flüstern einer Fieberglut,
Rascheln aus dem Ofen, trocken -:
rote Seide ists, die loht.

(…)

13. Februar um 00:27 ·

Karo Line gefällt das.

Sven Wenig Gedichte und Übertragungen zitiert nach:

Ossip Mandelstam: Gedichte. Aus dem Russischen übertragen von Paul Celan. Fischer Taschenbuch Verlag.

Ossip Mandelstam: Tristia – Gedichte 1916-1925. Aus dem Russischen übertragen und herausgegeben von Ralph Dutli. Fischer Taschenbuch Verlag.
13. Februar um 00:28 · Gefällt mir

Sven Wenig Karo Line Darf ich Dir auch eine Dichterin zum Posten zuteilen? Und wie wäre es mit Else Lasker-Schüler? 
13. Februar um 00:35 · Gefällt mir · 1

Ondas do mar de Vigo

1.7.4.6.1.1 Martim Codax: Ondas do mar de Vigo

Gesendet am 27.02.2014 um 22:09
Neuer Beitrag zur Textkette

Ausgewählt von Roland Erb

Weil ich das von Léonce W. Lupette gepostete, in galicischer Sprache verfasste Gedicht García Lorcas “Noiturno do adolescente morto” (Nocturne vom toten Jüngling) geliket hatte, forderte mich Lupette auf, ein Gedicht des alt-galicischen Trovadors Martim Codax aus dem 13. Jahrhundert herauszusuchen.

Die alt-galicische Sprache steht am Beginn des Portugiesischen, das sich nach Bildung des portugiesischen Königreiches aus dem Galicischen herausbildete. Das moderne Galicisch wird gegenwärtig in vier Provinzen des nordwestlichen Spanien von 2,5 – 3 Millionen Menschen gesprochen. Der galicische Trovador (bzw. Jogral) Martim Codax lebte wahrscheinlich in der Hafenstadt Vigo. Von ihm sind sieben Cantigas de amigo (Frauenlieder) überliefert, zu denen größtenteils auch die Noten erhalten sind. Diese kurzen (höchstens achtstrophigen) Lieder bestehen aus dreizeiligen Strophen, jeweils einem gereimten Verspaar (Distichon) und einem Kehrreim. Roman Jakobson hat über die kunstvolle Konstruktion der Cantigas de amigo mit ihren Widerholungen und Parallelismen geschrieben (“Poesie der Grammatik und Grammatik der Poesie”).

Hier folgt die erste der von Martim Codax erhaltenen Cantigas mit einem übersetzungsversuch
:

Ondas do mar de Vigo,
se vistes meu amigo?
e ai Deus, se verrá cedo?

Ondas do mar levado,
se vistes meu amado?
e ai Deus, se verrá cedo?

Se vistes meu amigo,
o por que eu sospiro?
e ai Deus, se verrá cedo?

Se vistes meu amigo,
o por que hei gram cuidado?
e ai Deus, se verrá cedo?

(Wogen des Meers von Vigo,
hab ihr meinen Freund gesehn?
und, ach Gott, wird er bald kommen?

Wogen des Meers in Aufruhr,
hab ihr meinen Geliebten gesehn?
und, ach Gott, wird er bald kommen?

Habt ihr meinen Freund gesehn,
oh, warum seufze ich?
und, ach, Gott, wird er bald kommen?

Habt ihr meinen Freund gesehn,
und warum bin ich voller Sorge?
und, ach Gott, wird er bald kommen?

(Ü.: Roland Erb)

Wer diesen Text liket, bekommt einen weiteren Dichter zugewiesen.

La chair est triste, hélas

Stéphane Mallarmé

BRISE MARINE

La chair est triste, hélas ! et j’ai lu tous les livres.
Fuir ! là-bas fuir ! Je sens que des oiseaux sont ivres
D’être parmi l’écume inconnue et les cieux !
Rien, ni les vieux jardins reflétés par les yeux
Ne retiendra ce cœur qui dans la mer se trempe
Ô nuits ! ni la clarté déserte de ma lampe
Sur le vide papier que la blancheur défend
Et ni la jeune femme allaitant son enfant.
Je partirai ! Steamer balançant ta mâture,
Lève l’ancre pour une exotique nature !

Un Ennui, désolé par les cruels espoirs,
Croit encore à l’adieu suprême des mouchoirs !
Et, peut-être, les mâts, invitant les orages
Sont-ils de ceux qu’un vent penche sur les naufrages
Perdus, sans mâts, sans mâts, ni fertiles îlots…
Mais, ô mon cœur, entends le chant des matelots !

Stéphane Mallarmé

Poésies

Nouvelle Revue française, 1914 (8e éd.) (pp. 43-44).

Ossip Mandelstam

Из Стефана Малларме (перевод с французского)

La chair est triste, hélas…

Плоть опечалена, и книги надоели…
Бежать… Я чувствую, как птицы опьянели
От новизны небес и вспененной воды.
Нет — ни в глазах моих старинные сады
Не остановят сердца, плящущего, доле;
Ни с лампою в пустынном ореоле
На неисписанных и девственных листах;
Ни молодая мать с ребенком на руках…

Google übersetzt das so aus dem Russischen:

Flesh traurig und gelangweilt Bücher …
Führen Sie … Ich fühle mich wie ein Vogel, betrunken
Von der Neuheit der Himmel und der Schaum-Wasser.
Nein – nicht in den Augen meiner Vintage-Gärten
Nicht zu stoppen das Herz plyaschuschego, Aktie;
Auch mit einer Lampe in der Wüste Halo
Auf neispisannyh und unberührte Blatt;
Weder junge Mutter mit einem Baby …

Google übersetzt aus dem Französischen:

Das Fleisch ist traurig, ach! und ich lese alle Bücher.
Flieht! es entfernt! Ich fühle, dass Vögel sind betrunken
Um unter den unbekannten Abschaum und Himmel sein
Nichts, weder die alten Gärten in den Augen reflektiert
Wird dieses Herz behalten die im Meer Lösch
O Nächte! oder verlassenen Klarheit der meine Lampe
Auf dem weißen leere Papier verteidigt
Und weder die Frau stillt ihr Kind.
Ich lasse! Steamer schwingen Masten
Setzen Sie die Segel für exotische Natur!

Eine Langeweile, sorry durch grausame Hoffnungen,
Glaubt noch an den obersten Abschied Taschentücher!
Und, vielleicht, die Masten einladend Stürme
Sind diejenigen, die Wind sieht Schiffbruch
Verloren ohne Masten, ohne Masten oder fruchtbaren Inseln …
Aber, o mein Herz, höre das Lied der Matrosen!