Von Toren und Gebildeten

Nicht jede Dichtung, die alt ist, muß schön sein; und nicht jedes Kunstwerk, das neu ist, verdient gleich Mißbilligung. Gebildete Leute urteilen erst, nachdem sie geprüft haben. Toren aber messen am Althergebrachten.

Aus: Indische Spruchweisheit. Klugreden, Hofsprüche und Wahrworte aus dem Sanskrit. Übertr. u. eingeleitet v. Roland Beer. M.e. Beitrag zur Alpana-Malerei von Heinz Mode. Weimar: Gustav Kiepenheuer, o.J. (1973), S. 71

Die Fanfarlo

Samuel Cramer, der ehemals mit dem Namen Manuela von Monteverde einige romantische Narreteien unterzeichnete — in der guten Zeit der Romantik —, ist das widerspruchvolle Erzeugnis eines blonden Deutschen und einer braunen Chilenin. Man denke sich zu diesem doppelten Ursprung eine französische Erziehung und eine literarische Bildung, und man wird von seltsamen Komplikationen in diesem Charakter wenig überrascht sein, sie vielmehr wohl eher selbstverständlich finden. –Samuels Stirn ist rein und edel, die Augen sind glänzend wie Kaffeebohnen, die Nase deutet auf Widerspruchgeist und Spottsucht, die Lippen sind schamlos und sinnlich, das Kinn eckig und despotisch. Die Haare trägt er sehr gesucht in raphaelesker Art geschnitten.

Anfang einer Prosadichtung von Charles Baudelaire, um 1846. Erstdruck 1847. Deutsche Fassung von Margarete Bruns (Baudelaires Werke. Dichtungen in Prosa und Novellen. Minden: J.C.C. Bruns, 1902)

Zum Tod Stalins

Uwe Johnson sagt irgendwo (jetzt sinngemäß aus dem Gedächtnis): „1956 erfährt der Genosse Ulbricht, daß Genosse Stalin drei Jahre vorher gestorben war.“

Hier zum Anlaß des Tages (am 5. März 1953 starb „die Sonne der Völker“ Josef Stalin) der Anfang eines Gedichts von Brecht aus dem für Brecht kurzen Jahr 1956:

DER ZAR HAT MIT IHNEN GESPROCHEN
Mit Gewehr und Peitsche
Am Blutigen Sonntag. Dann
Sprach zu ihnen mit Gewehr und Peitsche
Alle Tage der Woche, alle Werktage
Der verdiente Mörder des Volkes.

Aus: Bertolt Brecht, Gedichte 5. (Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Bd. 15). Aufbau Verlag + Suhrkamp: 1993, S. 300

Wilhelm IX von Aquitanien

„Der erste Trobador“ Wilhelm IX. (* 22. Oktober 1071; † 10. Februar 1126), auch genannt der Junge (le Jeune), frz. Guillaume IX d’Aquitaine ou Guillaume VII, comte de Poitou (Guilhem VII de Peitieus) war Herzog von Aquitanien und Gascogne und als Wilhelm VII. Graf von Poitou.

Hier drei Seiten aus

Borchardt, Rudolf (Übers.): Die grossen Trobadors.Deutsch von Rudolf Borchardt. München: Bremer Presse, 1924. M. e. Nachw. d. Hrsg. 78 S., 2 Bll.. Gr.8°. OPappbd.
Compilation and translation of Provençal poetry, ca. 1100-ca. 1300. 200 copies printed by Mandruck, A.G., Munich. (Originalfassung und englische Übersetzung des Anfangs darunter – woraus ersichtlich, daß Borchardt keineswegs immer das übersetzt, worauf es uns ankommt, man vergleiche die letzte Zeile)

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